9. März 2010

Schmerz und Liebe

Wieso verletzten Menschen sich gegenseitig auf so tiefe, intentional bösartige, ja widerliche Art und Weise, wie sie es eben tun? Was erzeugt in uns den Willen pulsierende Narben zu hinterlassen, wenn nicht der Wunsch etwas auszurichten – zu bleiben. Glänzen in den Tränen der Demütigung eines anderen die Momente von Ewigkeit, die uns sonst versagt sind?

Jeder von uns trägt Schmerz in sich – freiwillig oder nicht, meist jedoch von außen in einen hineingetragen, durchströmt er jeden einzelnen mit seiner brennenden Kälte, schnürt hier und da die Kehle zu, sammelt sich an seinem flüchtigen Ausgangspunkt, versteckt sich vielleicht, aber verschwindet nur schwer. Manche kennen, lieben ihn gar, manche übersehen ihn oder verlieren sich in ihm und wieder andere verstehen und überwinden ihn. Die Gründe für Schmerz sind so vielfältig wie die Menschen selbst, reicht vielen doch eine vermeintlich unbedeutende Situation oder Erkenntnis, während andere in ihrem Leben wieder und wieder Schmerz begegnen müssen. Wie Schmerz genau zu definieren ist lässt sich wohl nicht generalisieren – ist es für die einen ein diffuser Weltschmerz, der sich an unbestimmten oder toten Personen, an Strukturen oder dem gewünschten Weltgeist festmacht, ist er für die anderen konkret mit einer Situation, einem einzigen Menschen oder auch nur einem Augenblick verbunden.

Zuletzt unterscheidet uns die Art und Weise wie wir mit unserem Schmerz umgehen. Reflektierte Menschen wenden ihn gegen sich selbst, verstehen sie doch, dass er zwar der Welt geschuldet ist, aber sie verlangen nicht, dass die Welt ihn beendet, denn sie wissen, dass sie ihn nur selbst überwinden können. Meist jedoch versuchen Menschen ihren Schmerz zu externalisieren, anderen größeren Schmerz zuzufügen, ihn anderen einzupflanzen, die ihn vermeintlich mehr verdient haben. So oder so tun wir all das nur damit wir uns lebendig fühlen können, denn wir merken den Schmerz dann nicht, wenn unser Körper oder die Seele anderer sich vor Schmerzen krümmt, die eigenen Symptome verdeckt sind. Was wir dabei jedoch verlieren, ist die Fähigkeit wahrhaftig zu lieben – denn der Schmerz gibt uns zwar die Möglichkeit Adrenalin auszustoßen, aber er nimmt uns die Fähigkeit uns zu öffnen, zu lieben und lieben zu lassen.

Johnny Cash – Hurt

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that’s real
The needle tears a hole
The old familiar sting
Try to kill it all away
But I remember everything

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know
goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

I wear this crown of thorns
Upon my liar’s chair
Full of broken thoughts
I cannot repair
Beneath the stains of time
The feelings disappear
You are someone else
I am still right here

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know
goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way

Julia

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3 Kommentare zum Artikel

geier am 11.3.2010 um 00:05

Nine Inch Nails, nicht Johnny Cash

serial dater am 12.3.2010 um 16:56

der serial dater kann sich mit diesem artikel sehr gut identifizieren, und zwar in positiver hinsicht. eine schöne bestätigung! 😉
und dieses lied ist einfach nur todtraurig..und sehr passend!