14. Oktober 2011

Kurt Schumacher und Nationalsozialisten

„Es hat keinen Zweck, gegen die Ungeheuerlichkeiten, die aus dem Munde der Herren Goebbels und Strasser kamen, mit einem formalen Protest anzugehen. Diese Dinge sind ja nur Teile eines ganzen Systems der Agitation. Wir wenden uns dagegen, auf diesem Niveau moralischer und intellektueller Verlumpung und Verlausung zu kämpfen. Das deutsche Volk wird Jahrzehnte brauchen, um wieder moralisch und intellektuell von den Wunden zu gesunden, die ihm diese Art der Agitation geschlagen hat […] Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Menschen […] Wenn wir irgend etwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die tatsache, daß ihm zum ersten mal in der deutchen Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist. […] Abschließend sage ich den Herren Nationalsozialisten: Sie können tun und lassen, was sie wollen: an den Grad unserer Verachtung werden sie niemals heranreichen.“

Kurt Schumacher am 23.Februar 1932 im deutschen Reichstag. Im Anschluss ging er für fast 10 jahre ins KZ. Das, was er damals sagte, gilt für die Nazis bis heute. Und die NPD sieht sich in deren Tradition. Also lasse ich Kurt auch für mich sprechen.

(Zitiert nach: Christian Hacke, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von Adenauer bis Schröder, Berlin 2004, S. 39/40.)

Julia

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6 Kommentare zum Artikel

Christoph v. Gallera am 14.10.2011 um 21:43

Liebe Julia Schramm,

kurz vor Mitternacht nach der Aspekte-Sendung mit Luzia Braun Ihre Zeilen zu entdecken, war eine tolle Überraschung. Ihr Kurt-Schumacher-Zitat passt in vielen Dingen auch in die heutige Zeit.

Mit herzlichen und kollegialen Grüßen,

wenn auch unbekannterweise,

Ihr Christoph v. Gallera

bernd am 14.10.2011 um 23:37

immer dieses „wir“…
drinbevor troll!

JT am 16.10.2011 um 10:42

Nett.

Wobei die NPD, frei nach einem tollen Extra3-Video, ja eher eine billige Karikatur der Nationalsozialisten ist.

Wolfgang Schneider am 18.10.2011 um 11:17

Sehr geehrte Frau Schramm,

ich weiß nicht, ob Sie meine Bitte auf diesem Wege erreicht, hoffe es aber. Sie sind mir durch einen Artikel in der FAZ vom 24. September 2011 auf s. 35 aufgefallen. Ich will mich nicht näher zu Ihren Ansichten äußern, finde sie aber ansprechend und interessant. Zu meiner Bitte: Ich bin Gymnasiallehrer in Hamburg und beschäftige mich mit Schülern der Klasse 11 im Philosophie-Unterricht zur Zeit mit den Themen Natur, Kultur und Freiheit. In zwei Wochen will ich mit dem Kurs eine Klausur schreiben und suche noch nach einem geeigneten Text zu diesen Themen, mit denen sich die Schüler argumentativ auseinander setzen sollen. Ich verwende dazu meistens Texte, die intelligent und provokativ sind und die nach Möglichkeit auch Schüler dieses Alters ansprechen. Da ich Ihnen das zutraue und Sie vom Alter her näher an meinen Schülern sind, bitte ich Sie, mir einen solchen Text zu schreiben (im Umfang von einer halben Seite etwa). Wenn Sie wollen, können Sie auch folgende Aussage Ihrem Statement zugrunde legen und sich mit ihr auseinander setzen:

„Zum Wesen des Menschen gehört der Drang nach Freiheit ebenso wie die Notwendigkeit, diesen Drang einzuschränken. Denn wenn die Menschen ungehindert ihren Freihheitsdrang auslebten, würden sie sich und ihre Mitmenschen zugrunde richten.“

Bitte schreiben Sie an die oben genannte E-Mail-Adresse (drwschneider@hotmail.com).
Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank im Voraus

Wolfgang Schneider

Horatio am 22.10.2011 um 03:53

In Zeiten von marktkonformer Demokratie (Merkel: „Wir leben ja in einer Demokratie und das ist eine parlamentarische Demokratie und deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments und insofern werden wir Wege finden, wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist“) finde ich die Worte „Die Demokratie verlangt den Sozialismus und der Sozialismus verlangt die Demokratie.“ aus dem Munde eines antikommunistischen Sozialdemokraten sehr aktuell.

Desweiteren möchte ich anmerken dass Kurt Schumacher in vielerlei Hinsicht das Gegenstück zu der heutigen verweichlichten, postmodernen, politisch korrekten, prinzipienlosen, Identitätspolitik-Linken ist.