Es sind die Nebensätze.

“Daher ist der ‚Alternative für Deutschland‘ Erfolg zu wünschen.”

Dieser Nebensatz ist es, der die eben noch spannende Lektüre über die Problematik der Vereinbarkeit von Demokratie und Kapitalismus, überschattet. Gewohnt pointiert schreibt Habermas in der aktuellen Ausgabe der Blätter, was wir alle wissen sollten, was die Krise der letzten Jahre vollauf bestätigte: Demokratie bedeutet auch einen Kampf gegen Kapitalakkumulation und die eigentlichen strukturellen Probleme wurden mit zweifelhaften politischen Instrumenten überdeckt, die EU hechelt hinterher und jetzt geht alles irgendwie wieder seinen gewohnten Gang. Nochmal gut gegangen. Für einige wenige zumindest.

Habermas rezensiert das Buch “Gekaufte Zeit” von Wolfgang Steeck und skizziert die grundsätzlichen politischen Probleme, die sich in einem gemeinsamen Währungsraum ergeben, wie die Lösunge aussehen (können) und welche Probleme diese mit sich bringen. Alles sehr überzeugend und fundiert, ja lehrreich. Aber Habermas weiß schließlich, was er schreibt. Es tut wohl solche Texte zu lesen, die einen glauben lassen, dass es doch noch alles gut werden kann, dass die Mächtigen einfach auf Habermas hören. Vielleicht. Doch dieser Moment der weltgeistigen Verbrämung wird mit einem Nebensatz beendet.

“Daher ist der ‚Alternative für Deutschland‘ Erfolg zu wünschen.”

Nun kann eins irgendwie davon ausgehen, dass Habermas das ganze spieltheoretisch betrachtet, die AfD als Akteur sieht, die wichtige Fragen aufwirft, Druck auf die etablierten Parteien ausübt und so den finanzpolitischen Desasterkonsens aufbricht. Ja, so kann eins diesen gutheißenden Nebensatz bewerten. Damit könnte es eins dann auch belassen. Könnte. Denn auch wenn wir Habermas ein übernatürliches Reflektionsvermögen zugestehen wollen, so reiht sich dieses Zitat dennoch in eine unsägliche Tradition gebildeter, weißer, älterer Männer ein, die in ihren Texten von einer Bewertungsbasis ausgehen, in der es keinen Raum für die grundlegenden Strukturprobleme einer Gesellschaft gibt, in der kein Gedanke auf die Wirkmächtigkeit der Kategorien “Geschlecht” oder “Hautfarbe” zum Beispiel verschwendet wird. Und das ist ein Problem. Immer gewesen. Hedwig Dohm schrieb in ihrem Buch “Die Antifeministen” über dieses Problem anhand von Friedrich Nietzsche und den Frauen*:

“O Nietzsche, Du hoher, priesterlicher Geist, tiefer Geheimnisse Wisser und doch der einfachsten Wahrheiten Nichtwisser! Mit Gott und Göttern kannst Du reden, mit den Gestirnen, mit dem Meer, mit Geistern und Gespenstern. Nur mit und über Frauen kannst du nicht reden.”

Doch wie kommt es, dass große Denker und Dichter sobald es um nicht-weiße, nicht-männliche Menschen geht in ihrem Urteil regelmäßig verblendet sind? Die Probleme nicht antizipieren, die Groteskerie nicht erkennen, die hinter “Menschenrechte nur für Männer” schon in der Aufklärung steckt – deren Tradition wir aber immer noch reproduzieren. Dass sie nicht sehen, dass der Ausschluss von nicht-männlichen, nicht-weißen Menschen in der westlichen Demokratie kein Unfall, kein Nebeneffekt ist, sondern vieles über die vorhandene Strukture unserer Gesellschaft verrät, gar eine wesentliche Konstante ist.

An dieser Stelle kommen zahlreiche Theorien ins Spiel, die vor allem in feministischen Zirkeln ausgearbeitet wurden. Die Fülle an Untersuchungen soll hier nicht aufgeführt werden. Jedoch kann festgehalten werden: männliche Weißeuropäer sind in unserer Gesellschaft die Norm und alle Abweichungen von dieser Norm werden sanktioniert, mal mehr, mal weniger dramatisch. Und mit der AfD hat sich nun eine Partei zur Erhaltung dieser Norm gegründet. Dass selbst hoch intellektuelle Männer, die in diese Norm fallen, nicht in der Lage sind ihre gesellschaftliche Position zu antizipieren ist bemerkenswert, können wir doch davon ausgehen, dass Habermas mit Bourdieu vertraut ist. Andererseits ist es aber auch wenig verwunderlich, ja bestätigt sogar die Privilegientheorie.

“Daher ist der ‚Alternative für Deutschland‘ Erfolg zu wünschen.”

Die AfD nun steht ja nicht nur gegen den Euro, sondern sie steht auch für eine Partei der Rechthaber, derjenigen, die wir in der deutschen Gesellschaft seit jeher mit Privilegien austatten, die den Kern des bürgerlichen Deutschland stellen: weiße, männliche Wirtschafts- und Bildungsbürger. Männer, die unsere Gesellschaft geformt haben, sie zu dem gemacht haben, was sie ist, sie nach sich und ihren Vorstellungen geschaffen haben. Im Dunst dieser Privilegien ignorieren sie, dass ihr Recht nicht das Recht aller war und ist. Sie ignorieren, dass sie über Kapital verfügen, wie keine andere gesellschaftliche Gruppe. Ja, sie sind so privilegiert, dass ihnen nicht mal auffällt, dass sie eine mächtige Gruppe sind. Sie denken, ihre Ansprüche seien universal, allgemeingültig, objektiv, rational. Sie sehen nicht, dass ihre Perspektive eine gewachsene ist und auf Parametern basiert, die im Wesentlichen große Teile der Weltbevölkerung nicht mitdenken.

Nun ist es immer leicht gesagt, dass jemand etwas nicht verstanden habe. Doch betrachten wir einmal mit welchem Geschick Habermas die rassistischen, sexistischen und menschenverachtenden Auswüchse der AfD ignoriert, sich nur auf eine Möglichkeit innerhalb des Diskurses zurückzieht. Dabei ist die Menschen- und Demokratieverachtung der AfD wohl dokumentiert. Nicht nur fordern führende Politiker der AfD beschränktes Wahlrecht (was aber die Mitglieder der AfD wohl selbst kaum einschränken würde) wie zu Zeiten des Kaiserreichs, auch sammeln sich um die neue Partei rechte Gruppierungen, was die Parteispitze wiederum goutiert. Es ist ein Elend! Und Habermas setzt sich in nur einem Nebensatz selbst in Kontext zu dieser Ansammlung von Rechtspopulisten. Ein Nebensatz, der mehr zählt, als all die klugen Sachen, die in dem Artikel sonst stehen.

flattr this!

Kunst ist Kritik

Dieser Text basiert auf einem Text, der in dem Sammelband “Blackbox Urheberrecht” erschienen ist.

In der Debatte um eine Reform des Urheberrechts wird hart gekämpft. Wie könnte es auch anders sein, schließlich geht es um nichts weniger als Kunst, Kultur und Geld. Auch wenn um viel anderes gesprochen wird. Im Zuge der Debatte wird dabei ein Thema selten berührt: Die gesellschaftliche Funktion von Kunst. Der folgende Text soll ein kleiner, kämpferischer Anfang sein, dies zu ändern. Read more

flattr this!

Büchlinge!

Diesen Monat erscheinen zwei Bücher mit mir und mit über mich. Ich stelle sie euch hier einmal kurz vor:

Legenden von morgen
Geschrieben von der wunderbaren Kathi (@DieKathiWeiss) und ihrem Kollegen Philipp, die junge Menschen interviewt haben, denen sie zutrauen Legenden zu werden. Ich bin auch dabei, was mich sehr ehrt. Weitere Infos: www.schwarzkopf-verlag.net/katharina-weiszligphilipp-zumhasch-legenden-von-morgen.html

Blackbox Urheberrecht
Schon länger plante ich einen Text zum Thema Kunst und Gesellschaft, Walter Benjamin, Kapitalismus und meinen mir unterstellten Künstlerhass. Entsprechend kam mir das Angebot einen Beitrag in einem Sammelband zu schreiben gelegen. Grundthese: Unpolitische Kunst dient (Ur-)Faschismus. Steil wie immer und in erster Linie ein kleiner Anfang in einer Debatte um Kunst und Kultur, die mir zu sehr von Geld und Geschäftsmodellen dominiert war. Ich hoffe also auf eifrige Erwiderungen und Kritik! ;-)

Weiteres zum Sammelband und die Erklärung zum Geschäftsmodell (kein DRM, reines eBook, Selbstverlag, kein total buy-out) steht auf dem Blog des Herausgebers Daniel Brockmeier, der einen tollen Job geleistet hat: http://www.privatsprache.de/buecher/blackbox-urheberrecht/ Neben meinem findet ihr im Buch Beiträge von Thomas Stadler, Mspro, Neelie Kroes, Leutheusser-Schnarrenberger, Anatol Stefanowitsch und anderen.

flattr this!

Enteignung.

Plötzlich ist der Begriff da.

Also ernsthaft, echt. Nicht wie sonst. Nicht als Witz. Einfach da. Mit Flyern, mit Passion, mit Rudi im Geist. Und dann kommen die Mahner. Sie haben das Grundgesetz und Vorstellungen vom Marxismus, die meistens auch gar nicht stimmen. Sie kämpfen für eine Ordnung, von der sie eigentlich selbst nur wenig profitieren. Aber sie glauben daran. An die protestantische Ethik, an die Berufung und anderen religiösen Trödel, den wir im Kapitalismus entsorgt haben. Der jetzt zurückschlägt. Mit Neocons und globalisierten Finanzmärkten, mit Welthunger und Frontex, mit richkidsoninstagram.com und Intimoperationen. Und vielleicht profitieren sie ja doch. Also im Vergleich. Aber was nutzt der Vergleich, was nutzt der Trend, wenn der Backlash da ist, wenn das Haben nur wenigen gehört. Ja, gehört. Das gestehen wir ihnen zu, sie, die Wenigen, die wieder weniger werden, kleiner, elitärer. Und sie spielen. Mit Leben, mit Hoffnungen, mit unbetrauerbaren Körpern, die niemanden interessieren. Hauptsache vernetzt, gute Laune trinkend für einen Monatssatz. Wie wir verinnerlicht haben, dass Menschen verdienen, was sie haben, einfach so, dass ihnen zusteht, was sie sich nehmen. Egal zu welchem Preis. Und sei es nur der Verrat an der Kontingenz. Dieses Aushalten von Gegensätzen, logischen Ausschlüssen, Verfemung, das Glorifizieren des Machenden. Hauptsache machen. Wie die Mafia. Gold und Machen. Und wenn du es gemacht hast, brauchst du dich nicht rechtfertigen für obszönen Reichtum, für vollständige Ignoranz, für den Glauben an den Leistungsträger, der sich eigentlich nur eine Leistungsberechtigung erschleicht, der setzt, behauptet. Und gewinnt. Du brauchst nicht rechtfertigen, wieso dir ein Großteil der globalen Ressourcen zusteht. Und du siehst es nicht. Wie Marie Antoinette. Du nimmst, bestimmst und kommandierst ohne Widerspruch, ohne Gegenaktion, ohne die Verteidigung. Das ist deine Normalität. Manchmal sitzt du sogar in abendlichen Quäkerrunden im Fernsehen. Du stiehlst, lügst, gibst vor etwas zu dürfen, was andere nicht können, weil sie nicht sind wie du. Weil du hast die Gnade der Welt erfahren. Erkennbar an der Uhr an deinem Handgelenk.

Und plötzlich ist er da. Der Begriff. Und der Schreck. Aber der vergeht. Und am Ende stehen die Anderen, die Vergessenen, die Mehrheit. Und wir sind verwirrt, wir sehen sie trinken und rechtfertigen. Sie sagen uns, dass wir nur härter arbeiten sollen, mehr, besser, funktionaler. Aber sie sagen es, weil sie uns verwirren wollen, ablenken von ihrer Spielerei und dem Anspruch, denen ihnen nur die Geschichte gab. Und sie sich selbst. Zufällig. Aber der Begriff ist ja nun da. Und wir brauchen uns nicht fürchten. Wir brauchen ihn uns nur zueignen.

DSC_2872

flattr this!

Einfalt.

DSC_2080

Am schlimmsten ist die Einfältigkeit, die fehlende Kreativität, das Nicht-Hinterfragen, das Ja-Sagen und der Zwang die Welt in Symmetrien einzuteilen, die er kennt, die er geerbt hat, die er versteht, ohne nachzudenken. Ein Mensch, der mehr schreibt als er liest, mehr sagt als er denkt, mehr hasst als er liebt, erfüllt von der Rache gegen den Weltschmerz, sind die Projektionsflächen austauchbar, egal, Kollateralschaden. Das betont höhnische Lachen, die letzten Waffen, das letzte Gefecht vor dem Erkennen des Selbst, dem Zusammenbruch der Ideen, dem Schmerz des Nichts, der Vielfalt. Und dann die Lösung. Es ist so einfach. Manchmal haben sie gelesen, manchmal haben sie sich durchs Leben geschlagen, meist unfreiwillig, an statt Missgunst für das Andere. Plötzlich finden sie sich im Wurzelwerk der kommunikativen Triebhaftigkeit, bestätigen sich ihrer Sinnhaftigkeit und sehen die Welt wie sie zu sein scheint. Abweichung wird mit Härte, mit Häme und Hohn begleitet, so wie sie wollen, dass glänzt, was sich verennt im Augenblick der Selbstrettung, der Abschottung gegenüber der Komplexität und Radikalität des Verstehens. Gerechtigkeit gilt für sie selbst. Sie haben Zeit. Und dann verstehen sie nicht mal Lyrik.

flattr this!

Die Partei.

Vielleicht geht es gar nicht um Politik, sondern um den Glauben an eine Gesellschaft, um die Hoffnung doch nicht alleine zu sein. Und ist es nicht so, dass die Momente glücklich machen, in denen sich alle friedlich an den Händen halten im Inneren der sturmenden Welt und eine Entscheidung für das gute Leben treffen? Das gute Leben. Für alle. Abseits des Weltgetöses ist es diese Ruhe der Einigkeit, die allen Zweifel an der Welt übertönt, die vergessen lässt, dass Menschen selten durch Einsicht lernten und meistens nur durch Gewalt, durch Krieg. Für diese Momente leben wir; für die Harmonie, die Selbstbefriedigung, dass die Welt doch gut ist, dass wir doch nicht falsch und überflüssig sind, für die Haltung entgegen der ständig negativen Resonanz, die dir sagt, dass es sinnlos ist. Und dann erinnerst du dich an Ghandi. Oder Stalin. Du versuchst zu lernen, es anders zu machen. Gemeinsam diesmal. Doch irgendwie soll es dennoch einsam sein, denn es geht um dich, um deine Leidenschaft, deine Liebe zu dir selbst, die du immer wieder suchst. Es geht um dein Selbst, das dir fehlt und um einen Kampf, den du voller Liebe führen willst. Liebe für die Wahrheit. Und manchmal lässt dich genau diese Liebe vergessen, was Liebe ist und wie du sie leben kannst. Dann verlierst du dich im Raunen der Überheblichkeit. Denn in deinem Kopf ist alles klar. Nur in deinem Herzen nicht. Aber das stört ja nicht. Wen auch? Sie hat es ja sowieso nie interessiert, denn sie tun einfach, was ihnen gerade einfällt. Sie können das. Sie sind Menschen. Und ihnen gefällt das. Und macht es das nicht besser? Sie sind wie alle anderen. Sie sind echt. Sie richten es an. Und wir verzehren uns danach. Wir laufen hinterher. Wir glauben dieser Zeitung, auch wenn sie mit uns spielt, dabei in unser Gesicht lacht. Aber wir haben Angst vor dem Rückfall in die Taubheit, die Einsamkeit. Den Verlust der Gemeinsamkeit. Und dann erkenne ich in der Behäbigkeit wie grausam ich geworden bin, wie mich der Mut verlässt an uns zu glauben. Und dann gehe ich, lasse dich im Stich, denn es geht nicht mehr.

DSC_1992

flattr this!

Die Ehe.

Der Kampf tobt. Schon lange tut er das. Er tobt über die Frage der Definition um Ehe. Er tobt auch in mir. Und in dir. Das weiß ich. Dieser Kampf ist ein Schlachtfeld, auf dem viele andere gesellschaftliche Normen verhandelt werden.

Der Kampf um die Ehe für alle ist ein Kampf um die progressive Erneuerung unseres gesellschaftlichen Selbstverständnis. Es ist ein Symbolkampf, den es durchaus zu kritisieren gilt, vor allem, weil er im Kleinen denkt, nicht im Großen. Es ist ein einfacher Kampf, ein unterkomplexer. Ein Kampf, der die Masse packt wie die Wok-WM. Dennoch begrüße ich diese Neuverhandlung um die Ehe, denn eine gesellschaftliche Neuverhandlung auf dem Schlachtfeld Ehe bedeutet auch eine Neuverhandlung intimster gesellschaftlicher Normen. Das kann nur gut sein.

Der Begriff Ehe ist dabei natürlich schwer vorbelastet: Feindlich für alle, die nicht einer heteromonosexistischen Norm entsprechen. Die Ehe, wie wir sie heute kennen ist ein zutiefst bürgerliches Projekt und spiegelt eben so auch alle Abgründe des Bürgerlichen wider, die sich in der gesellschaftlichen Sanktionierung von Normabweichung zeigen. Die Norm ist dabei das Bürgerliche selbst, dass sich manifestiert in weißen, christlichen, monogamen, heterosexuellen cis-Menschen, die einander Versprechungen machen, die sie nicht halten können. Und genau diese Norm gilt es zu durchbrechen – die Ehe ist ein Symbol dieser Norm. Der Kampf um die Öffnung der Ehe kann also nur ein Kampf um das Aufbrechen der bürgerlichen Norm sein. Dass das nicht immer der Fall ist, hat Riot Mango bei der Mädchenmannschaft schön beschrieben.

Aber um was geht es bei einer Ehe eigentlich? Die Ehe ist die Ritualisierung des Versprechens, es miteinander auszuhalten, bis es gar nicht mehr geht. Bis zum bitteren Ende. Für einander zu sorgen. Einander zu akzeptieren, zu achten in einer Welt, in der Achtung kaum Relevanz hat. Niemals hatte. Das Versprechen bedeutet eine Zeremonie, das Versammeln geliebter Menschen, vor denen wir uns das Versprechen gaben füreinander zu sorgen, ehrlich zueinander zu sein. Trotz allem. Trotz deiner Sturheit und meinem unsteten Gemüt.

Und es beinhaltet ein Fest, wo all die Menschen vereint werden, wie sie so nie wieder vereint werden. Vereint werden können. Denn sie kommen wegen des Rituals, wegen des Versprechens, wegen der Hoffnung und wegen der Familie, die wir gemeinsam gründen wollen. Irgendwie.

Screen Shot 2012-08-01 at 8.51.01 PM

Die Idee der Ehe wurde missbraucht, sie wurde entstellt für Machtspiele und Unterdrückung, für Strafe und Politik. Dabei geht es um eine Familie, die ich mir selbst aussuche, um ein Bündnis mit Menschen, die ich liebe, die ich als Teil meines Lebens betrachten möchte, die andere als Teil meines Lebens betrachten sollen. Und um eine richtig coole Party. Dennoch behalte ich meinen Namen, denn ich mag es alleine zu sein. Und ich verstehe jeden, der sein Leben ohne jemanden wie dich verbringen will. Ehe mit sich selbst, Ehe mit Freunden, Ehe ohne Körperlichkeit.

Die Ehe ist für mich ein Kampf mit meinen eigenen Dämonen, mit meiner Priviligiertheit. Unser Ring erinnert mich jeden Tag daran, dass diese Welt scheiße ist. Er erinnert mich daran, dass ich die Scheiße nicht alleine ertragen muss; er einnert mich daran, dass ich trotzdem dankbar sein kann, ihn tragen zu dürfen. Der Kampf für die Ehe für alle bedeutet einen Kampf gegen meine eigenen Privilegien, für eine Welt, in der alle Menschen jemanden wie dich haben. Oder euch. Oder sich. Oder eben auch nicht.

Weiter lesen. Kritisch, affirmativ oder einfach schön:

kleinerdrei.org/2013/04/aber-ich-will-doch-gar-nicht-heiraten/

flannelapparel.blogspot.it/2012/10/eure-liebe-ist-straight-scharf-wie-ein.html

blogs.faz.net/deus/2012/01/09/okkupiert-die-ehe-653/

Das Programm der Piraten finde ich diesbezüglich übrigens sehr gelungen: www.piratenpartei.de/politik/selbstbestimmtes-leben/geschlechter-und-familienpolitik/#Zusammenleben

flattr this!

Die unbarmherzigen Staaten von Amerika (3/3)

Der letzte Teil meines Reiseberichts über die USA. Im Podcast WasGehtApp haben wir auch über die Reise gesprochen und bei Google+ findet ihr noch ganz viele Bilder, die ich auf der Reise geschossen habe und die alle unter CC-BY-SA stehen. English findet ihr hier: juliaschramm.de/translationusa3/

An der Union Station holt mich meine dritte Freundin ab. Ich bin überaus angetan von der großen Bahnstation, mit hohen Decken und Ledersesseln. Die Schilder, die betonen, dass Rumgammeln und Betteln verboten seien, nehme ich unbeeindruckt wahr. Das muss die Gewöhnung sein. Ein Highway mit kleinen bunten Häuschen und ein paar Hügeln, wo sich die Reichen vor dem Rest der Welt verbarrikadieren.

Read more

flattr this!

Die kulinarischen Staaten von Amerika (2/3)

The second part of my travel report on the US. My poor translation here: juliaschramm.de/translationusa2/

Seattle. Endlich. Ich werde abgeholt. Mit dem Auto. Zum Glück. Die Tränen sind getrocknet, das von der TSA durchwühlte Gepäck eingesammelt und das freie W-Lan gefunden. Seattle ist trocken, sonnig und durchaus anders, als das, was ich von der Ostküste nun kenne. Weiter, flacher, irgendwie verträumter. Bei der Rundreise durch das EMP-Museum, der Betrachtung des offensichtlichen Reichtums der Stadt (Microsoft, Amazon, Starbucks, Boeing sind hier u.a. ansässig) und der rauhen Landschaft verstehe ich besser und eindringlicher, wie Grunge entstehen konnte. Irgendwo zwischen Mittelschicht und Freiheitsdrang, zwischen offenem Erfindergeist und karierter Spießigkeit. Read more

flattr this!

Die ausgestellten Staaten von Amerika. (1/3)

Disclaimer: I have written this series on my travels in the US in German. Nevertheless I kind of managed to translate it. Have fun! Thanks to my wonderful hosts! <3

Lange zog es mich nicht in dieses Land, was mich geprägt hat wie kaum ein anderes, dessen Sprache ich spreche, mit dessen Kultur ich aufwuchs und die ich bis heute liebe. Ein Land, dass ich nur aus der Erzählung kenne, aus der Betrachtung. Dennoch habe ich die Pläne Fuß auf diesen Boden zu setzen nie umgesetzt, der Sehnsucht nach dem gepriesenen Land nie eine hohe Priorität eingeräumt. Stattdessen habe ich das Land betrachtet, das wie kein anderes betrachtbar scheint, habe zugeschaut, wie es sich seit dem 11. September verändert hat, habe Fox News verfolgt, Ron Paul und Michelle Bachmann. Ich las über das, was ich irgendwann sehen wollte.

Und vielleicht wartete ich auch ab, bis ich die Chance haben konnte mir die Zeit für diese Reise zu nehmen. Vielleicht habe ich mich auch auf diese Erfahrung einfach gründlich vorbereiten wollen. Dieses Jahr machte ich mich schließlich auf. Einen Monat, 6 Städte, 3 alte Freunde, 24000 km. Read more

flattr this!

Switch to our mobile site