25. April 2013

Enteignung.

Plötzlich ist der Begriff da.

Also ernsthaft, echt. Nicht wie sonst. Nicht als Witz. Einfach da. Mit Flyern, mit Passion, mit Rudi im Geist. Und dann kommen die Mahner. Sie haben das Grundgesetz und Vorstellungen vom Marxismus, die meistens auch gar nicht stimmen. Sie kämpfen für eine Ordnung, von der sie eigentlich selbst nur wenig profitieren. Aber sie glauben daran. An die protestantische Ethik, an die Berufung und anderen religiösen Trödel, den wir im Kapitalismus entsorgt haben. Der jetzt zurückschlägt. Mit Neocons und globalisierten Finanzmärkten, mit Welthunger und Frontex, mit richkidsoninstagram.com und Intimoperationen. Und vielleicht profitieren sie ja doch. Also im Vergleich. Aber was nutzt der Vergleich, was nutzt der Trend, wenn der Backlash da ist, wenn das Haben nur wenigen gehört. Ja, gehört. Das gestehen wir ihnen zu, sie, die Wenigen, die wieder weniger werden, kleiner, elitärer. Und sie spielen. Mit Leben, mit Hoffnungen, mit unbetrauerbaren Körpern, die niemanden interessieren. Hauptsache vernetzt, gute Laune trinkend für einen Monatssatz. Wie wir verinnerlicht haben, dass Menschen verdienen, was sie haben, einfach so, dass ihnen zusteht, was sie sich nehmen. Egal zu welchem Preis. Und sei es nur der Verrat an der Kontingenz. Dieses Aushalten von Gegensätzen, logischen Ausschlüssen, Verfemung, das Glorifizieren des Machenden. Hauptsache machen. Wie die Mafia. Gold und Machen. Und wenn du es gemacht hast, brauchst du dich nicht rechtfertigen für obszönen Reichtum, für vollständige Ignoranz, für den Glauben an den Leistungsträger, der sich eigentlich nur eine Leistungsberechtigung erschleicht, der setzt, behauptet. Und gewinnt. Du brauchst nicht rechtfertigen, wieso dir ein Großteil der globalen Ressourcen zusteht. Und du siehst es nicht. Wie Marie Antoinette. Du nimmst, bestimmst und kommandierst ohne Widerspruch, ohne Gegenaktion, ohne die Verteidigung. Das ist deine Normalität. Manchmal sitzt du sogar in abendlichen Quäkerrunden im Fernsehen. Du stiehlst, lügst, gibst vor etwas zu dürfen, was andere nicht können, weil sie nicht sind wie du. Weil du hast die Gnade der Welt erfahren. Erkennbar an der Uhr an deinem Handgelenk.

Und plötzlich ist er da. Der Begriff. Und der Schreck. Aber der vergeht. Und am Ende stehen die Anderen, die Vergessenen, die Mehrheit. Und wir sind verwirrt, wir sehen sie trinken und rechtfertigen. Sie sagen uns, dass wir nur härter arbeiten sollen, mehr, besser, funktionaler. Aber sie sagen es, weil sie uns verwirren wollen, ablenken von ihrer Spielerei und dem Anspruch, denen ihnen nur die Geschichte gab. Und sie sich selbst. Zufällig. Aber der Begriff ist ja nun da. Und wir brauchen uns nicht fürchten. Wir brauchen ihn uns nur zueignen.

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Julia

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