7. Februar 2012

-ism und Judentum (Lieber Kevin)

I couldn’t help myself.

Dieser Post ist eine Mischung aus http://juliaschramm.de/2011/01/06/irrtum-und-holocaust/ und http://juliaschramm.de/2011/10/30/wahrheit-und-normen/ Achja und einige von euch haben vielleicht auch meine Briefe an xy satt. Sorry! xoxo

Lieber Kevin Barth,

nun, du bist also gewählter Pirat. Eigentlich hatte ich angefangen dir eine private Nachricht zu schreiben, aber dann dachte ich, dass dein Tweet zu Thema Israelpolitik und Judentum exemplarisch ist. Außerdem liebe ich offene Briefe! Und deswegen soll das auch meine Antwort hier sein. Denn ich weiß, dass viele Menschen so denken wie du. Das macht dich nicht automatisch zu einem schlechten Menschen, jedoch sind deine Aussagen hochgradig gefährlich.

Du fragst also, ob es dich zum Antisemiten macht, wenn dir der „Jude an sich“ unsympathisch ist. Hier eine Antwort: Ja. Lass mich spezifizieren: Du bist nicht automatisch ein Antisemit, wenn du eine solche Aussäge tätigst. Genauso wie dich die Aussage „$Geschlecht an sich“ nicht automatisch zum Sexisten und „$Ethnie an sich“ automatisch zum Rassisten macht.(Gutes Video dazu: http://www.illdoctrine.com/2008/07/how_to_tell_people_they_sound.html)

Deine Aussage jedoch ist zu 100% antisemitisch, du handelst in diesem Moment zu 100% antisemitisch. Denn es scheint deine generelle Meinung zu sein, die du öffentlich darlegst. Die Aussage, dass „xy an sich“ ist ist das eine, dass du aber alle Juden per se einfach ablehnst – nun das macht dich zum Antisemiten. Und das ist ein Problem. Ein sehr großes. Deswegen lass‘ es mich direkt sagen: Ich an deiner Stelle würde zurücktreten. Aber meine ethischen Maßstäbe sind auch relativ hoch, selbst für Piraten. Dennoch: Dein (gelöschter) Tweet ist eine Katastrophe. Tritt zurück und lies ein Buch über das Wesen von Antisemitismus. Bitte.

Nochmal zur Sicherheit: Wikipedia definiert Antisemitismus wie folgt: Judenfeindlichkeit (auch Judenhass, Judenfeindschaft, gegebenenfalls Judenverfolgung) bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums.

Wir erinnern uns an deine Aussage: Du hast das Judentum pauschal (Juden an sich) abgelehnt (unsympathisch). Wir sehen also: Deine Aussage ist antisemitisch. Und wenn du davon überzeugt bist und es dein Denken und Handeln durchzieht, dann bist du ein Antisemit.

Doch ich will auf deine Aussage noch detaillierter eingehen.

Fangen wir mit Israel an. Israel zu kritisieren ist ja en vouge. Jede meint eine fundierte Meinung dazu zu haben, was in den meisten Fällen nicht stimmt. Der Nahost-Konflikt ist sehr komplex und hat wesentlich mehr Facetten, als es immer dargestellt wird. Ja, den Palästinensern geht es schlecht, das muss man kritisieren, aber das automatisch mit dem Judentum gleichzusetzen ist falsch. Und dann wieder eine antisemitische Aussage. Die Idee hinter Israel ist einen Nationalstaat mit jüdischer Mehrheit zu erhalten (aus obvious Gründen: Wer die Mehrheit stellt, kann nicht verfolgt werden), das heißt aber nicht automatisch, dass Israel das Judentum darstellt, repräsentiert oder oder oder. (Der Talmud ist übrigens streng gelesen nicht sonderlich für einen jüdischen Staat, aber das ist ein anderes Thema) Es heißt nur, dass dieser Staat eine Prämisse hat. Diese Prämisse basiert eigentlich auf einer Religion, ist jedoch viel mehr eine Kultur und manche sagen auch Ethnie (wobei mir das zu biologistisch ist). Und auch wenn es eine gewisse Verbindung zwischen Menschen gibt, die eng mit dem Judentum verbunden aufgewachsen sind und leben, kannst du keine Aussagen über „Juden an sich“ treffen. Warum? Weil das biologistischer Determinismus ist. Warum das scheiße ist? Naja, Determinismus ist die atheistische Form von Gott und lässt dich im Endeffekt mit einem Schulterzucken zurück, denn: Wenn alles determiniert ist, wieso dann für Veränderungen kämpfen? Wenn unsere Gene, Hormone oder Aktionspotentiale alles festlegen: Wieso dann nicht die Natur machen lassen?

Die Aussage „xy an sich“ ist eine essentialistische Aussage – also eine Aussage, die ein festes Wesen (Essenz) der beschrieben Person oder Sache definiert. Die Aussage „der Jude an sich“ ist nun basierend auf einem Merkmal, dass sich die Person nicht selbst ausgesucht hat (im jüdischen Glauben bist du jüdisch, wenn du eine jüdische Mutter hast). Genauso wie „der Schwarze an sich“ oder „die Frau an sich“ dieses Merkmal nicht gewählt haben oder es ablegen können (also schon, ja, aber mit nur einem enormen Aufwand an (plastischer) Chirugie!) – ein Mensch sein, der unter die gesellschaftliche Kategorie „Jude“ fällt hat sich das in sehr vielen Fällen nicht selbst ausgesucht. (Mutter und so) Die Aussage „an sich“ impliziert, dass es ein festes Wesen gibt, das alle Juden teilen, ein Wesen, dass ewig ist, unauslöschbar. Die klassischen Assoziationen diesbezüglich sind meist irgendwie mit Geld und Macht verbunden. Und ich hoffe, dass du hier das Problem bereits siehst: Du schmeisst alle Menschen, die jüdisch sind oder Teil des Judentums in einen Topf und barndmarkst sie als unsympathisch. Nicht, weil du sie kennst, sondern weil du glaubst sie zu kennen. Du magst jemanden nicht, wegen eines Merkmals, welches in die Wiege gelegt wurde. Handelt es sich um Juden, dann ist das die Essenz des Antisemitismus.

Und hier kommt nun das Piratending ins Spiel: Wollten wir nicht das Individuum schützen und respektieren? Ist die Piratenpartei nicht eine Bürgerrechtspartei? Eine Partei, die jeden Menschen so betrachtet, wie er ist, die Freiheit ermöglichen will, weil sie daran glaubt, dass jeder Mensch einen Wert hat? Das ist zumindest meine Piratenpartei und ich frage mich, wie deine Aussage damit zusammengeht? Wie kannst du dich diesen Prinzipien verschreiben, wenn du Menschen, die du als Juden betrachtet, das Recht auf Individualität absprichst? Du behauptest, dass es ein festes Wesen von Juden gibt, ein Wesen, dass sich durch die DNA zieht? Durch die Geschichte? Nun, lieber Kevin, das ist Antisemitismus in Reinform und deswegen bist du in diesem Moment ein Antisemit gewesen. Ob du das weiterhin bist, ist dir überlassen.

Wenn du noch Fragen hast, melde dich einfach.

Liebe Grüße

Julia

 

Julia

Weitere Artikel

14. April 2018

Es muss Liebe sein.

„Wie hält du das nur aus?“ fragen mich Leute oft, wenn es um Hass im Netz geht. Kunst ist nun meine neuste Antwort! Es gibt auch Lesungen, die könnt ihr auf meinen Kanälen verfolgen!

Schreib den ersten Kommentar

14. April 2017

Eine Rede, eine Rede!

Vor zwei Wochen wurde ich auf Listenplatz 13 zur Bundestagswahl gewählt. Dafür habe ich eine Rede gehalten, die ihr hier jetzt auch mal nachlesen könnt: Liebe Genossinnen und Genossen,   Manchmal passiert Jahrzehnte nichts und dann passieren in kurzer Zeit Jahrzehnte. 2017 ist anders als 2013. Es ist ein besonderes Jahr, eine besondere Wahl und…

Schreib den ersten Kommentar

30. Mai 2016

Magdeburg.

Seit ein paar Ex-Pirat_innen im Januar eine Erklärung zur Unterstützung der Partei die Linke veröffentlichten, habe ich mich mit der Partei intensiver auseinandergesetzt. Am letzten Wochenende bin ich dann zum Parteitag gefahren, um mir das Ganze vor Ort mal genauer anzugucken. Meine gute Freundin Ursula hatte danach ein paar Fragen an mich – sie selbst…

Schreib den ersten Kommentar

31. Oktober 2015

Chancen.

Es ist nicht oft, dass sich große Chancen ergeben. Oder das Menschen an dich glauben, auch wenn du es schon selbst gar nicht mehr tust. Vor mehr als 3 Jahren erschien mein erstes Buch. Sagen wir so: Es lief alles nicht so gut. Ich habe daraus viel gelernt, auch wenn es manchmal schmerzhaft war. Zumindest…

Schreib den ersten Kommentar

26. Mai 2015

Diät.

Dieser Text brennt mir auf der Seele so lange ich denken kann. Doch erst seit kurzem kann ich dieses Brennen benennen. Es ist ein seltsames Gefühl, irgendwie bedeutungsschwanger, trivial, potentiell Aufruhr erzeugend. Es ist ein sehr persönliches Thema, weswegen es mir eigentlich schwer, aber auch gerade leicht fällt. Es betrifft mich auf eine Art. Es…

4 Kommentare

9. Januar 2015

10 Jahre Merkel. Zeit für neue Kritik.

September 2005. Es war die erste Bundestagswahl, bei der ich wählen durfte. Ich verfolgte die Berichterstattung sehr genau, war aber unsicher. Was würde aus Schröder werden, dem fleischgewordenen Albtraum linker Politik? Große Koalition? Schwarz-gelb-grün? Und dann diese Elefantenrunde. Eine legendäre Show Schröders, der, in völliger Ignoranz ob der Realität, Angela Merkel deutlich macht, dass sie…

Schreib den ersten Kommentar

Suche

Kommentar zum Artikel schreiben

* Pflichtfeld

63 Kommentare zum Artikel

Felix Just am 7.2.2012 um 20:40

+1

Danke, Julia!

maltejk am 7.2.2012 um 20:54

<3!

Moosbett am 7.2.2012 um 20:55

Super Erklärung 🙂

@kevusch am 7.2.2012 um 20:56

Sehr gut. Vielen Dank für die klaren Worte!

Hackbard am 7.2.2012 um 21:22

+1

Milenskaya am 7.2.2012 um 21:45

Hallo Julia,

Genau die gleichen Gedanken gingen mir durch den Kopf. Auch deine Konsequenz des Zurücktretens ist logisch. Ich habe ja gehofft, dass das Löschen seines Tweets eine Art vorzeitige Entschuldigung sei https://twitter.com/#!/kevbarth/status/166679409066115074
, aber nee, der Herr rechnet damit sich weiter dafür zu rechtfertigen, dass er Antisemit sei. Viel Glück dabei wünsch ich ihm.
Danke für den Brief.

fluxusx am 7.2.2012 um 23:06

Jenseits des offensichtlich antisemitischen Tweets enthält sein Blog-Post vom 25.1. noch mehr abgründiges (siehe http://twitpic.com/8gzqhz).

Da ging am Montag dann ein Bericht durch die Medien, der einmal mehr, der 20% der Deutschen als latenten Antisemiten dar stellt. Die Dunkelziffer läge aber bestimmt höher. Sprich wir werden wieder einmal mehr von einer Studie an den Pranger gestellt.

Von diesem Wir bekomme ich unmittelbar Brechreiz: denn damit kann ja wohl nur die Volksgemeinschaft gemeint sein, die sich mal wieder ungerechtfertigten Vorwürfen von außen ausgesetzt sieht? WTF! Und das wieder: man weiss nicht, bezieht er sich damit jetzt wohl eher auf die Versailler Verträge oder die Nürnberger Prozesse?

Ich finde es schrecklich was damals passiert ist und ich werde es hier auch nicht gut heißen. Doch ich werde niemals die Verantwortung für den Völkermord, Konzentrationslager und andere Dinge übernehmen.

Verantwortung für Dinge zu übernehmen, an denen man keine persönliche Schuld trägt, ist ein Zeichen von Reife, und letzere wiederum unabdingbare Vorraussetzung für politische Verwantwortung. Verantwortung ist eben ein vielschichtiger Begriff, dem solche Abwehrreflexe neimals gerecht werden können: Die Verantwortung, die wir Nachfahren der Nazis für alle Zeiten tragen, ist die, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschehen kann, weder hier noch irgendwo anders. Das ist in erster Linie kein Stigma, sondern ein Auftrag, der sich sogar als Chance begreifen lässt.

Rolf Schälike am 7.2.2012 um 23:38

Sagt man „ich habe an sich etwas gegen die und die“, dann stelle sich die Frage, wer ist die und die und was meine ich damit. Gilt z.B. für die Juden.

Man kann doch sagen „ein Glatzkopf gefällt mir an sich nicht“, oder „eine nackte alte Frau, die sabbert, gefällt mir an sich nicht“ oder „ich habe was an sich gegen Kommunisten oder Kapitalisten“ ….. .

Daraus Schlüsse zu ziehen, man sei in die eine oder andere Schublade zu stecken, ist kursichtig und gefährlich. Damit ist man blind gegenüber den tatsächlichen gefährlichen Tätern.

Maßstäbe sollten Taten und nicht dahingesagte – mögliucherweise manipulierte – „Ansichten“ sein.

Sabrina von Fersen am 7.2.2012 um 23:43

zu Boden geknutscht dafür 🙂

Henning am 8.2.2012 um 00:18

Schon krass, wenn Leute sich antisemitisch äußern und im gleichen Atemzug offenbar fest davon überzeugt sind, dass das nicht antisemitisch ist. Mir gefällt deine sachliche Art, Kevin klar zu machen, was er da eigentlich sagt.

form am 8.2.2012 um 00:35

Danke. Ich kenne sonst nur Äußerungen zum Thema, die alles kurz und klein schlagen, vielleicht hilft es ja, mit so Leuten auch mal wie in deinem Tonfall zu reden. Ich hoffe es. Es ist mir auf jeden Fall wohler dabei, da die Abwehrreaktionen dann leider meistens alles nur noch schlimmer machen.

Günther am 8.2.2012 um 01:56

Hallo Julia!

Ich wünschte, du würdest immer so klare Worte finden. Vielen Dank für diesen Artikel!

Gold Canary am 8.2.2012 um 03:12

Bei voller Zustimmung zum Inhalt: diese Wendung „aus obvious Gründen“ hat mir inmitten des Lesegenusses (und dieser kluge Text ist einer!) kurz Sodbrennen verursacht.

Frank am 8.2.2012 um 03:37

@fluxusx: Danke für den Snapshot des Blogposts. Da steht tatsächlich einiges krudes Zeug. Finde besonders auch die Aussage, dass er es nicht gutheißen werde, sehr irritierend. So als könnte man das gutheißen.

Zur Verantwortung: Ich denke nicht, dass wir Verantwortung tragen, weil wir „Nachfahren der Nazis“ sind. Ich für meinen Teil weiß nämlich ehrlich gesagt gar nicht, ob ich das bin. Ich trage Verantwortung, weil ich weiß, was damals passiert ist und wie es dazu gekommen ist. (Grob.) Dieses Wissen haben aber nicht nur Deutsche, sondern ebenso Franzosen, Polen und Israelis.

bla am 8.2.2012 um 07:45

guter text!
auch interessant folgender link http://krautchan.net/files/1328645192001.png
der typ gehört aus der partei geschmissen!

mfg

René Odenthal am 8.2.2012 um 10:02

Schön geschrieben, Julia 🙂
+1

LordSnow am 8.2.2012 um 10:21

„Man kann doch sagen “ein Glatzkopf gefällt mir an sich nicht”, oder “eine nackte alte Frau, die sabbert, gefällt mir an sich nicht” oder “ich habe was an sich gegen Kommunisten oder Kapitalisten” ….. .“

Man könnte auch sagen „ich habe an sich was gegen Nazis“.

Der Unterschied dabei ist, ich kann erklären warum ich was gegen alle Nazis habe, weil diese andere Menschen auf Grund ihrerer Abstammung oder ethnischen Zugehörigkeit als minderwertig oder wertlos betrachten und somit eine menschenverachtende Grundeinstellung vor sich her tragen, die irgendwann dazu führt, dass Menschen anderen Meschen vollkommen sinnlos an die Kehle gehen.

Die im Zitat gebrachten Beispiele nehme ich jetzt nicht auseinander, obwohl es mir in den Fingern juckt, aber bevor es tl;dr wird. Welche sinnvolle Erklärung soll es denn dafür gegen an sich was gegen Juden zu haben, und wie soll eine solche Einstellung, wenn man sie sich kritiklos verbreiten lässt nicht wieder in menschenverachtende Auseinandersetzungen führen bzw. mindestens ein Wegbereiter dafür sein?

netzhocker am 8.2.2012 um 11:33

“Menschen die abtreiben hätte man abtreiben sollen!!!” – Auch ein Zitat von Ihm. Zwar schon vor 5 Jahren getätigt aber die Richtung ist klar. Diese angebl. aus Unerfahrenheit und Dummheit getätigten Aussagen zeigen doch ganz klar welche menschenverachtende Geisteshaltung dahinter steckt. Parteiaustritt oder -rauswurf ist „alternativlos“.

gruß
netzhocker

Ali Reza am 8.2.2012 um 11:36

Ich fand den Tweet auch mehr als unglücklich. Jedoch kann ich dir nicht in allen Punkten zustimmen Julia. Ich finde nicht, dass es antisemitisch ist, wenn man Juden oder den „Juden an sich“ nicht mag. Es gibt viele Länder, Völker und Menschen. Wir sind alle gleich – und nichts läge mir ferner als jemanden zu diffamieren. Rassismus ist zum Kotzen und darf niemals auch nur ansatzweise toleriert werden. Dennoch, darf man doch manchen Länder, Völker, Sitten, Bräuche etc. nicht unbedingt mögen. Das darf doch bitte umgotteswillen erlaubt sein. Mancher mag keine Spagetthi, der andere kein McDoof-Essen. Sind beide jetzt Italiener und USA Hasser?! Nein. Man sollte sagen dürfen, dass man eine bestimmte Politik eines Landes nicht in Ordnung und sogar „Kacke“ findet. Auch wenn es ui ui ui ui Israel ist und mit Israelis zutun hat. Ich persönlich finde die Politik dort auch nicht gerade berauschend. Darf ich das nicht sagen ohne befürchten zu müssen, als Antisemit abgestempelt zu werden? ich denke nicht, dass Kevin Antisemit ist – ich würde ihm auch nicht ans Herz legen, auszutreten oder abzudanken. Ich würde ihm eher Rhetorikkurse und Seminare ans Herz legen. Ansonsten finde ich den Tonfall in / und diesen Blogpost an sich nicht sonderlich berauschend. Auch wenn ich weder Julia, noch diesen Kevin sonderlich gut kenne bzw. mag oder auch nicht. Oh hoppla – hoffentlich bin ich jetzt nicht Antikevit oder Antijulit. Pfffft…

Irene Barth am 8.2.2012 um 12:33

Zunächst einmal will ich dir danken liebe julia,es ist einer der ersten realistischen Blocks die ich jetzt lese…Ja,wir sind eine große Familie.Ja die Miedgliederzahl die sich für Parteipolitik interessiert ist in Heidenheim leider noch klein.Ja wir haben unseren Sohn gewählt,weil wir überzeugt waren das er es mit unserer Hilfe schaffen würde in Heidenheim etwas auf die Beine zu stellen.Ja wir haben mit unserem Sohn über seine Aussagen geredet und ja er weis was für einen Fehler er begangen hat. Ich werde immer ganz krippelig wenn man hier bei uns über „die Türken spricht“Oder die Ausländer…Kevin hat sich da seither immer dagegen ausgesprochen..Er hat viele fremdländische Freunde ,die bei uns immer gerne aus und ein gegangen sind.Es gibt keine Juden an sich ,genausowenig, wie es den Deutschen an sich gibt oder ,oder..Wir sind alles Menschen und wir sollten uns auch so verhalten.Menschlich!

Scott am 8.2.2012 um 13:19

„Fangen wir mit Israel an. Israel zu kritisieren ist ja en vouge. Jede meint eine fundierte Meinung dazu zu haben, was in den meisten Fällen nicht stimmt. Der Nahost-Konflikt ist sehr komplex und hat wesentlich mehr Facetten, als es immer dargestellt wird. Ja, den Palästinensern geht es schlecht, das muss man kritisieren, aber das automatisch mit dem Judentum gleichzusetzen ist falsch.“

Und genau darüber stolperst Du selbst. Geht es den „Palästinensern“ wirklich so schlecht? Hat man sich (hast Du Dir) darüber wirklich Gedanken gemacht? Das vorschieben der „Palästinenser“ ist eigentlich auch eine Form des Antisemitismus, des schicken Antisemitismus. Denn für die Situation wird immer Israel verantwortlich gemacht, nie Jordanien, Syrien, Libanon etc.

Israel hat schon mehr als einmal die diplomatische Hand gen „Palästina“ ausgestreckt und sich für eine Zwei-Staaten-Lösung stark gemacht, man hat sich von israelischer Seite sehr weit aus dem Fenster gelehnt…wer hat immer einen Rückzieher gemacht?

Wenn man sein Wissen aus Pallywood-Propaganda bezieht, dann geht es den „Palästinensern“ sehr schlecht. Fakt ist aber, dass sehr viele dieser „Palästinenser“ froh sind, auf israelischer Seite leben zu dürfen, in diesem sogenannten bösen „Apartheidsstaat Israel“, übrigens auch ein Kampfbegriff der wohlfeilen Antisemiten. Der Rächer der Enterbten und Unterdrückten. Die armen „Palästinenser“, die von Hilfsorganisationen erdrückt werden (wieviel Geld stellt die Bundesregierung 2012 für Bildungsprojekte in „Palästina“ zur Verfügung? wieviel die UN, die EU und wer finanziert die tausenden NGOs in „Palästina?). Der Nahostkonflikt finanziert und alimentiert sehr viele. Man kann gut leben mit dem Nahostkonflikt, eventuell strebt man ja deswegen keine Lösung an…

Es gibt eine Geschichte vor der Staatsgründung Israels und diese Geschichte ist geprägt von Judenverfolgung, Judenvernichtung und Judenunterdrückung, hier in Deutschland und auch unter britischer Mandatsherrschaft im Nahen Osten, nach dem Auseinanderbrechen des Osmanischen Reiches (die bösen Türken, die hatten da einfach Land besetzt, diese bösen imperialistischen Schurken).

Muss man also etwas kritisieren, was de facto so gar nicht stimmt?

Ich verneine das.

René Odenthal am 8.2.2012 um 14:59

Na, Scott – so weit wird es auch nicht kommen. Keine Sorge 🙂
Kein Grund zu dramatisieren.

Wir dürfen wirklich nicht jeden an die Wand nageln, der mal einen fahrlässigen und herablassenden Kommentar von sich gegeben hat, bezogen auf irgendeine Religion.

Ich möchte selbstverständlich, in keiner Art und Weise Kevins Kommentar entschuldigen oder verharmlosen – im Gegenteil, ich verurteile es scharf – aber wir müssen die Augen aufmachen und es als eine Leichtsinnigkeit in Erwägung ziehen. Ob es nun so ist oder nicht, werden wir wohl nie erfahren, jetzt wo er zurückgetreten ist. Man werde sehen. Wofür ich aber plädiere ist, dass künftig etwas mehr politische Bildung in die verschiedenen OGs, KVs und Co. einfließt. Ist echt wichtig, meiner Ansicht nach.

Hach Mensch. Ein Glück bin ich Atheist und muss mich nicht mit irgendwelchen Religionsstreitereien rumschlagen 🙂

ArthurHarris am 9.2.2012 um 20:45

Zeitgenössischer Antisemitismus ist einfach etwas wesentlich komplexeres als (religiös motivierter) Antijudaismus. Leute, die das nicht nachvollziehen wollen (wie Stefan) sind entweder dumm oder ebenfalls mit antisemitischen Ressentiments beladen. Deshalb lohnt sich auch keine vor Verständnis triefende Aufklärung über den Kategorienfehler, der hier fabriziert wird, denn im ersten Fall kann er nicht abstrakt genug denken um diesen nachzuvollziehen und im schlimmeren Falle macht er ihn ganz bewusst.

Lisa am 11.2.2012 um 13:04

Bei der Politik stimme ich voll zu, aber bei „unsympathisch“ scheinst du das falsche Wort erwischt zu haben.



Definieren das Wort jeweils als etwas höchst subjektives z.B. Wictionary:“der Kontakt mit der Person erzeugt ein unangenehmes Gefühl“.
Damit ist keine Ablehnung in Worten oder Taten verbunden, sondern lediglich eine eigene Emotion. Es ist durchaus möglich, Leute unsympathisch zu finden und dennoch fair und höflich zu behandeln. Vi-User zum Beispiel halte ich nach all meinen persönlichen Erfahrungen für kleine Kinder, die Coolness und Faulheit über tatsächliche Effizienz stellen – ich schließe daraus auch auf die sonstige Qualität ihrer Arbeit zurück und bleibe skeptisch wenn ich den Quellcode einer solchen Person lese. Ein Vorurteil also, aber keine Vorverurteilung. Denn wenn ein solcher VI-Kultist etwas Vernünftiges sagt, schreibt oder tut, höre ich dennoch zu und kann die Qualität und Kompetenz neidlos annerkennen. Gleichermaßen gehe ich mit Christen um: Es gibt einfach sehr sehr viele Fälle, in denen der persönliche Glaube an einen unsichtbaren Freund und seine seltsamen Regeln zu einem Problem wird und für die niemand etwas kann, außer dem Gläubigen. Ich bin an dieser Stelle höflich und Freunden gegenüber natürlich auch noch sehr nett — aber irgendwann ist es auch wieder genug.

Kurz: Es stört mich, dass political Correctness nicht mehr vor der Privatssphäre halt macht und es verbotene Gefühle gibt.
Ich will nur danach bewertet werden, wie ich Menschen behandle, nicht, welche Gefühle ich ihnen gegenüber habe und ob ich diese äußere.

Lisa am 11.2.2012 um 13:08

Repost: Das letzte mal ist mir das HTML kaputt gegangen 🙁

Bei der Politik stimme ich voll zu, aber bei „unsympathisch“ scheinst du das falsche Wort erwischt zu haben.
http://de.wiktionary.org/wiki/unsympathisch
http://www.duden.de/rechtschreibung/unsympathisch
http://www.dwds.de/?kompakt=1&qu=unsympathisch
http://wortschatz.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=unsympathisch

Definieren das Wort jeweils als etwas höchst subjektives z.B. Wictionary:“der Kontakt mit der Person erzeugt ein unangenehmes Gefühl“.
Damit ist keine Ablehnung in Worten oder Taten verbunden, sondern lediglich eine eigene Emotion. Es ist durchaus möglich, Leute unsympathisch zu finden und dennoch fair und höflich zu behandeln. Vi-User zum Beispiel halte ich nach all meinen persönlichen Erfahrungen für kleine Kinder, die Coolness und Faulheit über tatsächliche Effizienz stellen – ich schließe daraus auch auf die sonstige Qualität ihrer Arbeit zurück und bleibe skeptisch wenn ich den Quellcode einer solchen Person lese. Ein Vorurteil also, aber keine Vorverurteilung. Denn wenn ein solcher VI-Kultist etwas Vernünftiges sagt, schreibt oder tut, höre ich dennoch zu und kann die Qualität und Kompetenz neidlos annerkennen. Gleichermaßen gehe ich mit Christen um: Es gibt einfach sehr sehr viele Fälle, in denen der persönliche Glaube an einen unsichtbaren Freund und seine seltsamen Regeln zu einem Problem wird und für die niemand etwas kann, außer dem Gläubigen. Ich bin an dieser Stelle höflich und Freunden gegenüber natürlich auch noch sehr nett — aber irgendwann ist es auch wieder genug.

Kurz: Es stört mich, dass political Correctness nicht mehr vor der Privatssphäre halt macht und es verbotene Gefühle gibt.
Ich will nur danach bewertet werden, wie ich Menschen behandle, nicht, welche Gefühle ich ihnen gegenüber habe und ob ich diese äußere.

Joachim S. Müller am 11.2.2012 um 18:21

Gut gebrüllt, Löwin!
Nur siehst du Gott viel zu deterministisch. NIcht alle Menschen mit Glauben sind Kalvinisten oder so was. (Nein, der Punkt ist hier nicht relevant, klar. Aber ohne den subtilen Seitenhieb wäre der Text noch besser.)

Felix Elijahu am 14.2.2012 um 02:57

„ich finde das auch nicht geil, dass wir solche Leute haben. Aber eine Partei ist nur erfolgreich, wenn ein gewisser Querschnitt der Gesellschaft vorhanden ist … den haben wir, auch wenn er sowas mit einschließt …“

Was das betrifft verzichte ich lieber auf die „1-2%“ den sogenannten Erfolg, als so einen Menschen in der Partei zuhaben, der so eine Meinung vertritt. Um mal Marina zu zitieren „Entschuldige, ich muss eben brechen gehen.“ Antisemitismus wird man nie auslöschen können, damit hab ich mich schnell abgefunden. Aber man muss das in der Partei klar ablehnen und die Mitglieder mit so einer Gesinnung einer PAV unterziehen.

xyiovvdfoijvfdoibpjfbbjhreophrhpojrpoj am 28.4.2012 um 03:55

@Scott:

Ja klar, den Palästinensern geht es natürlich hervorragend, insbesondere natürlich auf der Westbank mit den freundlcihen Siedlern und der freundlichen IDF..
Was regen sich die Palästinenser auch darüber auf, dass sie kein Wasser bekommen, sie können ja Erde essen, nicht wahr?

http://www.amnesty.de/2009/10/27/israel-verweigert-palaestinensern-zugang-zu-wasser

Ist schon witzig, dass sofort der Mob der PI-Spinner und Antideutschen eintrifft, sobald es um das Thema Israel geht.