18. August 2012

Querulantenwahniges

Update: Irgendwie funktionieren die Kommentare nicht. Ich habe aber auch keine Lust das zu fixen ūüôā Und wenn ich schon beim Update bin, werde ich die folgenden drei Punkte durch politisch korrekte tl;dr erg√§nzen. Was man nicht mehr alles sagen kann!

Es ist mal wieder soweit: Der Querulantenwahn durchzieht meine Welt. Und nach dem gestrigen Tag, scheint es wieder Zeit zu sein. Bereits um 13 Uhr hatte ich meinen Kopf durch eine Wand geschlagen. Lasst mich euch sagen warum.

1. Klage gegen den Ankauf von Steuer-CDs
Nun haben sich also vier m√§nnliche Wei√üeurop√§er der Piratenpartei zusammengeschlossen, um den Ankauf einer Steuer-CD durch das Land NRW vor einem Gericht zu beklagen, um anderen m√§nnlichen Wei√üeurop√§ern mit sehr viel Geld und krimineller Energie mit Tatkraft zur Seite zu stehen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Denn neben der Tatsache, dass es sich hier um knallharten Legalismus, ja riesige produzierte politische Korinthen handelt, stellt sich mir folgende Frage: Was werden hier eigentlich f√ľr politische Priorit√§ten gesetzt? Politik hei√üt auch Priorit√§ten setzen, klar benennen, was wichtig ist, was essentiell. Und in einer Zeit, in der die √∂ffentlichen Kassen immer leerer werden und die der wohlhabenden immer voller – nun, in dieser Zeit halten Piraten es f√ľr essentiell die Rechte reicher Steuerbetr√ľger knallhart durchzusetzen. Bravo! Sehen so die Visionen der Piraten aus? Die Rechte von Reichen unter allen Umst√§nden durchsetzen? So, wie der Schutz der missachteten Menschenw√ľrde armer Vielurlauber, die sich zwar 4 Wochen Urlaub, aber keine Geb√ľhren f√ľr √∂ffentliche Bibliotheken leisten k√∂nnen? Oh, aber es geht ja ums Prinzip!

Siehe zum Steuerthema auch Fabio Reinhardt und ein vorheriges Statement der Piratenpartei, was ich im Grundsatz auch unterst√ľtze, aber nun … mann kann sich auch mit wichtigerem besch√§ftigen.

tl;dr: Rechtlich ist das mit der Steuer-CD einwandfrei. Politisch ist es eine dumme Entscheidung. Politik bedeutet auch Prioritäten setzen. Hier wurden die falschen gesetzt.

2. Julian Assange ist ein Heiliger!
Dass die USA JA haben wollen ist klar. Dass die USA und der CIA (den ich btw. in vielen Verschw√∂rungstheorien viel zu f√§hig und skilled dargestellt sehe. Wenn ich mir das Vorgehen so angucke … nun) totales Interesse daran haben JA einzusperren und zu bestrafen ist ja auch klar. Dass die USA das als Anlass nehmen um z.B. Ecuador mal wieder bisschen zu triezen und Ecuador sich dann noch bisschen als anti-amerikanische Befreiungskraft stilisieren kann – auch das geschenkt. Aber dass sich viele Menschen nicht vorstellen k√∂nnen, dass Assange einfach ein Widerling ist, der sich f√ľr allm√§chtig und geil h√§lt und so die Grenzen von Frauen eindeutig und gewalt√§tig √ľberschritten hat √ľbersteigt meine F√§higkeit empathisch zu sein. Dass ein Rechtsstaat wie Schweden einfach nur diesen Mann zur Rechenschaft ziehen will ist also komplett absurd? Oder ist Schweden jetzt kein Rechtstaat mehr? Und ehrlich: W√§re ich Polizeichefin in Schweden, dann w√ľrde ich auch ein Exempel statuieren wollen. Weil der Kerl mal eine gute Idee hatte, soll er sich dem schwedischen Rechtssystem entziehen k√∂nnen? √Ąh, nein?

Dass im Diskurs der uralte Mythos der berechnenden Frau, die mit ihrer Sexualität Weltpolitik macht (weil sie die ja im Griff hat im Gegensatz zu den Männern!), bedient wird ist so klischeebeladen, dass es weh tut. Und auch das Argument, dass es schwedische Spezialgesetze bzgl. Vergewaltigung gibt ist sowas von daneben. Ehrlich: In Deutschland gibt es eher Spezialgesetze, die Vergewaltigung und die strafrechtliche Verurteilung erschweren. Lest bitte diesen Text (Triggerwarnung) und sagt mir, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung handelt. In Deutschland hätte man mit diesen Tatumständen Probleme vor Gericht. (Und p.s. wer glaubt, dass es unfreiwilligen Sex gibt, der hat glaube ich das Konzept von Sex nicht begriffen. Unfreiwilliger Sex = Vergewaltigung.)

Es macht mich w√ľtend, dass viele glauben, dass eine Weltverschw√∂rung wahrscheinlicher ist, als ein gr√∂√üenwahnsinnger Typ, der √ľbergriffig und gewalt√§tig gegen√ľber Frauen ist. Dieser Text ist dazu eine gute Lese.

tl;dr Die Wahrscheinlichkeit, dass JA eine Sexualstraftat begangen hat ist angesichts der sexuellen Übergriffe gegen Frauen jeden Tag wahrscheinlicher, als dass Schweden kein Rechtsstaat ist. Auch: Im Zuge dieses Falles werden alle miesen, sexistischen Vorurteile gegen Frauen aufgewärmt und Vergewaltigung verharmlost.

3. Zu Pussy Riot sind wir uns ja einig. Aber ich musste es doch erwähnen!

tl;dr. Free Pussy Riot!

Und das war es auch schon wieder. Bis zum nächsten Facepalm!

Julia

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3 Kommentare zum Artikel

somepir8 am 23.9.2012 um 17:07

„Die Wahrscheinlichkeit, dass JA eine Sexualstraftat begangen hat ist angesichts der sexuellen √úbergriffe gegen Frauen jeden Tag wahrscheinlicher, als dass Schweden kein Rechtsstaat ist.“

– Das ist ein http://www.nizkor.org/features/fallacies/false-dilemma.html
– was haben die „sexuellen √úbergriffe gegen Frauen jeden Tag“ f√ľr den konkreten Fall damit zu tun? Generalverdacht, weil Mann? und sexuelle √úbergriffe gegen M√§nner gibt es nicht?
– mit Wahrscheinlichkeiten in der Judikative zu argumentieren ist sehr d√ľnnes Eis.

„… sagt mir, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung handelt.“ Du sagst also, man soll eine Quelle lesen und damit wird jede weitere Arbeit unn√∂tig? Das ist eine gef√§hrliche Einstellung zur Medienkompetenz und eine noch fatalere im Bezug auf den Rechtsstaat.

Es ist ja richtig verk√ľrzten Darstellungen und unsachlichen Vereinfachungen entgegenzutreten. Nur sollte man das nicht mit verk√ľrzten Darstellungen und unsachlichen Vereinfachungen tun.