Die Partei.

Vielleicht geht es gar nicht um Politik, sondern um den Glauben an eine Gesellschaft, um die Hoffnung doch nicht alleine zu sein. Und ist es nicht so, dass die Momente glücklich machen, in denen sich alle friedlich an den Händen halten im Inneren der sturmenden Welt und eine Entscheidung für das gute Leben treffen? Das gute Leben. Für alle. Abseits des Weltgetöses ist es diese Ruhe der Einigkeit, die allen Zweifel an der Welt übertönt, die vergessen lässt, dass Menschen selten durch Einsicht lernten und meistens nur durch Gewalt, durch Krieg. Für diese Momente leben wir; für die Harmonie, die Selbstbefriedigung, dass die Welt doch gut ist, dass wir doch nicht falsch und überflüssig sind, für die Haltung entgegen der ständig negativen Resonanz, die dir sagt, dass es sinnlos ist. Und dann erinnerst du dich an Ghandi. Oder Stalin. Du versuchst zu lernen, es anders zu machen. Gemeinsam diesmal. Doch irgendwie soll es dennoch einsam sein, denn es geht um dich, um deine Leidenschaft, deine Liebe zu dir selbst, die du immer wieder suchst. Es geht um dein Selbst, das dir fehlt und um einen Kampf, den du voller Liebe führen willst. Liebe für die Wahrheit. Und manchmal lässt dich genau diese Liebe vergessen, was Liebe ist und wie du sie leben kannst. Dann verlierst du dich im Raunen der Überheblichkeit. Denn in deinem Kopf ist alles klar. Nur in deinem Herzen nicht. Aber das stört ja nicht. Wen auch? Sie hat es ja sowieso nie interessiert, denn sie tun einfach, was ihnen gerade einfällt. Sie können das. Sie sind Menschen. Und ihnen gefällt das. Und macht es das nicht besser? Sie sind wie alle anderen. Sie sind echt. Sie richten es an. Und wir verzehren uns danach. Wir laufen hinterher. Wir glauben dieser Zeitung, auch wenn sie mit uns spielt, dabei in unser Gesicht lacht. Aber wir haben Angst vor dem Rückfall in die Taubheit, die Einsamkeit. Den Verlust der Gemeinsamkeit. Und dann erkenne ich in der Behäbigkeit wie grausam ich geworden bin, wie mich der Mut verlässt an uns zu glauben. Und dann gehe ich, lasse dich im Stich, denn es geht nicht mehr.

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Die Ehe.

Der Kampf tobt. Schon lange tut er das. Er tobt über die Frage der Definition um Ehe. Er tobt auch in mir. Und in dir. Das weiß ich. Dieser Kampf ist ein Schlachtfeld, auf dem viele andere gesellschaftliche Normen verhandelt werden.

Der Kampf um die Ehe für alle ist ein Kampf um die progressive Erneuerung unseres gesellschaftlichen Selbstverständnis. Es ist ein Symbolkampf, den es durchaus zu kritisieren gilt, vor allem, weil er im Kleinen denkt, nicht im Großen. Es ist ein einfacher Kampf, ein unterkomplexer. Ein Kampf, der die Masse packt wie die Wok-WM. Dennoch begrüße ich diese Neuverhandlung um die Ehe, denn eine gesellschaftliche Neuverhandlung auf dem Schlachtfeld Ehe bedeutet auch eine Neuverhandlung intimster gesellschaftlicher Normen. Das kann nur gut sein.

Der Begriff Ehe ist dabei natürlich schwer vorbelastet: Feindlich für alle, die nicht einer heteromonosexistischen Norm entsprechen. Die Ehe, wie wir sie heute kennen ist ein zutiefst bürgerliches Projekt und spiegelt eben so auch alle Abgründe des Bürgerlichen wider, die sich in der gesellschaftlichen Sanktionierung von Normabweichung zeigen. Die Norm ist dabei das Bürgerliche selbst, dass sich manifestiert in weißen, christlichen, monogamen, heterosexuellen cis-Menschen, die einander Versprechungen machen, die sie nicht halten können. Und genau diese Norm gilt es zu durchbrechen – die Ehe ist ein Symbol dieser Norm. Der Kampf um die Öffnung der Ehe kann also nur ein Kampf um das Aufbrechen der bürgerlichen Norm sein. Dass das nicht immer der Fall ist, hat Riot Mango bei der Mädchenmannschaft schön beschrieben.

Aber um was geht es bei einer Ehe eigentlich? Die Ehe ist die Ritualisierung des Versprechens, es miteinander auszuhalten, bis es gar nicht mehr geht. Bis zum bitteren Ende. Für einander zu sorgen. Einander zu akzeptieren, zu achten in einer Welt, in der Achtung kaum Relevanz hat. Niemals hatte. Das Versprechen bedeutet eine Zeremonie, das Versammeln geliebter Menschen, vor denen wir uns das Versprechen gaben füreinander zu sorgen, ehrlich zueinander zu sein. Trotz allem. Trotz deiner Sturheit und meinem unsteten Gemüt.

Und es beinhaltet ein Fest, wo all die Menschen vereint werden, wie sie so nie wieder vereint werden. Vereint werden können. Denn sie kommen wegen des Rituals, wegen des Versprechens, wegen der Hoffnung und wegen der Familie, die wir gemeinsam gründen wollen. Irgendwie.

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Die Idee der Ehe wurde missbraucht, sie wurde entstellt für Machtspiele und Unterdrückung, für Strafe und Politik. Dabei geht es um eine Familie, die ich mir selbst aussuche, um ein Bündnis mit Menschen, die ich liebe, die ich als Teil meines Lebens betrachten möchte, die andere als Teil meines Lebens betrachten sollen. Und um eine richtig coole Party. Dennoch behalte ich meinen Namen, denn ich mag es alleine zu sein. Und ich verstehe jeden, der sein Leben ohne jemanden wie dich verbringen will. Ehe mit sich selbst, Ehe mit Freunden, Ehe ohne Körperlichkeit.

Die Ehe ist für mich ein Kampf mit meinen eigenen Dämonen, mit meiner Priviligiertheit. Unser Ring erinnert mich jeden Tag daran, dass diese Welt scheiße ist. Er erinnert mich daran, dass ich die Scheiße nicht alleine ertragen muss; er einnert mich daran, dass ich trotzdem dankbar sein kann, ihn tragen zu dürfen. Der Kampf für die Ehe für alle bedeutet einen Kampf gegen meine eigenen Privilegien, für eine Welt, in der alle Menschen jemanden wie dich haben. Oder euch. Oder sich. Oder eben auch nicht.

Weiter lesen. Kritisch, affirmativ oder einfach schön:

http://kleinerdrei.org/2013/04/aber-ich-will-doch-gar-nicht-heiraten/
http://flannelapparel.blogspot.it/2012/10/eure-liebe-ist-straight-scharf-wie-ein.html

Okkupiert die Ehe!


Das Programm der Piraten finde ich diesbezüglich übrigens sehr gelungen: https://www.piratenpartei.de/politik/selbstbestimmtes-leben/geschlechter-und-familienpolitik/#Zusammenleben

Seine Liebe

Der Kopf ist verhüllt
von innen gewachst
die Adern zieh’n sich zusamm’

Die Finger bemüht
zu langsam und zahm
verdichtet sich gleich die Tat

Der Nebel hängt tief
Kontrolle verlustiert sich
eigenwillig und stur

Die Ernsthaftigkeit lähmt
zerlegt in einzelne Teile
zerfällt in der Zweisamkeit

Sein Strudel der Macht
ist das Projekt,
seine Liebe dein Feind

Auslieferung ist freiwillig
ich brauche die Zeit

Drogen und Lyrik

Einst war ich mal ein großer Mann,

der überall was sagen kann,

den alle Leuten sprechen ließen

und ihn mit Liebe übergießen.

Doch dann, erfuhr der Rest der Welt,

wie ich mich einst mit der SS verhielt,

da waren sie dann böse ja,

und ich sah, natürlich sonnenklar,

dass ich mich klar positionieren muss,

in diesem linken Medienguss,

wo man nicht mehr alles sagen kann,

was dann und wann

zu sagen wäre,

in Moses Meere!

Doch eigentlich, so ist es wohl,

suche ich meine Seelenruh‘

denn sind wir doch mal ehrlich hier,

das Problem, das seid ihr!

 

Frauen und Lesen

<3

I want a girl who reads

“So, what do you go for in a girl?”
He crows, lifting a lager to his lips
Gestures where his mate sits
Downs his glass
“He prefers tits
I prefer ass.
What do you go for in a girl?”

I don’t feel comfortable
The air left the room a long time ago
All eyes are on me
Well, if you must know

I want a girl who reads
Yeah. Reads.
I’m not trying to call you a chauvinist
Cos I know you’re not alone in this
but…

I want a girl who reads
Who needs the written word
& uses the added vocabulary
She gleans from novels and poetry
To hold lively conversation
In a range of social situations

I want a girl who reads
Who’s heart bleeds at the words of Graham Greene
Or even Heat magazine
Who’ll tie back her hair while reading Jane Eyre
and goes cover to cover with each waterstones three for two offer
but I want a girl who doesn’t stop there

I want a girl who reads
Who feeds her addiction for fiction
With unusual poems and plays
That she hunts out in crooked bookshops for days and days and days
She’ll sit addicted at breakfast, soaking up the back of the conflakes box
And the information she gets from what she reads makes her a total fox
Cos she’s interesting & unique
& her theories make me go weak at the knees

I want a girl who reads

A girl who’s eyes will analyse
The menu over dinner
Who’ll use what she learns to kick my ass in arguments
so she always ends the winner
But she’ll still be sweet and she’ll still be flirty
Cos she loves the classics and the classics are dirty
So late at night she’d always have me in a stupor
As she paraphrases the raunchier moments from the works of Jilly Cooper

See, some guys prefer asses
Some prefer tits
And I’m not saying that I don’t like those bits
But what’s more important
What supercedes
For me
Is a girl a with passion, wit and dreams
So I want a girl who reads.

Quelle: http://markgrist.com/poems

Entschleunigung und Liebesnot

Schleunigst möchte ich mich nicht fühlen,
es sei denn Gefühle der Einzigartigkeit.
Ruhelos getrieben vom Werk der Kürze,
erlaube ich allem das, durchdringen, flächenhaft.
Von innen prasselt es in Bahnen nach außen,
die Fäden verbinden Welt und Seel‘

Das Gesicht nach vorn, das Herz abgewandt,
die Sehnsucht verwechselt mit offenem Kleid
und der eigenen Betrachtung der Ersetzlichkeit,
verschwindet die Dichte im Trubel des Beliebigen
ob dass ein wahrer Kern erwache

Drum trage das denkend zu Grabe
und sei verwundert über Heiligkeit.
Hell beleuchtet der Kopf des Unsagbaren,
triefend legt sich der Schein.

 

Die und Ich

Alle Tage wieder

Misstrauisch blicken sie mich an,
welch’ Schmach, welch’ Schande kann ich sehen
gelbliches Zucken umspielt die Hülle,
dieses unberechenbare, lächerliche Gefängnis.

Ich wehre mich gegen das Verstehen –
Sucht nach Sicherheit und Fülle!
Denn der Weg führt mich in Bedrängnis,
lasst mir meine Kleidung an!

Ein Zittern durchfährt uns, welch’ Glück
wird es heute mein Verhängnis?
an mir ist es nicht gelegen dran
so etwas darf nicht entstehen.

Letztlich habe ich mich erhängt
wisst ihr jetzt eigentlich wann?
Ich wollte daran vergehen,
ich konnte nicht mehr zurück.

Adam und Eva

Para Dies

Getrieben von den Lichtern der Zeit
starre ich ihn an.
Verführt vom Glitzern der Sterne über mir
bewundere ich ihn.
Angezogen von der Macht die ihn erfüllt,
wenn er mich berührt
lasse ich mich entführen von den roten Falken
einer ganzen Generation.
Pulsierend durchdringen sie dich,
greifen dich,
du wehrst dich, doch du willst was du tust.
Mein Schwindel kennt keine Grenzen,
wenn du um mich bist,
dafür nehme ich in Kauf was ich Kriege,
denn ich bin Eva, die Mutter aller Sünden,
Eva Braun!

Launen und Indifferenz

 

Die neue Rauschfreiheit macht nervenschwach, nervös, ja geradezu anfällig für die dunklen Seiten des Charakters und plötzlich erinnert man sich: Achja, DAS wollte ich also immer betäuben! DAS wollte ich immer vor mir verstecken, auslöschen, ablegen. Dieser Versuch scheint mäßig funktioniert zu haben, streite ich mich doch mit meinen Liebsten in altbekannten, vermeintlich überwundenen Mustern, habe Angst davor meine Vorhaben nicht umsetzen zu können und bin, gelinde gesagt, furchtbar zickig. Launisch war mein Gemüt von jeher, ebenso wie hypersensibel und leicht erregbar – der Rausch gab mir die Gleichgültigkeit so herzlos, kalt und distanziert zu sein, wie es das Überleben in dieser Welt vermeintlich verlangt; wie es der Kampf gegen den Weltschmerz zu erfordern scheint. Zumindest lebte ich in dem Glauben dieser kalten Gabe mächtig zu sein. Allerdings ist der zu zahlende Preis für diese wohltuende Indifferenz sehr hoch, werden doch vielmehr der weiche Kern, die, manchmal auch hypersensible, Empathie und das flüchtige Eintauchen in Gefühle abgewiesen, ja abgelehnt und somit verstümmelt. Die Feingeistigkeit der Emotionen wird zer- und gestört, abgeschaltet, was letztlich doch nur uns selbst schadet. Warum können wir uns nicht eben mit diesen Eigenschaften erheben, uns von der Kälte dieser Welt distanzieren, sie nicht noch bestärken, sondern bekämpfen? Anstatt zu den Ausprägungen des eigenen Wesens zu stehen, flüchtet man sich in den substanzbasierten Rausch des Moments, induziert sich den Hauch von Abgeklärtheit und Ignoranz und fragt sich nüchtern doch nur: Wofür?

Die Welt in der wir leben und die wir gestalten schafft es, dass wir Obdachlose als lästig empfinden, Hilfsbedürftige als Schmarotzer brandmarken und Flüchtlinge als Plage wieder ins Meer treiben wollen. Indifferenz und Stumpfheit werden von uns verlangt, wo es doch eigentlich nicht unserem Wesen entspricht – zumindest hoffe ich das.

inglorious indifference

is it a mask

that saves you?

so well then,

don’t ask

free from form

of expectations

touches you

the dark despair of

freedom