Irrtum und Holocaust

Lieber Bodo,

ich wende mich öffentlich an dich, denn was ich dir zu sagen habe geht uns alle an, ist viel zu generell, um es auf einer Mailingliste Verschütt gehen zu lassen – ja, auch zu generell, um es in einen Dialog pressen zu wollen. Auch befürchte ich, dass es den einen oder anderen gibt, der dem selben faulen Gaul aufgesessen ist wie du. Auch an sie richte ich meine Worte. Nun ist es so, dass du dich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen und die gewonnen Erkenntnisse auch artikulieren möchtest – jedoch bist du dabei schmerzlich dilettantisch und eigensinnig. Zumindest das Eigensinnige ist wohl eine grundsätzliche Eigenschaft von dir. Doch sei es drum, auch zwangsgestörter Eigensinn kann Platz in der Piratenpartei haben. Vermeiden möchte ich jetzt eine bloße Einreihung in die Anti-Parolen gegen dich – obwohl ich, und so ehrlich muss ich dann doch sein, die Abneigung gegen dich verstehen kann. Mehr noch finde ich es gut, dass es Menschen gibt, die sich leidenschaftlich gegen dich stellen. Denn Bodo, es tut mir leid, aber du hast einfach keine Ahnung – und versuchst diese sogar noch als politischen Unterbau der Piratenpartei zu manifestieren. Wieso ich mir anmaße so urteilen zu können? Nun, ein Studium der Politologie, jahrelange Arbeit in einem Museum zur deutschen Geschichte und eine langjährige Beziehung zu einem paranoiden  Hacker mit Hang zu Verschwörungstheorien bestärken mich in der Annahme verstehen zu können, was deinen Glauben (und ja, wir glauben alle!) und den damit verbundenen Irrtum auf mehreren Ebenen treibt.

Zunächst wäre da die Frage nach dem unbedingten Recht der Meinungsfreiheit.  Rechte sind kulturell erwachsene Konstrukte, die ihre Gültigkeit haben, weil wir das möchten. Rechtliche Normen repräsentieren ein kulturelles Moment und die Gesellschaft aus der sie erwachsen sind. Manche Normen werden hierbei fest verankert und mit transzendentalem Bezug mystifiziert – aus einer grundsätzlich diskursiven Einigung wird ein Dogma. Beachtet man die Würde des Menschen, und die zahlreichen Angriffe auf eben diese, so ist dies auch gerechtfertigt. Nun ist das Grundgesetz in Ablehung des Holocaust geschrieben worden, was sich an zahlreichen Artikeln, der Stellung der Grundrechte, der Präambel und der Protokolle aus dem Parlamentarischen Rat eindrucksvoll beweisen lässt. Und auch wenn der Holocaust das wohl best-dokumentierte Verbrechen der Weltgeschichte ist, die Schuld von einem Großteil der Bevölkerung, vor allem in den späten 40er Jahren und dann, nach Pause, wieder seit den 70er Jahren, anerkannt wurde und die politische Identiät der Bundesrepublik auf der Auseinandersetzung mit dem Holcaust basiert, gibt es nun diese eigensinnigen Sturköpfe, diese GO-Antragsterroristen, die jeden Toten im Konzentrationslager einzeln abgezählt sehen möchten und die Qualität eines Massenmordes an der eingesetzten Technik festmachen. (Man staune, die Zahl 6 Millionen tote Juden ist nicht akkurat! Aber ob es jetzt 3,4,5,6 oder 7 Millionen sind ist auch aus vielerlei Hinsicht völlig unerheblich) Nun ist es folgende Situation: Wir haben mit dem Grundgesetz das Dogma der Meinungsfreiheit geschaffen – gleichzeitig haben wir dieses Dogma jedoch hinterfragt und eine kulturell bedingte Einschränkung gesetzt – sehr spezifisch, sehr präzise. Hier liegt keine grundsätzliche Einschränkung der Meinungsfreiheit vor, nein, hier liegt die gesellschaftliche Einigung auf die unbedingte Anerkennung eines Verbrechens, dem Holocaust, vor. Dagegen kannst du opponieren. Doch fühle dich dabei bitte nicht im Recht.

Der Holocaust ist nicht leugnungsfähig

Vielmehr ist der Holocaust, neben der Frage nach seiner faktischen Tatsache, vor allem nicht zu leugnen, ob seiner absoluten Wirkkraft. Nun kannst du, lieber Bodo, behaupten, dass es keine Gaskammern gab, dass Hitler die Juden nicht ausrotten und  nie Krieg wollte, etc. (Zu den historischen Fakten diesbezüglich komme ich gleich) Den Holocaust als kulturell verankertes Mem, als (negativen) Sinnstifter und Dreh- und Angelpunkt der Postmoderne wirst du nicht leugnen können, ja nicht auslöschen können (oh, welch Ironie!) – der Holocaust ist. Deswegen ist er nicht zu leugnen.

Doch nun zu meinem persönlichen Lieblingsteil: Historische Fakten. Ich gehe auf den von dir geschätzen Germar Rudolf (Heißt der wirklich Germar? Heißen die Kinder Aria und Völker?) nur am Rande ein – ich kenne die Argumente und die „chemischen Beweise“ – denn es kommt gar nicht darauf an, ob es Gaskammern gab. Gehen wir doch zunächst erstmal auf die bei Wolfgang Dudda zitierten von dir dargelegten Erkenntnisse ein:

1. „Es hören manche Leute nicht gern. Aber Hitler wollte keinen Krieg. Zumindest nicht mit dem Westen. (Ich glaube aber, generell nicht.)”

Die nationalsozialistische Herrschaft fußte auf der Idee einen sozialistisch aufgebauten Volkskörper mit national orientierten (im Falle der Kulturnation Deutschland rassistisch-völkischen, siehe meinen Brief an den guten Thilo Sarrazin) Beteiligungsgrenzen zu schaffen. Diesem Volkskörper, bestehend auf der vermeintlich besseren Rasse, sollte in letzter Instanz die Welt und ihre Rohstoffe zur Verfügung stehen. Die Welt als Sklave des deutschen Volkes.  Dafür sollte zunächst Lebensraum im Osten erschlossen werden – wesentliches Element der politischen Überzeugungen Hitlers, vor allem in Mein Kampf ausgeführt. Ein Krieg gegen Russland war auf Dauer notwendig, sollte Russland sich nicht frewillig den Forderungen nach Gebietsabgabe fügen (Such‘ den Fehler!) Im Fokus des Interesses lagen jedoch vor allem die ehemaligen Ostgebiete, die das deutsche Reich mit dem Versailler Vertrag verloren hatte. Die Rheinlandbesetzung 1936 hatte gezeigt, dass eine kriegerische Auseinandersetzung gar nicht so notwendig erschien – die Westmächte ließen Hitler gewähren. (Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Auseinandersetzungen darüber, dass Hitler schon da einen Krieg befürchtet hatte – jedoch die Aufrüstung noch hinterher hinkte) Hitler hat immer mit Krieg gerechnet. Er wusste, dass er seine nationalen Ziele niemals ohne internationalen Widerstand durchzusetzen vermochte – der Krieg würde kommen, er wusste das und somit wollte er ihn. Er musste ihn wollen, um seine Ziele zu erreichen –  und deswegen musste er die Vorkehrungen treffen einen Krieg gewinnen zu können.  Natürlich war er nicht der Dummkopf den manche gerne aus ihm machen wollen – vielmehr war ihm klar, dass er einen Allfrontenkrieg niemals gewinnen konnte. Deswegen suchte er die Koalition mit Großbritannien und den USA – wo es auch durchaus Sympathisanten und Unterstützer gab. Doch diese Mächte verbündeten sich letztlich mit Russland – und gegen die Anti-Hitler-Koalition hatte dann auch das hochgerüstete deutsche Reich keine Chance mehr. Letztlich war es wohl sein Eigensinn, der das deutsche Reich in die absolute Kapitulation trieb.

2. „Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland jede Legitimation, Polen anzugreifen.“

Das ist mein persönlicher Lieblingsteil, denn er zeigt, dass du die von dir aufgesaugten Behauptungen nicht in ihrem historischen Kontext reflektiert hast. Diese Passage zeigt fundamental wieso du keine Ahnung hast. Das Ziel Hitlers (naja, sind wir fair, eigentlich so gut wie alle Politiker der Weimarer Republik) war die Wiederherstellung des deutschen Reiches – also die Rückgewinnung der durch den Vertrag von Versaille verlorenen Gebiete. Diese waren zu großen Teilen Polen zugesprochen worden. Polen – ach Polen, du geschundene Hure der Weltgeschichte! – war mal wieder dabei einen eigenen Staat zu konstituieren. Die vorherigen Versuche wurden stets von den deutschen, russischen und österreichischen Nachbarn boykottiert und sabotiert. Nun sollte es also – schließlcih gab es ja jetzt den Völkerbund – gelingen. Die Deutschen, gepeinigt durch den großen Krieg (dessen Ausbruch sie zwar verursacht, aber nicht verschuldet hatten), demoralisiert, national gekränkt und überfordert mit dem gesellschaftlichen Versuch der Demokratie und den zahlreichen Flüchtlingen und Vertriebenen, die ohne Hab und Gut dastanden, wollten sich damit nicht abfinden. Hitler verbreitete zusätzlich den Mythos einer notwendigen „humanitären Intervention“, da die in Polen lebenden Deutschen in großer Gefahr sein sollten. Soviel zu der Ausgangssituation: Polen sollte also in seiner nach 1918 verfassten Form nicht erhalten bleiben. Die Nationalsozialisten traten darüber hinaus in „Verhandlungen“ mit Polen, ebenso wie sie in „Verhandlungen“ mit der Tschecheslowakei getreten waren. Die Polen, die sich weigerten die Bedingungen der Nazis zu erfüllen, konnten nicht auf Beistand der West-Mächte hoffen. Diese hatten Polen zwar Unterstützung zugesagt, verloren sich jedoch im diplomatischen Klein-Klein. Parallel dazu verschärfte Hitler die Forderungen – Polen musste jederzeit mit einem Angriff rechnen. Die Mobilmachung war notwendig, wenn man den Staat Polen souverän halten wollte. Die Mobilmachugn war angesichts der Situation ebenso legitim, denn:

Legitimation ist nicht, sondern wird geschaffen

Hitler hatte sich zahlreiche Argumentationsmuster erarbeitet um einen Krieg zu rechtfertigen. Dies war zwingend notwendig, denn die deutsche Bevölkerung hatte keine Kraft und keinen Willen einen weiteren Krieg zu führen. Die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg waren noch lebendig genug. Auch wenn der Krieg dem Volk selber dienen sollte – führen wollten sie ihn nicht. Deswegen musste eine passive Legitimation geschaffen werden. Dass sich diese Mär bis heute hält ist bemerkenswert. Dass du dieser Mär unreflektiert aufsitzt noch mehr.

3. „Nun, bis vor einigen Monaten glaubte ich auch, daß diejenigen, die “Auschwitz leugnen” einfach nur pubertäre Spinner sind. Damals hatte ich aber auch noch nicht Germar Rudolf gelesen. Sorry, aber das Buch prägt einfach – zumindest wenn man objektiv ran geht.“

Bodo, wenn man objektiv an die Sache rangeht, dann muss man erkennen: Es gibt Auschwitz (warst du mal in einem KZ? Theresienstadt? Ravensbrück? Buchenwald? Dachau? Ich schon – nicht schön) – die Frage nach den Gaskammern ist unerheblich, weil in diesen Lagern Millionen Menschen entwürdigt und ermordet wurden – weil sie ihres Lebens beraubt wurden, weil ihre Kinder und Angehörigen brutal vernichtet wurden. Und sie zusätzlich ausgestellt und zu Lampenschirmen verarbeitet wurden. Die Frage, ob die Menschen massenhaft erschossen wurden (und da gibt es Fälle, wo Menschen 100.000 Menschen erschossen haben und begraben – es gibt die Massengräber, es gibt die Augenzeugen, es gibt die Berichte der Nazis) oder ob Gas eingesetzt wurde ist völlig irrelevant. Relevant ist, dass bei diesem Krieg Millionen Menschen ihr Leben gelassen haben. Objektiv gesehen muss man auch sagen, dass Geschichte von Siegern geschrieben wird, dass Deutschland ein besetztes Land bis 1990 war, dass die Welt nach dem Ersten Weltkrieg grundsätzlich ein Scherbenhaufen war und dass Mao und Stalin mehr Menschen abgeschlachtet haben als Hiltler. Aber Bodo, das ändert nichts an der Tatsache, dass deine und meine Großmutter, dein und mein Großvater, dass unsere Urgroßeltern Teil einer Gemeinschaft waren, sie zum Teil gestützt und getragen haben, die unfassbare Verbrechen begangen hat. Und all die berechtigte Kritik an der Geschichtsschreibung, an der „Holocaust-Industrie“ (wozu in erster Linie dein geschätzter Germar gehört!!!!) und der Geisselung durch eine kollektiven Schuld ändert nichts daran, dass wir, du und ich, wir alle anerkennen müssen, dass derartige Verbrechen zumindest in unserem Land nicht mehr passieren. Ob dein Kampf für die unbedingte Meinungsfreiheit da hilfreich ist? Ich mag es bezweifeln.

Und deswegen schließe ich mit den Worten: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal nicht der Partei schaden!

Update: In einer vorherigen Version des Artikel wirkt es so, als würde ich der Finkelstein-Theorie zur Holocaustindustrie nach dem Mund reden. Das ist jedoch missverständlich. Es geht mir darum, dass eigentlich Holocaustleugner mit dem Holocaust Geld verdienen – im Prinzip ein Aufgreifen des Begriffs, jedoch angewendet auf die, die den Holocaust wirklich ausschlachten, um damit ein Einkommen zu bestreiten. Also eben Leute wie dieser Germar. Für eine differenzierte Aussage zur Theorie Finkelsteins habe ich mich nicht genug mit der Thematik beschäftigt. Ich finde jedoch den Begriff „Holocaust-Industrie“ passend für eben jene, die mit dem Holocaust Geld verdienen – in erster Linie Holocaustleugner.

 

38 Antworten auf „Irrtum und Holocaust“

  1. Hallo,

    sehr schöner Beitrag. Aber ich habe da zwei kleine Fragen. Die erste ist die, ob Du Dir sicher bist, das sich grundsätzlich was am Status unseres Landes 1990 geändert hat. Zwar ist das Militär, insbesondere die Russen abgezogen. Aber reicht das aus?
    Kennst Du die Geschichtsschreibung der DDR zum Massaker von Katyn? Wenn ja, dann stell Dir die Frage wie relevant Ehrlichkeit in der Geschichtsschreibung ist bitte noch einmal.

    1. @Steffen

      Nunja, das Thema ist sehr komplex. Die Kontrolle über die innere Sicherheit hatte ja schon Adenauer zurückgewonnen – die Kontrolle über die äußere Sicherheit ist von den der alliierten Kontrolle in ene gemeinsame europäische übergegangen. In Erfahrung der Nazis haben sich die deutschen Politiker für einen langfristigen Verzicht uf Souveränität entschieden zu Gunsten einer supernationalen Struktur. Mit dem Ende der Blockkonfrontation ist es noch komplexer geworden. Also wir sind nicht absolut souverän – halte ich aber unter dem Eindruck der Globalisierung für wenig sinnvoll. Stichwort Protektionismus. Souveränität abgeben, Sicherheit bekommen.

      Aber klar, der Einfluss der Alliierten auf die BRD war und ist sehr umfangreich. Wobei Deutschland ja mittlerweile auch emanzipierter auftritt.

      Geschichtswissenschaft ist immer auch ein Instrument. Ist in der Politikwissenschaft unter dem Stichwort Geschichtspolitik behandelt – Edgar Wolfrum hat da ein umfassendes Werk zu verfasst. Zumindest über die BRD.

  2. Zunächst dachte ich: Gib dir keine Mühe, Julia, Du wirfst nur „Perlen vor die Säue“. Aber schnell merkte ich: deine öffentliche Stellungnahme ist einfach nur gut geworden. Ein großartiger Beitrag zu einer leider nie verstummen wollenden Diskussion!

  3. Sehr guter Beitrag Julia. Ich bin erfreut, dass du dich, nach dem unreflektierten Gequatsche eines Bodo Thiesen und all dem zerschlagenen innerparteilichen Porzellan, dessen Scherben uns bereits teilweise den Wahlkampf 2009 bereits erschwert haben, fundiert und sachbezogen mit dem gesamten Themenkomplex auseinandergesetzt hast.

    Nebenbei möchte ich bemerken: chemische Belege, dass es keine Gaskammern gegeben habe? #WTF

    1. @olli

      Ja, einer dieser Menschen meint die Steine in Auschwitz „zeigen“, dass da kein Cyklon B dran sei. Die Wissenschaftlichkeit ist eher so wie die Glaubwürdigkeit des Joseph Smith von den Mormonen 😉 Witziger Weise hat dieser Germar-Typ die Attrappen untersucht, die die Polen gebaut hatten – die wurden aber erst in den 90er gebaut. In den Nürnberger Prozessen konnte nachgewiesen werden, dass sich an Metallgegenständen von toten Menschen aus Auschwitz Cyklon B befand. Im Fluss in der Nähe von Auschiwtz findet man auch noch bis heute Cyklon B Rückstände ….. haben sowohl Kommunisten, als auch anderen Forensikern anchgewiesen. Die Totenhalllen weisen auch Cyklon B auf. Also .. naja, aber wenn man nur EIN Buch liest von einem Typ, der behauptet Chemiker zu sein, aber in wirklich Historiker ist, nunja, da braucht man sich nicht wundern….

  4. Ich meine, es ist ja wirklich ganz nett geschrieben aber … wieso muss man nach >50 Jahren immer wieder mit diesen ausgelutschten Themen anfangen? Lasst Sie doch alle den Holocaust leugnen – das bringt keinen mehr weiter um, bringt aber auch keinen mehr aus dem Grab zurück. *gähn*

  5. Ich bin auch deswegen in die Piratenpartei eingetreten, weil ich die Grundrechte und die Demokratie auch deswegen gefährdet sehe, weil bald keine Zeitzeugen der NS-Diktatur mehr leben werden.
    Daher habe ich kein Verständnis für Holocaust-Leugner.

  6. Ähh Vertrag von Versailes? Wenn doch eher Diktat von Versailes. Ein Vertrag der unter Druck und Unrecht zustandekommt, ist Null und Nichtig. Daher waren es auch de Gebietsabtretungen nach dem WK 1, wobei der „Angriff auf Polen nicht zuletzt deswegen auch gerechtfertigt war. Nicht zu vergessen die Massaker der Polen an Volksdeutschen, die jeden Zweifel an einer Rechtmäßigkeit dieser Intervention beseitigen.

    Beim Nato-Angriff auf Serbien nannte man das einen Notstand.

    Wir wollen immer noch bei der Wahrheit bleiben, auch wenn sie dem staatlichen Geschichtsbild widerspricht.

  7. Und nochwas: Es sollte mittlerweile bekannt sein, dass es zu dem Thema viele viele Lügen gibt. Du produzierst hier selbst eine: Die Sache mit den Lampenschirmen nimmt NIEMAND mehr ernst, wirklch NIEMAND…selbst die auf der Seite des BRD-Geschichtsbildes sind…

    Wenn jemand mit Lampenschirmen und Seife aus Juden anfängt nehme ich den Gesprächspartner schon gar nicht mehr ernst. Diese Lügen wurden schon seit Jahren als FÄLSCHUNGEN entlarvt…so wie viele Andere auch.

    Das es Gaskammern gab ist unbestritten: Darin wurde die Kleidung der Häftlinge entlaust.
    Alles Andere ist genauso wahr oder unwahr wie die Sache mit den Lampenschirmen.

    Recherchier mal gründlicher!!!

  8. @sebastian

    Na, dass du den Text nicht ernsthaft gelesen hast merkt man! Ich zitiere mal mich und Stellen, die wir beide gelesen haben:

    1. Zu Versaille: „Rechtliche Normen repräsentieren ein kulturelles Moment und die Gesellschaft aus der sie erwachsen sind. “ (Ergänzung: Verträge sind ja nur kodifizerte Rechte)

    2. Zur Geschichtsschreibung: „Objektiv gesehen muss man auch sagen, dass Geschichte von Siegern geschrieben wird“

    3. Zu Lampenschirmen, Gaskammern, etc.:
    a) „….gibt es nun diese eigensinnigen Sturköpfe, diese GO-Antragsterroristen, die jeden Toten
    im Konzentrationslager einzeln abgezählt sehen möchten und die Qualität eines
    Massenmordes an der eingesetzten Technik festmachen. (Man staune, die Zahl 6 Millionen
    tote Juden ist nicht akkurat! Aber ob es jetzt 3,4,5,6 oder 7 Millionen sind ist auch aus
    vielerlei Hinsicht völlig unerheblich)“
    b)Die Frage, ob die Menschen massenhaft erschossen wurden (und da gibt es Fälle, wo
    Menschen 100.000 Menschen erschossen haben und begraben – es gibt die Massengräber,
    es gibt die Augenzeugen, es gibt die Berichte der Nazis) oder ob Gas eingesetzt wurde ist
    völlig irrelevant. (Ergänzung: Das gilt auch dafür, ob aus den Juden Lampenschirme
    gemacht wurden oder ob sie nur abgeschlachtet wurden. Ob sie wie Vieh behandelt wurden
    oder doch nur wie Amöben. Es ist für das, was der Zweite
    Weltkrieg war und bis heute ist und welche Rolle die Deutschen da gespielt haben
    vollkommen EGAL)

  9. da will man den flattr-button gleich mehrfach drücken 🙂

    Wenn du Sarrazin und co mal wieder einen offenen Brief schreibst, dann würde ich mich gern daran beteiligen, hab immer noch nen so nen Hals, wenn er und seine Konsorten durchs Land ziehen, um die Leute aufzuhetzen.

    weiter so!

  10. Vielen Dank für diesen sachlichen und unaufgeregten Beitrag zu diesem Thema. Es wäre sicherlich sehr hilfreich, wenn es in dieser Sache voran gehen würde, völlig Unabhängigkeit vom letztendlichen Ausgang. Nur fürchte ich, dass es selbst dann noch Streit darüber geben wird.

    Grüße Carsten

  11. Ich danke Dir für diesen Beitrag. Ich habe zwar nicht die Hoffnung, dass er Bodo T. „bekehrt“, aber er setzt wichtige Zeichen für andere.

    @Marcel: Nein, ich glaube Du irrst Dich. Und gerade weil nach und nach die Generation der Zeitzeugen verstirbt haben wir hier ein Erbe, mit dem wir sehr sorgsam umgehen und das wir nicht vernachlässigen dürfen.

  12. Vielen dank für diesen Beitrag!
    Gerade wenn ich meinen Großeltern und Ihrer Generation bei Ihren Geschichten zugehört habe kam heraus, wer nur geleugnet und blockiert hat und wer mit nachvollziehbaren Daten hantierte. Es ist daher sehr schön zu lesen wie Du sehr objektiv an die Sache herangehst und alles vernünftig darlegst. Ein Traum! Diejenigen (wie z. B. @Sebastian) die es scheinbar nicht schaffen Deinen Text vernünftig durch zu lesen kann nur bitten:
    Lest bitte langsamer und mit dem Vorsatz objektiv zu bleiben.

    @ Marcel: Leider zeigt uns die Geschichte, daß das Vergessen und/oder die Leugnung oder auch nur die Bagatellisierung der Taten in der Geschichte eine Wiederholung provoziert. Dafür muß man noch nicht einmal weit in die Vergangenheit schauen. Es reichen dafür max 100 Jahre. Und angelutscht werden solche Themen leider immer wieder und daher muss es auch solche geben die daran erinnern.

  13. Wenn Bodo diesen Text lesen und verstehen könnte dann hätte er wahrscheinlich http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust und Ähnliches lesen und verstehen können.

    Insofern stimme ich sowohl mit „perlen vor die säue“ als auch mit „danke“ und „brilliant geschrieben“ überein.

    Manchmal muss man die Trolle vielleicht einfach auch nur mal voll stopfen damit die anderen sehen, dass es nicht nur Spinner im Internet gibt.

  14. Danke, liebe Julia!

    Dass Meinungsfreiheit immer mit soziokulturellen Pflichten einhergehen muss, ist leider noch nicht über in den Köpfen angekommen. Du hast mit Deinem Beitrag an dieser Stelle eine sehr gute Arbeit geleistet!

  15. Ich kann mich den meisten Vorrednern nur anschliesen aber möchte vor allem auf folgende Aussage besondernen Wert legen:

    „Wolfgang Dudda Says:
    February 23rd, 2011 at 1:06 pm

    Danke, liebe Julia!

    Dass Meinungsfreiheit immer mit soziokulturellen Pflichten einhergehen muss, ist leider noch nicht über in den Köpfen angekommen.“

    du hast in deinem Artikel sehr scharf umrissen worum es beio diesem Thema geht: um das unbestreitbare Schicksal von Millionen. Diese Tatsache bleibt unumstösslich stehen, sie wankt mit keiner Windigkeit, mit keiner Halbwahrheit. Die Ausmaße dieser Taten bleiben bestehen egal wodurch , wie und weshalb sie begangen wurden.

  16. „Zunächst wäre da die Frage nach dem unbedingten Recht der Meinungsfreiheit. Rechte sind kulturell erwachsene Konstrukte, die ihre Gültigkeit haben, weil wir das möchten.“

    Das mag manchmal so definiert werden, wahrscheinlich in der Politikwissenschaft sogar recht häufig – es gibt da aber auch noch die Idee der unveräußerlichen Naturrechte: Meinungsfreiheit wird nicht gegeben, sondern ist per se vorhanden! Wesentlich sympathischer bei derartig grundlegenden Angelegenheiten.

    Ansonsten hast Du ja viele treffende Punkte, aber der Text wäre fast noch ein bisschen cooler, wenn der Tonfall etwas weniger belehrend wäre.

  17. Liebe Julia,
    zunächst meinen ganz herzlichen Dank für den Artikel.
    Ich möchte aber noch etwas dazu anmerken, weshalb gerade wir Deutschen eine besondere Verantwortung haben, den Holocaust nicht in Vergessenheit, oder in Belanglosigkeit geraten zu lassen. Eine Anzahl von Menschen ist ab einer gewissen Menge schwer vorstellbar. 50000 Menschen hat man vielleicht schon einmal in einem Stadion gesehen.
    Aber 100.000? -wieviele sind das?
    Eine Millionen Menschen sind bereits zu abstrakt für meine Vorstellungskraft. Aber 6 Millionen? Das jounglieren mit diesen Zahlen macht mich regelmässig schwindelig. Dabei ist jeder Mord ein Mord zuviel.
    Für Massenmord und Genozit kennt die Geschichte viele Beispiele. Den Unterschied macht für mich nicht die Zählbarkeit des Leides, welches verursacht wurde – die Zahlen sind mir zu abstrakt.
    Den Unterschied macht die Art, wie es zugefügt wurde. Die leblose Kälte, mit welcher die (wir) Deutschen den Massenmord perfektioniert und automatisiert haben, entspringt der gleichen Wesenshaltung wie die Fähigkeit, Technologievorsprung und Exportweltmeisterlichkeit zu erreichen. Der Irrationalität des Mordens eine Rationalität der Prozessoptimierung zukommen zu lassen … das ist derartig widerwärtig, wie ich es für deutsch halte. Deshalb müssen gerade die Deutschen den Holocaust als kulturelles Erbe, (wer will als Schande) bewahren.

    1. Volker, an deinem Kommentar stört mich folgendes:
      Die „Perfektionierung“ und „Automatisierung“ erfordert nicht mehr und nicht weniger leblose Kälte als jeder Massenmord dieser Größenordnung. Deine argumentative Verknüpfung des Holocaustes mit Technologievorsprung und „Exportweltmeisterlichkeit“ (sic) finde ich über alle Maßen geschmacklos, da ich als Unternehmer/Freiberufler nämlich genau daran arbeite, Technologie zu schaffen und zu verbessern. Dein, mein und unser aller Lebensstandard basiert auf dem Bestreben, Technologie zu schaffen und im Idealfall sinnvoll einzusetzen. Dass wir die Ergebnisse unseres Schaffens und Strebens exportieren, gereicht der Welt im Durchschnitt(!) wohl eher zum Vor- als zum Nachteil, denn sonst wären wir nicht auf diese Weise erfolgreich (in anderen Worten, niemand wird gezwungen, in Deutschland Waren oder Dienstleistungen zu kaufen). Negativbeispiele, um deiner von mir antizipierten Argumentation gleich zuvorzukommen, sind natürlich Waffenexporte aller Art, speziell in Krisengebiete, und Überwachungstechnologie in Diktaturen. Deine Argumentation ist ein Beispiel dafür, wie man durch falsche Gedankengänge zum richtigen Ergebnis kommen kann, was den Holocaust als kulturelles Erbe angeht. Dadurch wird der Kommentar jedoch nicht besser.

  18. Sehr schöner Artikel.

    Falscher Ansatz (nett gemeint). Wenn man sich schon bei dem Thema einschränkt (nicht einmal fällt das Zauberwort ‚Antisemitismus‘) und sich auf das NS-System konzentriert, das allerdings aus sehr unterschiedlichen Intentionen durch die Holocaustleugnung von jemandem verteidigt werden soll … egal ob bewußt oder unbewußt …

    muß man die Bedeutung der Shoa für die Nazis selbst aufgreifen. Um zur späteren perfekten Rasse zu kommen mußte man nicht nur lebensbornen, euthanisieren, politische Feinde abschlachten, sondern sich der vielzähligen inneren Feinde der neuen Rasse (die es noch gar nicht gab) entledigen und ebenso später in den besetzten Gebieten zu verfahren.

    Es handelte sich eben nicht um ein politisches oder ideologisches Motiv, sondern um ein mythologisches Motiv das über bereits vorhandene Stereotypen arbeitet. Die maschinelle Ausgrenzung -in Zwischenstufen- bis zur Vernichtung- begann sofort als das NS-System Gesetze erlassen konnte, in dem es die mythologischen Elemente der NS-„Kultur“ in die Tat umsetzte. Gerade deswegen sind auch die Ereignisse nicht in einem politischen Kontext (Weltkrieg) zu sehen. Warum die Nazis „Mißgeburten“ umbrachten liegt nicht darin begründet das die „Mißgeburtentötung“ dem „Volkskörper“ zu viel Geld kosteten. Sie waren nur ein mythologischer Störfaktor auf dem Weg in eine bestimmten mythologischen Überzustand.

    Wir kennen viele heutige Post-NS-Mythologie-Permutationen wie den Begriff der „Ghettobildung“ und auch heute noch wird dieses Feld sehr maschinell beackert und wenn unsere netten Mitmenschislamophobiker … mal… dürften….

    aber die dürfen nicht, was den eigentlichen Unterschied ausmacht.

    Es ist also beim jeweiligen Holocaustleugner tatsächlich nur eine Abart einer dieser Permutationen fest zu stellen, was wiederum im Anfang des Artikels sehr schön heraus gearbeitet wird. allerdings handelt es sich nicht um eine Geisteskrankheit. Wohl auch der Piraten-Holocaustleugner hängt an einem mythologischen Konzept (das ich nicht kenne und auch nicht kennen will). Da er seins nicht artikulieren? durchsetzten? kann verteidigt er ein anderes zum Unterschied zu den echten Holocaustleugnern der Kriegsgeneration.

    Das ist natürlich sehr erbärmlich. Vielleicht will er nur eine Jungfrau aus den Händen eines bösen Drachen befreien, wie die netten Ritter aus der Tarasque-Geschichte, die wieder abzogen als sie fest stellten, dass der Drache keine Jungfrau gefangen hielt, sondern nur dumme Bauern fraßen? Wäre allerdings auch ein schlechtes politisches Konzept … Bauern nur weil sie dumm sind …. aber es gibt Leute die glauben das.

  19. @julian

    du weißt schon, dass Nationalismus mal was ganz linke war? 😉 Aber im ernst: Nationalismus ist ein Kleber, der die Gesellschaft zusammenhält. Ich finde diesen Kleber selbst bedenklich und gefährlich, aber erkenne ihn als Relität erstmal an.

    Abgesehen davon: Die Welt ist komplexer als deine Schubladen, der Holocaust wird auch wirtschaftlich ausgeschlachtet und Schuld gibt es nicht in meinen Augen. Kritik an Israel ist berechtigt und das Andenken an die Verbrechen ebenso wie die Reflektion darüber wie es zu so einem Krieg und solchen Verbrechen kommen konnte.

    Ich bin einiges, aber kein Nationalist. habe da auch mal was zu geschrieben: http://www.grin.com/e-book/149517/die-deutsche-nation-und-die-katastrophe

    Update: Hier wirkt es so, als würde ich der Theorie von Finkelstein den Mund reden. Dies ist nicht der Fall. Der Holocaust wird jedoch von Holocaustleugnern missbraucht, um sich an ihm zu bereichernn. Zum Thema Schuld: Schuld ist keine operationalisierbare Kategorie – Verantwortung dagegen schon. Deswegen plädiere ich für KOLLEKTIVE VERANTWORTUNG, wie ich es OBEN erläutere.

  20. Tag.

    Dein Text ist auch ein Beispiel dafür, wie man in zeilenlangen geschliffenen Sätzen erworbene Glaubwürdigkeit in kürzester Zeit wieder verliert, wenn man schreibt:

    “ Und all die berechtigte Kritik an der Geschichtsschreibung, an der Holocaust-Industrie (wozu dein geschätzter Germar auch gehört!!!!) und der Geisselung durch eine vermeintliche Schuld …“

    Schade. Wäre so schön gewesen. Hiermit stellst du dich zumindest in die Nähe dieses neo-nationalistischen Gequatsches, das so tut, als sei heutiges Gedenken eine Industrie, Solidarität mit Israel so eine Art historiographisches Würfelspiel und als wäre die Erinnerung an die deutschen Verbrechen (die du richtigerweise auch deiner Oma in die Schuhe schiebst) eine „Geisselung“. Wie gesagt, schade. Denn auch wenn ich dir eine Nähe zu all dem nicht unterstellen will – jetzt, wo du sowas schreibst, muss ichs wohl.

  21. Julia,

    dann also doch:

    ” Und all die berechtigte Kritik an der Geschichtsschreibung, an der Holocaust-Industrie (wozu dein geschätzter Germar auch gehört!!!!) und der Geisselung durch eine vermeintliche Schuld …”

    Du bist die nicht erste Person, die Auschwitz zugleich als Anker einer deutschen Politik und Identität beschreibt und wenige Sätze später diese Verankerung der politischen Identität, wie du es nennst, mindestens implizit zu kritisieren. Man kann nicht beides tun: Den Holocaust als Menschheitsverbrechen anerkennen, seine Singularität betonen (das tut man übrigens nicht, indem man in einem Text so tut als sei es egal, ob in Auschwitz nun mit Gaskammern industriell gemordet wurde oder ähnlich wie im jugoslawischen Bürgerkrieg ’nur‘ mit Sturmgewehren und anderen unschönen Waffen. Schließlich ist gerade die industrielle Verwertung von Menschen, sei es als Zwangsarbeitern oder – wie in KZs geschehen – als Rohstofflieferant oder Versuchskaninchen das Quantum Brutalität, was den Holocaust von anderen Massenmorden unterscheidet. Von seinem kapitalistischen Aspekt abgesehen…) und sich zugleich darüber wundern, dass ein singuläres Verbrechen auch so wahrgenommen wird.
    Wie meinst du übrigens deinen Satz, es gäbe in deinen Augen keine Schuld? Warum fügt ein Land ein Ereignis in seine nationale Identität ein (oder versucht es zumindest) für das keine Verantwortung besteht, an dem es keine ‚Schuld‘ hat? Zumal du ja selbst deiner Großelterngeneration Verantwortung (ergo: Schuld) zuschreibst? Wer sich als national denkender Mensch historisch positiv besetzte Ereignisse ans Revers heftet, der darf historisch negativ besetzte Ereignisse nur ebenso behandeln.

    Die Debatte um „Kritik an Israel“ hatte ich so kommen sehen und habe, zugegeben, wenig getan, um sie zu verhindern. Sie ist mir eigentlich zu doof, weil ich mit keinem Wort Kritiklosigkeit eingefordert habe, wie du suggerierst.

    Und was die Frage wirtschaftlicher Interessen hinter der Erinnerung an den Holocaust betrifft? Wo sitzen diese in deinen Augen? An der amerikanischen Ostküste und in Israel – ich hab geraten und ich habe Recht, richtig? Auch das ist mir zu doof, es zu kommentieren, weil die Frage von Wiedergutmachung, Versöhnung und auch materiellem Ausgleich für erlittenes Unrecht zu komplex ist, um sie mit dem Wort „Holocaust-Industrie“ so abzuqualifizieren wie du es getan hast. Im übrigen erweist du deinem Anliegen, Antisemitismus zu verdammen, damit einen Bärendienst.

  22. @laprintemps
    Ich glaube, die wirklich dumme Falschbehauptung in deinem Update, dass Norman Finkelstein ein Holocaustleugner sei, der mit dem Holocaust sein Geld verdiene, wird an dieser Stelle nicht lange stehen bleiben.
    Zumindest in dem Falle nicht, dass du weiterhin als reflektierende, seriöse Bloggerin wahrgenommen werden willst.

    Du beweist mit diesem kleinen vergifteten Appendix, dieser Verschlimmbesserung auf Zuruf anderer (Piraten), nur eines – völlige Unkenntnis der Materie und Unfähigkeit einen akademischen Diskurs zu führen.
    Wer Norman Finkelstein’s „The Holocaust Industry“ gelesen hat und Einschätzungen anderer Politikwissenschaftler und Historiker dazu kennt, muss sich verwundert die Augen reiben und fragen, wo und wie du den Unsinn, den du hier in Bezug auf Finkelstein schreibst, eigentlich recherchierst? Ist die höchste Trefferzahl bei Google dein Maßstab?

    An dieser Stelle in wenigen Sätzen ein paar FAKTEN zum Thema:

    Im Juli 2000 erschien beim linksliberalen Label ‚Verso‘ das Buch „The Holocaust Industry“ des US-Politikwissenschaftler Norman Finkelstein. Finkelstein, Sohn polnischer Juden, welche die KZs Auschwitz und Majdanek überlebten und nach New York emigrierten, wurde von Kindesbeinen stark durch seine überaus pazifistisch eingestellte Mutter geprägt und politisiert. Seit Israel’s Libanon-Krieg 1982 engagiert sich Finkelstein unter anderem für eine friedliche Lösung im Nahen Osten und tritt in Debatten als harscher Kritiker israelischer Politik auf.

    In seiner Zeit in Princeton, wo er zum Thema ‚Zionismus‘ promovierte, wurde er maßgeblich durch den bekannten Linguisten und Philosophen Noam Chomsky beeinflusst, welcher zu seinem Mentor wurde. Finkelstein machte es sich zur Aufgabe, einzelne Werke amerikanisch-jüdische Literatur, die aus seiner Sicht geschichtsverdrehend und verherrlichend waren, akademisch zu widerlegen und zu dekonstruieren. In seiner Kritik an Joan Peter’s „From Time Immemorial“, Daniel J. Goldhagen’s „Hitler’s Willing Executioners“ und Alan M. Dershowitz „The Case For Israel“ wurde er von namhaften Wissenschaftlern, wie Raul Hilberg, Avi Shlaim, William B. Quandt, Noam Chomsky u.a. unterstützt. Andere namhafte Wissenschaftler, wie Omer Bartov, Tom Segev, Peter Novick, Hans Mommsen etc. haben Finkelstein hingegen teilweise harsch kritisiert.

    In „The Holocaust Industry“ (Kapitel 3) widmet sich Finkelstein unter anderem den einflussreichen amerikanisch- jüdischen Interessengruppen um den World Jewish Congress unter der Führung des Milliardärs Bronfman, welche aus seiner Sicht das Andenken an die Holocaustopfer missbrauchten, um möglichst hohe Entschädigungssummen von Schweizer Banken zu erpressen. Finkelstein geht detailliert auf die Untersuchungsergebnisse der Volcker-Kommission (500 Mio$ schweres Audit) ein, welche Zahl und Geldwert der noch verbliebenden Schliessfächer jüdischer Holocaustopfer ermitteln sollte. In deren Abschlussbericht vom Dezember 1999 wurde eine Zahl von 25.000 sicher identifizierbaren Schliessfächern genannt, von denen 10.000 auf einem Wert von ca. 170-260 Mio $ beziffert wurden. Der WJC, welcher den Wert der Schliessfächer selbst auf mindestens 7 Milliarden $ (sic) schätzte, hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits durch erheblichen politischen und wirtschaftlichen Sanktionsdruck aus den USA 1,25 Milliarden $ (per class-action settlement August 1998) von den Schweizer Banken erpresst. Als Hebel dienten die billionenschweren amerikanischen Pensionsfonds, welche beim Insistieren der Schweizer darauf, die Ergebnisse der Volcker-Kommission abzuwarten, drohten, ihre Gelder abzuziehen.

    Finkelstein’s „Holocaust Industry“ wurde von verschiedenster Seite, unter anderem von Novick und Bartov, wegen „falscher Beschuldigungen“ und „Missinterpretationen“ harsch kritisiert, die konkreten Erkenntnisse zur Erpressung der Schweizer Banken jedoch nie wissenschaftlich widerlegt.

    Im Gegenteil, andere Wissenschaftler bestätigen Finkelstein’s Ergebnisse als akkurat. Hier ein Zitat aus einem Interview mit dem Nestor der Holocaustforschung, Raul Hilberg, über Finkelstein’s „The Holocaust Industry“ (Quelle: http://www.logosjournal.com/issue_6.1-2/hilberg.htm):

    “Now Finkelstein had a second point, which, in my opinion, was one hundred percent correct and that is that the response to the issue of the Swiss banks and German industry, which had coincided during the War, was not only coercive on the part of the Jews who mobilized, but also on the part of all the insurance commissioners, the Senate, the House, and the critical committees. The only thing they could not break through was to the courts, which still have independence. So they lost at court, but they threatened people like Alan Hevesi in New York. They could make threats because Swiss banks wanted to expand here. For Finkelstein, this was naked extortion and I’m not sure who agreed with him except for me and I said so openly. In fact, I said so to the press in maybe seven countries.

    The press did not expect my answer. The World Jewish Congress was led by a man who was appeared to be from his own autobiographical statements to be totally, not even average, but like a child almost. What this tycoon, who took over the World Jewish Congress, was saying was totally preposterous. The claims lawyers, joined by the World Jewish Congress, made an incredible display of totally inappropriate behavior. “

    Abschliessend noch einige Worte zu den gleichermaßen wichtigen Kapiteln 1 und 2, die allgemein etwas weniger Beachtung fanden. Hier widmet sich Finkelstein der seiner Meinung nach zunehmend zentralen Rolle der Erinnerung an den Holocaust als zentrales, konstitutives Moment der seit 1967 erstarkenden amerikanisch-israelischen Beziehungen. Finkelstein skizziert auch, die seines Erachtens irrationale Versuche der Mystifizierung des Holocaust durch illustre Figuren wie Elie Wiesel, hinterfragt den Singularitätsanspruch des jüdischen Holocaust, berichtet von Geschichtsfälschungen und Schwindel in Verbindung mit dem Holocaust (Wilkomirski/Kosinski) und argumentiert gegen die Marginalisierung nicht-jüdischer Opfer (500.000 Sinti& Roma) bei der Erinnerung und im Rahmen der Einrichtung von Holocaust-Museen in den USA.

    An KEINER Stelle finden sich jedoch Passagen der Leugnung des Holocausts oder ein Infragestellen der Opferzahl von 6 Mio. ermordeten Juden. Mit dem Vorwurf konfrontiert, entgegnet der Autor, dass er geistesgestört sein müsste, im Angesicht des Schicksals seiner Eltern den Holocaust zu leugnen. Dann stellt er die Gegenfrage: „Beurteilen Sie es selbst. Sie können inhaltlich anderer Meinung sein als ich. Aber ist es ihr Eindruck, dass ich geistesgestört bin? Nun, wenn Sie denken, dass ich es nicht bin, dann müssen Sie sich fragen, warum jene 10.000 Internetseiten** das behaupten?“
    Fazit: Buch lesen, Sekundärliteratur lesen und NACHDENKEN! Nachdenken, ob es dem Andenken von 6 Mio. Holocaustopfern und ca. 5 Mio. weiteren Opfern der brutalen NS-Vernichtungsmaschinerie gerecht wird, wenn man kritische akademische Stimmen, die es ablehnen, Andenken zu instrumentalisieren, mundtot machen will.

    Und ich hoffe wirklich, dass es nur Unkenntnis bzw. unreflektiertes Daherreden, und kein Vorurteil war, welches dich zu diesem Statement bewegt hat.

    Roland

    *Die Schweizer Banken selbst hatten ohne aufwendiges Audit nur 775 vakante jüdische Schliessfächer im Wert von ca. 32 Mio$ gefunden.
    **In Anspielung auf die ‚Treffer‘zahl für „Finkelstein Holocaust Denier“ bei Google.

  23. Meine Reaktion auf Julia Schramm’s Präzisierung der von ihr gewählten Verwendung des Begriffes „Holocaust Industrie“ in obigem Beitrag:

    Die Autorin hatte in Erwiderung auf den Piraten-Abgeordneten Bodo Thiesen, welcher durch seine Befürwortung der Thesen des Holocaustleugners Germar Rudolf stark in die Kritik geraten ist, den Beitrag „Irrtum und Holocaust“ verfasst. Ein Beitrag, den ich ganz überwiegend inhaltlich teile, dessen Intention ich schätze und in dem unter anderem völlig richtig klargestellt wird, dass der Holocaust nicht leugnungsfähig ist.

    Allerdings fühlte sich Schramm in ihrer Kritik an der Holocaustleugnung auch dazu berufen, den Begriff „Holocaust-Industrie“ aufzuwerfen, welcher im Jahr 2000 vom US-Politologen Norman G. Finkelstein im gleichnamigen Buch „The Holocaust Industry“geprägt wurde. Letzteres vor dem Hintergrund des anhand von Fakten belegten Missbrauches des Andenkens an den Holocaust für wirtschaftliche Interessen (nicht ausschliesslich) jüdischer Interessengruppen .

    Julia Schramm wurde daraufhin von Seiten des Lesers Julian vorgehalten, sie hätte sich mit der Übernahme des Begriffes selbst in die zwielichtige Gesellschaft sogenannten „neo-nationalistischen“ Gedankengutes begeben. Auf Druck weiterer Kommentare ähnlicher Stoßrichtung durch die Piraten @MalteWelding und @Sascha242 bei Twitter, die versuchten, Finkelstein in ein geschichtsrevisionistischen Kontext zu stellen, sah sich die Autorin zu einem „Update“ gezwungen, der aus meinem unmittelbaren Verständnis diese Denkweise unkritisch übernahm.

    Ich hatte daraufhin Schramm vorgeworfen, sie bezeichne Finkelstein aus völliger Unkenntnis der Materie als Holocaustleugner. Dabei hielt ich die Formulierung ihres „Updates“ für derart irreführend, dass für mich keine andere Schlussfolgerung in Frage kam.

    Julia Schramm hat mir gegenüber deutlich gemacht, dass sie a) in der Tat nur oberflächliche Bekanntschaft mit Finkelstein’s wissenschaftlichen Erkenntnissen in „The Holocaust Industry“ gemacht hat, ihn b) jedoch nicht als Holocaustleugner betrachtet sehen wollte mit der von ihr gewählten Formulierung des „Updates“ und c) den Begriff Holocaustindustrie selbst auf die wirtschaftliche Ausbeutung durch die Emissäre der Holocaustleugnung (Germar, Irving etc.) anwendet.
    Ich habe Schramm’s mir gegenüber geäusserte Ehrlichkeit in Punkt a) sehr wohlwollend aufgenommen und empfinde die Tatsache, dass sie nicht mit jedem Einzelaspekt vertraut sein konnte/ musste als einleuchtend. Auch b) und c) halte ich daher für glaubhaft, wobei ich die Verwendung des besetzten Begriffes „Holocaust Industrie“ für den auch aus wirtschaftlichen Interessen geleiteten Missbrauch durch die Holocaustleugner als irreführend ablehne.
    Eine „Industrie“, welche mit der Leugnung ihr Geld verdient, sollte wenn überhaupt, dann doch korrekt als „Holocaustleugnungsindustrie“ bezeichnet werden.

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