-ism und Judentum (Lieber Kevin)

I couldn’t help myself.

Dieser Post ist eine Mischung aus juliaschramm.de/2011/01/06/irrtum-und-holocaust/ und juliaschramm.de/2011/10/30/wahrheit-und-normen/ Achja und einige von euch haben vielleicht auch meine Briefe an xy satt. Sorry! xoxo

Lieber Kevin Barth,

nun, du bist also gewählter Pirat. Eigentlich hatte ich angefangen dir eine private Nachricht zu schreiben, aber dann dachte ich, dass dein Tweet zu Thema Israelpolitik und Judentum exemplarisch ist. Außerdem liebe ich offene Briefe! Und deswegen soll das auch meine Antwort hier sein. Denn ich weiß, dass viele Menschen so denken wie du. Das macht dich nicht automatisch zu einem schlechten Menschen, jedoch sind deine Aussagen hochgradig gefährlich.

Du fragst also, ob es dich zum Antisemiten macht, wenn dir der “Jude an sich” unsympathisch ist. Hier eine Antwort: Ja. Lass mich spezifizieren: Du bist nicht automatisch ein Antisemit, wenn du eine solche Aussäge tätigst. Genauso wie dich die Aussage “$Geschlecht an sich” nicht automatisch zum Sexisten und “$Ethnie an sich” automatisch zum Rassisten macht.(Gutes Video dazu: http://www.illdoctrine.com/2008/07/how_to_tell_people_they_sound.html)

Deine Aussage jedoch ist zu 100% antisemitisch, du handelst in diesem Moment zu 100% antisemitisch. Denn es scheint deine generelle Meinung zu sein, die du öffentlich darlegst. Die Aussage, dass “xy an sich” ist ist das eine, dass du aber alle Juden per se einfach ablehnst – nun das macht dich zum Antisemiten. Und das ist ein Problem. Ein sehr großes. Deswegen lass’ es mich direkt sagen: Ich an deiner Stelle würde zurücktreten. Aber meine ethischen Maßstäbe sind auch relativ hoch, selbst für Piraten. Dennoch: Dein (gelöschter) Tweet ist eine Katastrophe. Tritt zurück und lies ein Buch über das Wesen von Antisemitismus. Bitte.

Nochmal zur Sicherheit: Wikipedia definiert Antisemitismus wie folgt: Judenfeindlichkeit (auch Judenhass, Judenfeindschaft, gegebenenfalls Judenverfolgung) bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums.

Wir erinnern uns an deine Aussage: Du hast das Judentum pauschal (Juden an sich) abgelehnt (unsympathisch). Wir sehen also: Deine Aussage ist antisemitisch. Und wenn du davon überzeugt bist und es dein Denken und Handeln durchzieht, dann bist du ein Antisemit.

Doch ich will auf deine Aussage noch detaillierter eingehen.

Fangen wir mit Israel an. Israel zu kritisieren ist ja en vouge. Jede meint eine fundierte Meinung dazu zu haben, was in den meisten Fällen nicht stimmt. Der Nahost-Konflikt ist sehr komplex und hat wesentlich mehr Facetten, als es immer dargestellt wird. Ja, den Palästinensern geht es schlecht, das muss man kritisieren, aber das automatisch mit dem Judentum gleichzusetzen ist falsch. Und dann wieder eine antisemitische Aussage. Die Idee hinter Israel ist einen Nationalstaat mit jüdischer Mehrheit zu erhalten (aus obvious Gründen: Wer die Mehrheit stellt, kann nicht verfolgt werden), das heißt aber nicht automatisch, dass Israel das Judentum darstellt, repräsentiert oder oder oder. (Der Talmud ist übrigens streng gelesen nicht sonderlich für einen jüdischen Staat, aber das ist ein anderes Thema) Es heißt nur, dass dieser Staat eine Prämisse hat. Diese Prämisse basiert eigentlich auf einer Religion, ist jedoch viel mehr eine Kultur und manche sagen auch Ethnie (wobei mir das zu biologistisch ist). Und auch wenn es eine gewisse Verbindung zwischen Menschen gibt, die eng mit dem Judentum verbunden aufgewachsen sind und leben, kannst du keine Aussagen über “Juden an sich” treffen. Warum? Weil das biologistischer Determinismus ist. Warum das scheiße ist? Naja, Determinismus ist die atheistische Form von Gott und lässt dich im Endeffekt mit einem Schulterzucken zurück, denn: Wenn alles determiniert ist, wieso dann für Veränderungen kämpfen? Wenn unsere Gene, Hormone oder Aktionspotentiale alles festlegen: Wieso dann nicht die Natur machen lassen?

Die Aussage “xy an sich” ist eine essentialistische Aussage – also eine Aussage, die ein festes Wesen (Essenz) der beschrieben Person oder Sache definiert. Die Aussage “der Jude an sich” ist nun basierend auf einem Merkmal, dass sich die Person nicht selbst ausgesucht hat (im jüdischen Glauben bist du jüdisch, wenn du eine jüdische Mutter hast). Genauso wie “der Schwarze an sich” oder “die Frau an sich” dieses Merkmal nicht gewählt haben oder es ablegen können (also schon, ja, aber mit nur einem enormen Aufwand an (plastischer) Chirugie!) – ein Mensch sein, der unter die gesellschaftliche Kategorie “Jude” fällt hat sich das in sehr vielen Fällen nicht selbst ausgesucht. (Mutter und so) Die Aussage “an sich” impliziert, dass es ein festes Wesen gibt, das alle Juden teilen, ein Wesen, dass ewig ist, unauslöschbar. Die klassischen Assoziationen diesbezüglich sind meist irgendwie mit Geld und Macht verbunden. Und ich hoffe, dass du hier das Problem bereits siehst: Du schmeisst alle Menschen, die jüdisch sind oder Teil des Judentums in einen Topf und barndmarkst sie als unsympathisch. Nicht, weil du sie kennst, sondern weil du glaubst sie zu kennen. Du magst jemanden nicht, wegen eines Merkmals, welches in die Wiege gelegt wurde. Handelt es sich um Juden, dann ist das die Essenz des Antisemitismus.

Und hier kommt nun das Piratending ins Spiel: Wollten wir nicht das Individuum schützen und respektieren? Ist die Piratenpartei nicht eine Bürgerrechtspartei? Eine Partei, die jeden Menschen so betrachtet, wie er ist, die Freiheit ermöglichen will, weil sie daran glaubt, dass jeder Mensch einen Wert hat? Das ist zumindest meine Piratenpartei und ich frage mich, wie deine Aussage damit zusammengeht? Wie kannst du dich diesen Prinzipien verschreiben, wenn du Menschen, die du als Juden betrachtet, das Recht auf Individualität absprichst? Du behauptest, dass es ein festes Wesen von Juden gibt, ein Wesen, dass sich durch die DNA zieht? Durch die Geschichte? Nun, lieber Kevin, das ist Antisemitismus in Reinform und deswegen bist du in diesem Moment ein Antisemit gewesen. Ob du das weiterhin bist, ist dir überlassen.

Wenn du noch Fragen hast, melde dich einfach.

Liebe Grüße

Julia

 

flattr this!

  • Felix Just

    +1

    Danke, Julia!

  • maltejk

    <3!

  • http://www.moosbett.de Moosbett

    Super Erklärung :)

  • @kevusch

    Sehr gut. Vielen Dank für die klaren Worte!

  • http://piraten-radio.net/ Hackbard

    +1

  • http://milenskaya.de Milenskaya

    Hallo Julia,

    Genau die gleichen Gedanken gingen mir durch den Kopf. Auch deine Konsequenz des Zurücktretens ist logisch. Ich habe ja gehofft, dass das Löschen seines Tweets eine Art vorzeitige Entschuldigung sei twitter.com/#!/kevbarth/status/166679409066115074
    , aber nee, der Herr rechnet damit sich weiter dafür zu rechtfertigen, dass er Antisemit sei. Viel Glück dabei wünsch ich ihm.
    Danke für den Brief.

  • fluxusx

    Jenseits des offensichtlich antisemitischen Tweets enthält sein Blog-Post vom 25.1. noch mehr abgründiges (siehe twitpic.com/8gzqhz).

    Da ging am Montag dann ein Bericht durch die Medien, der einmal mehr, der 20% der Deutschen als latenten Antisemiten dar stellt. Die Dunkelziffer läge aber bestimmt höher. Sprich wir werden wieder einmal mehr von einer Studie an den Pranger gestellt.

    Von diesem Wir bekomme ich unmittelbar Brechreiz: denn damit kann ja wohl nur die Volksgemeinschaft gemeint sein, die sich mal wieder ungerechtfertigten Vorwürfen von außen ausgesetzt sieht? WTF! Und das wieder: man weiss nicht, bezieht er sich damit jetzt wohl eher auf die Versailler Verträge oder die Nürnberger Prozesse?

    Ich finde es schrecklich was damals passiert ist und ich werde es hier auch nicht gut heißen. Doch ich werde niemals die Verantwortung für den Völkermord, Konzentrationslager und andere Dinge übernehmen.

    Verantwortung für Dinge zu übernehmen, an denen man keine persönliche Schuld trägt, ist ein Zeichen von Reife, und letzere wiederum unabdingbare Vorraussetzung für politische Verwantwortung. Verantwortung ist eben ein vielschichtiger Begriff, dem solche Abwehrreflexe neimals gerecht werden können: Die Verantwortung, die wir Nachfahren der Nazis für alle Zeiten tragen, ist die, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschehen kann, weder hier noch irgendwo anders. Das ist in erster Linie kein Stigma, sondern ein Auftrag, der sich sogar als Chance begreifen lässt.

    • Mike

      Es ist auch biologistisch, wenn Nachfahren für Taten ihrer Großeltern (in vielen Fällen haben selbst die Großeltern gar nichts getan oder sogar im KZ gesesssen) verantwortlich gemacht werden. Man kann nichts für diese Taten und kann sie auch niemals ungeschehen machen. Dass ich als Deutscher geboren bin ist reiner Zufall, genauso wie meine Haar und Hautfarbe und eben die Taten meiner Großeltern. Ich trage da keinerlei Verantwortung.

      Schuld direkt haben Täter im Dritten Reich und alle die Weggeschaut haben. Aber es gab eben noch mehr Menschen als diese, unter anderem Opfer und Auswanderer oder ab den 50ern Eingewanderte, die mittlerweile auch Deutsche sind.

      Die Verantwortung einen zweiten Holocaust zu verhindern liegt nicht explizit bei Deutschen, sondern bei JEDEM Menschen!

      Des weiteren solltest du davon absehen alle pauschal als “Nachfahren der Nazis” zu bezeichnen. Falls du es vergessen hast auch der 40jährige Einwanderer aus Ostanatolien ist Deutscher, sofern er einen dt. Pass hat und der ist ganz sicher kein Nachfahre von Nazis. Meine Großeltern sind aus Deutschland geflohen und auch keine Nazis. Die Großeltern meiner Freundin stammen aus Ghana, sie lebt seit ihrer Geburt hier und würde auch unter deine Definition fallen.

      Das ist plumper Rassismus alle Deutschen als Nazis oder Nachfahren von selbigen anzusehen.

  • http://www.buskeismus.de Rolf Schälike

    Sagt man “ich habe an sich etwas gegen die und die”, dann stelle sich die Frage, wer ist die und die und was meine ich damit. Gilt z.B. für die Juden.

    Man kann doch sagen “ein Glatzkopf gefällt mir an sich nicht”, oder “eine nackte alte Frau, die sabbert, gefällt mir an sich nicht” oder “ich habe was an sich gegen Kommunisten oder Kapitalisten” ….. .

    Daraus Schlüsse zu ziehen, man sei in die eine oder andere Schublade zu stecken, ist kursichtig und gefährlich. Damit ist man blind gegenüber den tatsächlichen gefährlichen Tätern.

    Maßstäbe sollten Taten und nicht dahingesagte – mögliucherweise manipulierte – “Ansichten” sein.

    • Stefan

      Yes!

    • Paul

      @Ralf, schon geringe sprachliche Veränderungen können einen anderen Sinn ergeben.
      “Glatzköpfe gefallen mir an sich nicht” ist etwas anderes als ” mir gefallen Glatzköpfe an sich nicht”. Lezteres besagt, dass mir alle Glatzköpfe nicht gefallen. Was kann eigentlich jemand dafür, wenn er durch Haarausfall zum Glatzkopf wird? Warum kannst Du ihn nicht leiden?
      Kevin “gefallen Juden an sich” nicht. Das heißt er hat generell etwas gwegen Juden.
      Diese Generalität wäre nicht gegeben wenn er gesagt hätte, “Juden gerfallen mir an sich nicht”. Oder habe ich ein falsches Sprachverständnis. Ich sehe in der zweiten Formulierung eine Verstärkung gegenüber der ersten.

      Ganz davon abgesehen halte ich nichts davon, durch unpassende Vergleiche (Glatzköpfe, alte Frauen), die Aussage Kevins in Bezug auf die Judenrelativieren zu wollen.

      • rob

        Ja, ich glaube Du hast ein falsches sprachverstaendnis. Macht aber nix denn recht hast Du trotzdem, insofern als dass die vergleiche hinken. Und zwar weil “Juden an sich” _nichts_ gemeinsam haben, was man legitimerweise und vernuenftigerweise ablehnen koennte. Es eint sie nur, dass sie juden sind, und wenn man DAS ablehnt, dann ist man eben per definition Antisemit. “Glatzkoepfe an sich” (vorrausgesetzt man meint damit koepfe ohne haare, und nicht personen, die solche besitzen) koennte man aber zum beispiel aus aesthetischen gruenden ablehnen (im sinne von “nicht moegen”), weil einem die konkrete eigenschaft, die sie _alle_ gemeinsam haben (keine haare), nicht gefaellt. Und eine solche auf’s aesthethische bezogene meinung ist sicherlich legitim, einfach eine geschmacksfrage. Wenn man “glatzkoepfige menschen” nicht mag, dann wird es natuerlich etwas schwieriger, weil unklar ist, warum man sie nicht mag und was das bedeutet.
        Hoffentlich nicht zu konfus, es ist schon spaet :-)

  • http://www.spreemieze.com Sabrina von Fersen

    zu Boden geknutscht dafür :)

  • Pingback: Der Jude an sich – Ein Pirat übt sich in Antisemitismus | Kotzendes Einhorn

  • http://www.henningschuerig.de Henning

    Schon krass, wenn Leute sich antisemitisch äußern und im gleichen Atemzug offenbar fest davon überzeugt sind, dass das nicht antisemitisch ist. Mir gefällt deine sachliche Art, Kevin klar zu machen, was er da eigentlich sagt.

  • http://www.ficko-magazin.de form

    Danke. Ich kenne sonst nur Äußerungen zum Thema, die alles kurz und klein schlagen, vielleicht hilft es ja, mit so Leuten auch mal wie in deinem Tonfall zu reden. Ich hoffe es. Es ist mir auf jeden Fall wohler dabei, da die Abwehrreaktionen dann leider meistens alles nur noch schlimmer machen.

  • Günther

    Hallo Julia!

    Ich wünschte, du würdest immer so klare Worte finden. Vielen Dank für diesen Artikel!

  • Gold Canary

    Bei voller Zustimmung zum Inhalt: diese Wendung “aus obvious Gründen” hat mir inmitten des Lesegenusses (und dieser kluge Text ist einer!) kurz Sodbrennen verursacht.

  • Frank

    @fluxusx: Danke für den Snapshot des Blogposts. Da steht tatsächlich einiges krudes Zeug. Finde besonders auch die Aussage, dass er es nicht gutheißen werde, sehr irritierend. So als könnte man das gutheißen.

    Zur Verantwortung: Ich denke nicht, dass wir Verantwortung tragen, weil wir “Nachfahren der Nazis” sind. Ich für meinen Teil weiß nämlich ehrlich gesagt gar nicht, ob ich das bin. Ich trage Verantwortung, weil ich weiß, was damals passiert ist und wie es dazu gekommen ist. (Grob.) Dieses Wissen haben aber nicht nur Deutsche, sondern ebenso Franzosen, Polen und Israelis.

  • bla

    guter text!
    auch interessant folgender link krautchan.net/files/1328645192001.png
    der typ gehört aus der partei geschmissen!

    mfg

  • Pingback: Failt die Segel | goowell

  • http://www.xtridence.de René Odenthal

    Schön geschrieben, Julia :-)
    +1

  • https://sucherderwahrheit.wordpress.com LordSnow

    “Man kann doch sagen “ein Glatzkopf gefällt mir an sich nicht”, oder “eine nackte alte Frau, die sabbert, gefällt mir an sich nicht” oder “ich habe was an sich gegen Kommunisten oder Kapitalisten” ….. .”

    Man könnte auch sagen “ich habe an sich was gegen Nazis”.

    Der Unterschied dabei ist, ich kann erklären warum ich was gegen alle Nazis habe, weil diese andere Menschen auf Grund ihrerer Abstammung oder ethnischen Zugehörigkeit als minderwertig oder wertlos betrachten und somit eine menschenverachtende Grundeinstellung vor sich her tragen, die irgendwann dazu führt, dass Menschen anderen Meschen vollkommen sinnlos an die Kehle gehen.

    Die im Zitat gebrachten Beispiele nehme ich jetzt nicht auseinander, obwohl es mir in den Fingern juckt, aber bevor es tl;dr wird. Welche sinnvolle Erklärung soll es denn dafür gegen an sich was gegen Juden zu haben, und wie soll eine solche Einstellung, wenn man sie sich kritiklos verbreiten lässt nicht wieder in menschenverachtende Auseinandersetzungen führen bzw. mindestens ein Wegbereiter dafür sein?

    • http://www.xtridence.de René Odenthal

      Ich denke, Kevin ist einfach sowohl politisch wie auch rhetorisch extrem unerfahren.
      Aber dazu habe ich mich bereits auf meinem Blog geäußert.

      Die Frage ist doch nun grundsätzlich: Hat er es so gemeint oder war es nur ein verbaler Fehlgriff, der verdammt heftig in die Hose gegangen ist?

      09/2011 – Beitritt, 4 Monate später KVV gewählt von 7 Familienmitgliedern, PoliKompass-Koordinate stimmt mit der von Adolf überein.

      Hey, ihr müsst zugeben: Das ganze Thema ist echt skurril :-)

    • Paul

      @Lord,
      Kevin “gefallen Juden an sich nicht”.
      Er sagt nicht “Juden gefallen mir an sich nicht”.
      Die erste Aussage generalisiert, während die zweite relativiert.
      Oder habe ich ein falsches Sprachverständnis.?
      Eine ganz andere Bedeutung hat es, wenn ich “an sich etwas gegen Juden habe.”

      Abgesehen davon halte ich das Ganze für einen untauglichen Versuch, die antisemitische Äußerung von Kevin zu relativieren.

      Er ist ein Antisemit, auch wenn er jetzt, aus welchen Gründen auch immer, widerrufen haben sollte.
      Eine derartige Denkweise, die ihren sprachlichen Ausdruck gefunden hat, lässt sich nicht einfach widerrufen.

  • netzhocker

    “Menschen die abtreiben hätte man abtreiben sollen!!!” – Auch ein Zitat von Ihm. Zwar schon vor 5 Jahren getätigt aber die Richtung ist klar. Diese angebl. aus Unerfahrenheit und Dummheit getätigten Aussagen zeigen doch ganz klar welche menschenverachtende Geisteshaltung dahinter steckt. Parteiaustritt oder -rauswurf ist “alternativlos”.

    gruß
    netzhocker

  • http://www.bakhshandeh.de Ali Reza

    Ich fand den Tweet auch mehr als unglücklich. Jedoch kann ich dir nicht in allen Punkten zustimmen Julia. Ich finde nicht, dass es antisemitisch ist, wenn man Juden oder den “Juden an sich” nicht mag. Es gibt viele Länder, Völker und Menschen. Wir sind alle gleich – und nichts läge mir ferner als jemanden zu diffamieren. Rassismus ist zum Kotzen und darf niemals auch nur ansatzweise toleriert werden. Dennoch, darf man doch manchen Länder, Völker, Sitten, Bräuche etc. nicht unbedingt mögen. Das darf doch bitte umgotteswillen erlaubt sein. Mancher mag keine Spagetthi, der andere kein McDoof-Essen. Sind beide jetzt Italiener und USA Hasser?! Nein. Man sollte sagen dürfen, dass man eine bestimmte Politik eines Landes nicht in Ordnung und sogar “Kacke” findet. Auch wenn es ui ui ui ui Israel ist und mit Israelis zutun hat. Ich persönlich finde die Politik dort auch nicht gerade berauschend. Darf ich das nicht sagen ohne befürchten zu müssen, als Antisemit abgestempelt zu werden? ich denke nicht, dass Kevin Antisemit ist – ich würde ihm auch nicht ans Herz legen, auszutreten oder abzudanken. Ich würde ihm eher Rhetorikkurse und Seminare ans Herz legen. Ansonsten finde ich den Tonfall in / und diesen Blogpost an sich nicht sonderlich berauschend. Auch wenn ich weder Julia, noch diesen Kevin sonderlich gut kenne bzw. mag oder auch nicht. Oh hoppla – hoffentlich bin ich jetzt nicht Antikevit oder Antijulit. Pfffft…

    • Julia

      Lies meinen Text nochmal, bitte. Du hast den Punkt nicht begriffen. Den “Juden an sich” GIBT ES NICHT. Das ist das, was es antisemitisch macht. Du kannst sagen, dass dir das Judentum oder der jüdische Glaube unsympathisch ist so “an sich”, aber nicht, dass jeder Jude gleich ist. Das ist doch der Knackpunkt!

      • Stefan

        Ich gehe davon, dass es so gemeint war.

    • http://www.xtridence.de René Odenthal

      Bitte “Antisemitismus” bei Wikipedia nachschlagen, Ali.
      Ich denke nicht, dass Dir bewusst ist, was “Antisemit” eigentlich heißt.

    • Mike

      Das darf doch bitte umgotteswillen erlaubt sein. Mancher mag keine Spagetthi, der andere kein McDoof-Essen. Sind beide jetzt Italiener und USA Hasser?!

      Nö. Aber das Beispiel ist auch falsch. Hätte der Herr gesagt er würde “gefillte Fisch” nicht mögen und es sei ein ekliges Essen würden sich womöglich manche Juden auf den Fuß getreten fühlen, es wäre aber nicht antisemitisch.

      Wenn er, wie zum Beispiel viele Kabarerttisten, den Amerikaner “an sich” als dumm und fett bezeichnet, dann wäre es Antiamerikanismus. Spaghetti kann man auch scheiße finden, wenn man aber Italiener für faul ansieht dann ist es Italienhass. Italophobie? ;)

  • Irene Barth

    Zunächst einmal will ich dir danken liebe julia,es ist einer der ersten realistischen Blocks die ich jetzt lese…Ja,wir sind eine große Familie.Ja die Miedgliederzahl die sich für Parteipolitik interessiert ist in Heidenheim leider noch klein.Ja wir haben unseren Sohn gewählt,weil wir überzeugt waren das er es mit unserer Hilfe schaffen würde in Heidenheim etwas auf die Beine zu stellen.Ja wir haben mit unserem Sohn über seine Aussagen geredet und ja er weis was für einen Fehler er begangen hat. Ich werde immer ganz krippelig wenn man hier bei uns über “die Türken spricht”Oder die Ausländer…Kevin hat sich da seither immer dagegen ausgesprochen..Er hat viele fremdländische Freunde ,die bei uns immer gerne aus und ein gegangen sind.Es gibt keine Juden an sich ,genausowenig, wie es den Deutschen an sich gibt oder ,oder..Wir sind alles Menschen und wir sollten uns auch so verhalten.Menschlich!

    • ArthurHarris

      Niemand ist davor gefeit, antisemitisches Zeug zu labern, egal wie viele “fremdländische” Freunde er hat.

      Und natürlich ist die ständige Betätigung als “Israelkritiker” eine Ersatzbeschäftigung für notorische Antisemiten, die nicht so ehrlich wie Kevin Barth zu ihrem Ressentiment stehen. Deshalb bringt mich dieses Geschwätz von “Israels Politik kritisieren = voll okay, Juden hassen = nicht okay” auf die Palme. Da wächst nur zusammen, was schon immer zusammen gehörte. Diese total unwissenschaftliche Antisemitismusdefinition ist nur ein Einfallstor für den Rest der ominösen 20%, die sich anscheinend von einer Partei, die sich jeglicher ideologischer Positionierung widersetzt bzw. nur mit Buzzwords operiert, unheimlich angezogen fühlen. Die konsequente Anwendung der Arbeitsdefinition der EU zu Antisemitismus wäre da schonmal ein Fortschritt, aber vermutlich fühlen sich dann die vielen Nerds, deren einziges Hobby es ist, den Nahostkonflikt zu lösen, bedroht.

  • Scott

    “Fangen wir mit Israel an. Israel zu kritisieren ist ja en vouge. Jede meint eine fundierte Meinung dazu zu haben, was in den meisten Fällen nicht stimmt. Der Nahost-Konflikt ist sehr komplex und hat wesentlich mehr Facetten, als es immer dargestellt wird. Ja, den Palästinensern geht es schlecht, das muss man kritisieren, aber das automatisch mit dem Judentum gleichzusetzen ist falsch.”

    Und genau darüber stolperst Du selbst. Geht es den “Palästinensern” wirklich so schlecht? Hat man sich (hast Du Dir) darüber wirklich Gedanken gemacht? Das vorschieben der “Palästinenser” ist eigentlich auch eine Form des Antisemitismus, des schicken Antisemitismus. Denn für die Situation wird immer Israel verantwortlich gemacht, nie Jordanien, Syrien, Libanon etc.

    Israel hat schon mehr als einmal die diplomatische Hand gen “Palästina” ausgestreckt und sich für eine Zwei-Staaten-Lösung stark gemacht, man hat sich von israelischer Seite sehr weit aus dem Fenster gelehnt…wer hat immer einen Rückzieher gemacht?

    Wenn man sein Wissen aus Pallywood-Propaganda bezieht, dann geht es den “Palästinensern” sehr schlecht. Fakt ist aber, dass sehr viele dieser “Palästinenser” froh sind, auf israelischer Seite leben zu dürfen, in diesem sogenannten bösen “Apartheidsstaat Israel”, übrigens auch ein Kampfbegriff der wohlfeilen Antisemiten. Der Rächer der Enterbten und Unterdrückten. Die armen “Palästinenser”, die von Hilfsorganisationen erdrückt werden (wieviel Geld stellt die Bundesregierung 2012 für Bildungsprojekte in “Palästina” zur Verfügung? wieviel die UN, die EU und wer finanziert die tausenden NGOs in “Palästina?). Der Nahostkonflikt finanziert und alimentiert sehr viele. Man kann gut leben mit dem Nahostkonflikt, eventuell strebt man ja deswegen keine Lösung an…

    Es gibt eine Geschichte vor der Staatsgründung Israels und diese Geschichte ist geprägt von Judenverfolgung, Judenvernichtung und Judenunterdrückung, hier in Deutschland und auch unter britischer Mandatsherrschaft im Nahen Osten, nach dem Auseinanderbrechen des Osmanischen Reiches (die bösen Türken, die hatten da einfach Land besetzt, diese bösen imperialistischen Schurken).

    Muss man also etwas kritisieren, was de facto so gar nicht stimmt?

    Ich verneine das.

    • Julia

      Ruhig Tiger. Du hast mich jetzt automatisch in eine Schublade gesteckt, in der ich mich nicht befinde.

      Ich habe nie gesagt, dass die arabische Liga nicht mit Schuld ist oder der Iran, dass es “den Palästinensern” (jaja, gibt es natürlich nicht) schlecht geht. Aber es geht ihnen eben schlecht, eben auch, weil sie Spielball sind. Kritik an den Umständen im Gaza-Streifen halte ich für legitim. Nur wird es eben nicht nüchtern kritisiert und analysiert. Da stimme ich dir zu. Aber zu sagen, dass die Menschen, die sich Palästinenser nennen in der Mehrheit in supi Leben haben ist halt schon … naja, asi! Meine Kritik ist doch eben, dass das NICHT Israels Schuld ist, auch wenn die Siedlungspolitik fürn Arsch ist. Ich betone doch, dass der Konflikt komplexer ist … ich habe da auch mal eine HA drüber geschrieben. Siehe juliaschramm.de/inneres/

      Entweder du hast Beißreflexe oder du hast meine Aussage nicht verstanden ;-)

      • Scott

        Wenn ich Beissreflexe habe oder die Krallen ausfahre sieht das anders aus.

        ;)

        Und genau diese pauschale Aussage stimmt eben so nicht: es geht denen schlecht. Das wird schon seit Jahren propagiert und wird dadurch auch nicht “mehr wahr”. Wie gesagt, es hat sich da mittlerweile eine regelrechte Industrie aufgebaut, die kein wirkliches Interesse an der Lösung des Konfliktes hat und das sind nunmal auch die Leute die das Bild des armen “Palästinensers” so gerne propagieren. Komischerweise wurde nie das Bild der “armen Israelis” propagiert, z.B. nach dem Küstenstrassenmassaker etc.

        Die Berichterstattung ist nunmal einseitig, da erwarte ich einfach, dass man das kritischer beleuchtet, zumal Du ja mehr Hintergrundwissen hast, als die meisten “Palischalsolidaritätsträger”.

        Du hast jetzt konkret Kritik geäussert “Siedlungspolitik fürn Arsch”, das ist etwas womit ich leben kann, denn Du kritisierst etwas konkretes, wenn auch sehr umgangssprachlich. Das ist der Unterschied zwischen wirklicher Kritik und dem was “Gauleiter Barth” losgelassen hat.

        • http://www.xtridence.de René Odenthal

          Ist “Gauleiter” nicht etwas überspitzt?

          63% der Jugendbevölkerung Israels befürwortet den Vorschlag Liebermans, alle Menschen arabischer Abstammung, auch Juden, zu deportieren oder im Ernstfall zu töten.

          ^—- Das hier, kann man auch als Überspitzung empfinden. Ist aber leider pure Realität :-)

          Ob das bei Kevin auch Gang und Gebe ist, wage ich ansatzweise zu bezweifeln. Ist aber schwierig einzuschätzen, weil es eben nur diesen Tweet gibt. Alles weitere sind reine Spekulationen.

          • ArthurHarris

            Tja, auch Israelis sind vor Ressentiments nicht gefeit, wieso sollten sie auch? Das macht den virulenten Antisemitismus in der PP und sonstwo aber keinen Deut besser.

          • Scott

            Gauleiter überspitzt?

            Wer sich dieser Rhetorik bedient, muss damit rechnen, dass ihm ein Stempel aufgedrückt wird.

            Durch das kurze Beispiel sollte nämlich geklärt sein, dass es einen Unterschied gibt zwischen berechtigter Kritik (und auch Meinung) und der Aussage:

            “…israelische kackpolitik und den juden an sich unsympatisch finde weil er einen sinnlosen krieg führt” (Tweet vom 23. Januar 2012, Fehler übernommen).

            Der Verfasser (Gauleiter Barth) kann weder argumentativ darlegen was denn so “Kacke” ist, noch um welchen “Krieg” es sich denn handelt. Er spielt mit Stereotypen, die nicht sehr weit von der Agitation vergangener Tage entfernt sind.

            Das ganze Debakel wird übrigens ersichtlich, wenn man sich den geistigen Erguss mit dem Titel: “Die deutsche Medienlandschaft – Lügepack, Medienfreiheit, Meinungsverdrehtheit oder eine Sammlung von Vorurteilen” anschaut (veröffentlicht auf dem Gauleiter Blog am 25. Januar 2012, d.h. nach dem Tweet Debakel, Fehler wurden übernommen). Der Artikel strotzt nur so von antiamerikanischen und antizionistischen Aussagen (im Kontext wohl mehr antisemitisch als antizionitisch). Und auch das relativieren (“…wir werden wieder einmal mehr von einer Studie an den Pranger gestellt. …”) nimmt groteske Züge an, die man ansonsten eher aus einem anderen Lager kennt.

        • Julia

          Ja ok, das berührt ja vor allem diese Sehnsucht nach Schuld und Tätern/Opfern. Das ist immer gefährlich.

          Ich verstehe, was du meinst, dennoch finde ich, dass man die Nöte ernst nehmen soll.

          Und ja, die Siedlungspolitik von Israel finde ich höchst problematisch und denke, dass die Aufgabe in ihrer aggressiven Form viel bringen würde….. Aber der Konflikt ist eben auch convenient….

          @arthur der strukturelle Antisemitismus ist virulent ja. Aber ich meine wieso sollten die Piraten besser sein als die “Deutschen” und nicht zu 20% antisemitisch sein?

          • Scott

            Ob das für die 20% auch zutrifft?

            “Vertreter der jüdischen Gemeinde in Malmö erklärten, der Hass stamme nicht mehr in erster Linie von Rechtsextremen und Neonazis, sondern von Einwanderern aus muslimischen Ländern. Es ist eine Art von Antisemitismus, der mit ihnen nach Malmö gekommen ist – und damit fällt es schwedischen Politikern und Journalisten offenbar schwer, Stellung zu beziehen.” (Pauline Neuding, Welt Online, 6. Februar 2012)

            “Aber ich meine wieso sollten die Piraten besser sein als die “Deutschen” und nicht zu 20% antisemitisch sein?”

            Facepalm. Vielleicht weil keine Stammtischbrüder oder Hassprediger als Volksvertreter möchte?

          • Julia

            ich finde das auch nicht geil, dass wir solche Leute haben. Aber eine Partei ist nur erfolgreich, wenn ein gewisser Querschnitt der Gesellschaft vorhanden ist … den haben wir, auch wenn er sowas mit einschließt …

          • Paul

            Julia,
            zunächst einmal, damit es keine Missverständnisse zwischen uns gibt, ich finde Deinen Artikel sehr gut.

            Du hast mit den Siedlern ein anderes Problem angesprochen.

            Die Begriffe “Siedler” , “besetzte Gebiete”, “Besatzung” sind Propagandaparolen der Palästinenser, die, obwohl von aller Welt nachgeplappert, auf Lügen beruhen.

            Ist Dir schon aufgefallen, dass auch Gaza immer noch als besetztes Gebiet bezeichnet wird, obwohl es schon lange Judenfrei ist. Ja richtig, es gibt keine Juden mehr die in Gaza wohnen, weder Privatpersonen noch als Besatzungsmacht.

            Zu Thema der besetzten Gebiete mal diesen Link:
            wahrheitgraben.wordpress.com/2011/05/21/besetzte-gebiete-es-gibt-keine/

      • Paul

        Julia,
        habe gerade noch was zum Thema Siedlungspolitik gefunden.
        Der Text ist etwas länger, aber Du wirst es nicht bereuen ihn zu lesen.
        Da ich annehme, dass Du über die gängige Propaganda hinaus am Thema interessiert bist, garantiere ich Dir auch einen Zuwachs an Wissen und Erkenntnis.
        www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=6921&mid=51

        • Julia

          Ok, also wie bezeichnen denn die Juden die Siedlungen außerhalb der israelischen Grenzen im palästinensischen Autonomiegebietes?

          Der Link geht leider nicht wirklich …. Ich denke nicht, dass jede Kritik an der israelischen Politik Propaganda ist. Nationalstaaten unterliegen ja gewissen Zwängen (ich bin auch gegen Nationalstaaten!) und Israel ist da nicht besser. Das mag alles in der Logik liegen, dass Osrael mehrheitlich jüdisch bleiben muss – aber trotz dieser Prämisse finde ich die Art und Weise, wie das vollzogen wird problematisch.

          Dass die “anderen” Staaten genauso scheiße sind … nun … Staatsräson ist halt ein dummes Konzept….

          • Paul

            Julia, verstehe nicht, warum der Link nicht geht. Wenn ich ihn anklicke geht er.
            Aber versuche es doch dann mal bei
            haOlam.de
            Der Artikel hat die Überschrift:
            “Ist Israels Wohnungsbau wirklich illegal?”
            Vieleicht gelingt es Dir auf diesem Wege.

          • Paul

            Ach so, habe ich vergessen, diese Siedlungen befinden sich teilweise auf “umstrittenen Gebieten” oder überwiegend auf Gebieten, die laut Teilungsplan sowieso israelische Gebiete werden.

            Außerdem, was macht es, wenn Siedlungen auf umstrittenen Gebieten errichtet werden.? Im Falle der Räumung werden sie, wie in Gaza, zurückgelassen und können von den Palästinensern genutzt werden.

          • Scott

            Der Link funktioniert einwandfrei.

            Dein Browser ist nur antisemitisch. :D

            Nationalstaaten sind also nicht der Weisheit letzter Schluss. Was sind denn Deiner Meinung nach Alternativen?

            “Das mag alles in der Logik liegen, dass Osrael mehrheitlich jüdisch bleiben muss – aber trotz dieser Prämisse finde ich die Art und Weise, wie das vollzogen wird problematisch.” (Typo übernommen)

            Jedes Land hat Kriterien die über eine Einreise entscheiden. Das hat die USA, das hat die BRD, das hat der Sudan, das hat Jordanien, das hat China und auch Israel. Im Prinzip hat jedes Land (Staat) Kriterien. Diese Kriterien sind unterschiedlich, machen aber aus Israel keinen Apartheidsstaat, wie das so gerne angeführt wird. Es wird niemand auf Grund seiner Religion oder seiner Herkunft benachteiligt. Und das ist im Nahen Osten und auch Nordafrika ziemlich einmalig. Denn sowohl in Saudi-Arabien und auch in anderen muslimisch geprägten Ländern wie z.B. dem Nordsudan (das kann ich sagen, da meine Verlobte zur Zeit dort noch lebt und wir auch Probleme mit den “faschistischen deutschen Behörden haben, die Deutschland überwiegend deutsch halten wollen) ist dem nicht so: hier wird man als Nicht-Muslim diskriminiert, es gibt gesonderte Behörden für Nicht-Muslime (“back of the bus”), Nicht-Muslime müssen für Papiere und Urkunden exorbitante Summen aufbringen, Nicht-Muslime müssen sich der Kleiderordnung unterwerfen (gilt auch für Männer) etc. Kennzeichen die man gemeinhin unter dem Begriff Segregation (die bösen Amerikaner) oder Apartheid kennt. Diese Fakten werden aber ignoriert, stattdessen moniert man sich über Israel, springt somit auf den Propagandazug der islamischen Welt auf…

            Und das ist das eigentlich peinliche an dieser Sache.

  • http://www.xtridence.de René Odenthal

    Na, Scott – so weit wird es auch nicht kommen. Keine Sorge :-)
    Kein Grund zu dramatisieren.

    Wir dürfen wirklich nicht jeden an die Wand nageln, der mal einen fahrlässigen und herablassenden Kommentar von sich gegeben hat, bezogen auf irgendeine Religion.

    Ich möchte selbstverständlich, in keiner Art und Weise Kevins Kommentar entschuldigen oder verharmlosen – im Gegenteil, ich verurteile es scharf – aber wir müssen die Augen aufmachen und es als eine Leichtsinnigkeit in Erwägung ziehen. Ob es nun so ist oder nicht, werden wir wohl nie erfahren, jetzt wo er zurückgetreten ist. Man werde sehen. Wofür ich aber plädiere ist, dass künftig etwas mehr politische Bildung in die verschiedenen OGs, KVs und Co. einfließt. Ist echt wichtig, meiner Ansicht nach.

    Hach Mensch. Ein Glück bin ich Atheist und muss mich nicht mit irgendwelchen Religionsstreitereien rumschlagen :-)

    • Stefan

      Hallo Rene, als Atheist lehnst du Religionen ab, also auch das Judentum. Tut mir leid, aber per Definition (siehe Wikpedia), bist du damit ein Antisemit. Weiter schliesst das die Ablehnung des Christentum, usw. ein. Aber das wiegt nicht so schwer. :)

      • Julia

        Nicht ganz. Judentum ist mehr als Religion, wie ich ja ausführe. Das ist wichtig zu begreifen, weil es eben biologische Grundlagen gibt. Jude sein ist keine wirkliche Wahl wie Atheist oder Christ!

        • Scott

          Biologische Grundlagen?

          Willst Du jetzt etwa damit anfangen, an der Kopfform, an der Nase kann man “Sie” erkennen?

          Du schlägst momentan eine Richtung ein, da würde sich ein Alfred Rosenberg (u.a. “Der Mythos des 20. Jahrhunderts”, 1930) mit einem feisten Grinsen die Hände reiben.

          Rassenideologie par excellence. Bitte in das Thema genau einsteigen, bevor man solche Äusserungen trifft. Denn mit genau diesen Äusserungen (“weil es eben biologische Grundlagen”) spielst Du genau jenen in die Hände, die Antisemitismus wissenschaftlich rechtfertigen wollten.

          Ein gewisser Herr Sarrazin wurde wegen weitaus schwächeren Äusserungen und Äusserungen die auch tatsächlich (empirisch) belegbar sind (Stichwort: nachteilige Entwicklungen bei Verwandtenehen, wie sie in gewissen Kulturkreisen Standard sind) öffentlich an den Pranger gestellt.

          Wenn Du auf die Historie und damit die Grundlagen des jüdischen Glaubens anspielst, dann musst Du das explizit darstellen.

          Deine Aussagen sind, gerade im historischen Kontext, gefährlich.

          • Julia

            Biologisch im Sinne von du bist Jude, wenn deine Mutter Jüdin ist …. Oder ist Geburt nicht mehr biologisch? Ohne Witz, jetzt mache ich hier Rassenideologie? Nein, dass lasse ich mir nicht unterstellen! Das ist unverschämt. Lies doch, was ich in dem Text schreibe! Meine Fresse.

            Außerdem begreifen sich auch Juden zT als Rasse – ich finde das nicht richtig, aber das ist ja eine Selbstbezeichnung.Ich glaube nicht an Rassen – aber andere tun das. Drum geht es mir. Diese Beißreflexe nerven mich ernsthaft…. Alles was man sagt wird von dir maximal negativ interpretiert, das ist doch absurd!

    • Scott

      Vielleicht erkennt man ja irgendwann, dass es einen Unterschied zwischen glauben (Religion) und wissen (Fakten) gibt.

      Das wäre ein grosser Schritt für die Menschheit, wichtiger als mancher technischer Fortschritt, denn es wäre ein geistiger Fortschritt.

      Es kann jeder glauben an das was er will, nur darf er nicht die Rechte anderer beschneiden.

      Um auf das Thema zurückzukommen: ich finde der Kommentar von B. kann und darf nicht als Leichtsinnige, unbedachte Äusserung angesehen werden. Warum? Weil er die Twitter Aussage 2 Tage später noch mit dem von mir angeführten Artikel auf seinem Blog (mittlerweile wurde der Artikel auch entfernt) verstärkt hat. Er spielt geradezu mit den antisemitischen Ressentiments die in links-, rechts- und islamofaschistischen Kreisen als Legitimation für Hass angesehen werden. Genaugenommen greift er damit sogar Elemente auf die sich in dem Machwerk “Die Weisen von Zion” wiederfinden. Die Darstellung von Israel und auch den USA als Kriegtreiber ist stereotyp, kennzeichnend für gewisse Kreise.

      Ich denke, dass Du es richtig erkannt hast, dass man bezüglich politischer Bildung noch etwas nachlegen muss. Auf die besagten 20% kann man nämlich verzichten, oder?

  • ArthurHarris

    Zeitgenössischer Antisemitismus ist einfach etwas wesentlich komplexeres als (religiös motivierter) Antijudaismus. Leute, die das nicht nachvollziehen wollen (wie Stefan) sind entweder dumm oder ebenfalls mit antisemitischen Ressentiments beladen. Deshalb lohnt sich auch keine vor Verständnis triefende Aufklärung über den Kategorienfehler, der hier fabriziert wird, denn im ersten Fall kann er nicht abstrakt genug denken um diesen nachzuvollziehen und im schlimmeren Falle macht er ihn ganz bewusst.

    • Scott

      So komplex nun auch nicht. Wenn man sich die Mühe macht die zu Grunde liegenden Mechanismen zu verstehen und sich einfach mal mit Fakten beschäftigt…

      Der zeitgenössische Antisemitismus überträgt oftmals Elemente des “alten” Antijudaismus auf aktuelle Gegebenheiten. Ein Remake sozusagen, mit besseren Special Effects und einer grösseren medialen Bühne. Die Mechanismen sind die gleichen.

      • Julia

        Ja, nur ist es in der Masse schwer zu vermitteln, dass struktureller Antisemitismus mit dem judentum nur indirekt was zu tun hat ….

  • Lisa

    Bei der Politik stimme ich voll zu, aber bei “unsympathisch” scheinst du das falsche Wort erwischt zu haben.



    Definieren das Wort jeweils als etwas höchst subjektives z.B. Wictionary:”der Kontakt mit der Person erzeugt ein unangenehmes Gefühl”.
    Damit ist keine Ablehnung in Worten oder Taten verbunden, sondern lediglich eine eigene Emotion. Es ist durchaus möglich, Leute unsympathisch zu finden und dennoch fair und höflich zu behandeln. Vi-User zum Beispiel halte ich nach all meinen persönlichen Erfahrungen für kleine Kinder, die Coolness und Faulheit über tatsächliche Effizienz stellen – ich schließe daraus auch auf die sonstige Qualität ihrer Arbeit zurück und bleibe skeptisch wenn ich den Quellcode einer solchen Person lese. Ein Vorurteil also, aber keine Vorverurteilung. Denn wenn ein solcher VI-Kultist etwas Vernünftiges sagt, schreibt oder tut, höre ich dennoch zu und kann die Qualität und Kompetenz neidlos annerkennen. Gleichermaßen gehe ich mit Christen um: Es gibt einfach sehr sehr viele Fälle, in denen der persönliche Glaube an einen unsichtbaren Freund und seine seltsamen Regeln zu einem Problem wird und für die niemand etwas kann, außer dem Gläubigen. Ich bin an dieser Stelle höflich und Freunden gegenüber natürlich auch noch sehr nett — aber irgendwann ist es auch wieder genug.

    Kurz: Es stört mich, dass political Correctness nicht mehr vor der Privatssphäre halt macht und es verbotene Gefühle gibt.
    Ich will nur danach bewertet werden, wie ich Menschen behandle, nicht, welche Gefühle ich ihnen gegenüber habe und ob ich diese äußere.

  • Lisa

    Repost: Das letzte mal ist mir das HTML kaputt gegangen :(

    Bei der Politik stimme ich voll zu, aber bei “unsympathisch” scheinst du das falsche Wort erwischt zu haben.
    de.wiktionary.org/wiki/unsympathisch
    www.duden.de/rechtschreibung/unsympathisch
    www.dwds.de/?kompakt=1&qu=unsympathisch
    wortschatz.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=unsympathisch

    Definieren das Wort jeweils als etwas höchst subjektives z.B. Wictionary:”der Kontakt mit der Person erzeugt ein unangenehmes Gefühl”.
    Damit ist keine Ablehnung in Worten oder Taten verbunden, sondern lediglich eine eigene Emotion. Es ist durchaus möglich, Leute unsympathisch zu finden und dennoch fair und höflich zu behandeln. Vi-User zum Beispiel halte ich nach all meinen persönlichen Erfahrungen für kleine Kinder, die Coolness und Faulheit über tatsächliche Effizienz stellen – ich schließe daraus auch auf die sonstige Qualität ihrer Arbeit zurück und bleibe skeptisch wenn ich den Quellcode einer solchen Person lese. Ein Vorurteil also, aber keine Vorverurteilung. Denn wenn ein solcher VI-Kultist etwas Vernünftiges sagt, schreibt oder tut, höre ich dennoch zu und kann die Qualität und Kompetenz neidlos annerkennen. Gleichermaßen gehe ich mit Christen um: Es gibt einfach sehr sehr viele Fälle, in denen der persönliche Glaube an einen unsichtbaren Freund und seine seltsamen Regeln zu einem Problem wird und für die niemand etwas kann, außer dem Gläubigen. Ich bin an dieser Stelle höflich und Freunden gegenüber natürlich auch noch sehr nett — aber irgendwann ist es auch wieder genug.

    Kurz: Es stört mich, dass political Correctness nicht mehr vor der Privatssphäre halt macht und es verbotene Gefühle gibt.
    Ich will nur danach bewertet werden, wie ich Menschen behandle, nicht, welche Gefühle ich ihnen gegenüber habe und ob ich diese äußere.

    • Lisa

      Um noch gleich auf den Punkt einzugehen, den ich leider erst beim zweiten, ruhigeren Durchlesen der Kommentare aufgespürt habe ^^’; :

      Die Differenzierung zwischen den einzelnen Untergruppen ist ein aufwändiger Prozess für jede beliebige Gruppe. Am Anfang steht meistens ein diffusses Gefühl der generellen Sympathie oder Antipathie, bis es über das Wissen um einzelne Untergruppen zu mehr Verständniss kommt. Um zu meinem Beispiel mit den Christen zu kommen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Marina (32, erfunden) eine super Person ist, die ihren Glauben nur privat auslebt und im Zweifel auch eher für den Menschen als für ihren Glauben entscheiden würde, weswegen sie auch ihrem Pfarrer niemals ein Passwort von mir verraten würde — ich tue ihr mit meinem Misstrauen also erstmal unrecht, aber das Muster, das Christen eher zu so etwas bereit wären ist ja auch nicht aus dem nichts entstanden und ich habe auch nicht genügend Zeit, um es gleich richtig zu machen. Jeder Christ schiebt die Verantwortung weiter, die Religionspsychologie hat immer noch Tabus und ist riesig – kurz es dauert verdammt lange, sich zu informieren.

      Solange ich also nicht eindeutig sagen kann, welche religiösen Menschen aus welchen Gründen welche Probleme machen werden habe ich nur die Wahl blind zu vertrauen oder blind zu misstrauen. Das Misstrauen ist eine Entscheidung die Fehler vermeidet, das Vertrauen menschlicher aber oft auch all zu menschlich – viele Konflikte entstehen exakt dadurch.
      Genausowenig wie den Juden an sich, gibt es wohl auch den Nerd an sich, den BWLer an sich, oder auch den Antisemiten an sich. Das mit dem Differenzieren stimmt halt immer …

  • http://holy-island-lindisfarne.blogspot.com Joachim S. Müller

    Gut gebrüllt, Löwin!
    Nur siehst du Gott viel zu deterministisch. NIcht alle Menschen mit Glauben sind Kalvinisten oder so was. (Nein, der Punkt ist hier nicht relevant, klar. Aber ohne den subtilen Seitenhieb wäre der Text noch besser.)

  • Felix Elijahu

    “ich finde das auch nicht geil, dass wir solche Leute haben. Aber eine Partei ist nur erfolgreich, wenn ein gewisser Querschnitt der Gesellschaft vorhanden ist … den haben wir, auch wenn er sowas mit einschließt …”

    Was das betrifft verzichte ich lieber auf die “1-2%” den sogenannten Erfolg, als so einen Menschen in der Partei zuhaben, der so eine Meinung vertritt. Um mal Marina zu zitieren “Entschuldige, ich muss eben brechen gehen.” Antisemitismus wird man nie auslöschen können, damit hab ich mich schnell abgefunden. Aber man muss das in der Partei klar ablehnen und die Mitglieder mit so einer Gesinnung einer PAV unterziehen.

  • xyiovvdfoijvfdoibpjfbbjhreophrhpojrpoj

    @Scott:

    Ja klar, den Palästinensern geht es natürlich hervorragend, insbesondere natürlich auf der Westbank mit den freundlcihen Siedlern und der freundlichen IDF..
    Was regen sich die Palästinenser auch darüber auf, dass sie kein Wasser bekommen, sie können ja Erde essen, nicht wahr?

    www.amnesty.de/2009/10/27/israel-verweigert-palaestinensern-zugang-zu-wasser

    Ist schon witzig, dass sofort der Mob der PI-Spinner und Antideutschen eintrifft, sobald es um das Thema Israel geht.

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