Nie war es leichter die Piraten zu wählen.

Ja. Wirklich. Trotz des Streits. Des Wahnsinns.

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Am kommenden Sonntag ist die Wahl zum Europaparlament. Das Achte. Ein sehr junges Parlament. Und irgendwie auch zu machtlos in der aktuellen Gemengenlage. Nun wählen wir am 25. Mai nationale Listen, auf denen Parteien ihre Kandidat_innen gewählt haben. Da sind allerlei Parteien dabei, die nun wirklich unschön im Parlament wären. Eigentlich gilt das auch für die Piratenpartei. Sieht eins sich all die selbstgefälligen alten Leute an, die in ihren Mini-Kreisverbänden König_in spielen, sich über Deutschenfeindlichkeit und andere ausgedachte Sachen echauffieren und der Meinung sind, dass sie alles anders machen werden, wenn sie nur mal an der Macht sind. Ja, die Piratenpartei hat einen ganz großen Haufen von Leuten, die König_in spielen. Nun aber die guten Nachrichten: Von diesen Knalltüten steht niemand auf der Liste zur Europawahl. Im Gegenteil: Seit Monaten versucht eine seltsame Mischung aus lebensfrustrierten Pirat_innen, Twitter- und Masku-Hater_innen die erfolgreiche Wahl der Piratenpartei zu verhindern. Warum ist klar: Auf den ersten 5 Listenplätzen sind 3 Feministinnen und 5 Antifaschist_innen. Gute Leute, mit Visionen, Rückgrat, Haltung und dem Willen sich für Marginalisierte einzusetzen, für Demokratie und Teilhabe. Und für Weltraumaufzüge.

Mir fiel es bei den letzten Wahlen durchaus schwer mein Kreuzchen bei meiner Ex-Partei zu machen. Und da war ich noch Mitglied! Aber diesmal ist es anders. Diesmal ist es leicht, weil ich weiß, dass die Leute, die schlußendlich ins Parlament gewählt werden großartige Leute sind, die darauf brennen etwas zu verändern. Und deswegen habe ich tatsächlich 10 Gründe gefunden, wieso es niemals einfacher war, die Piratenpartei zu wählen. Lest es, bevor ihr gar nicht wählen geht. Was ich auch verstehen kann.

1. Europa. Grenzenlos – die richtige Vision. Weg mit Grenzen. Weg mit FRONTEX. Weg mit Nationalstaaten. Weg mit “Dieses Video ist in deinem Land leider nicht verfügbar.” Weg mit Nationalgefühl und Patriotismus. Weg mit Schland. Und ich vertraue den Kandidat_innen, dass sie diese Vision auch vertreten.
2. Die Piratenpartei befindet sich in einem Richtungsstreit: AfD 2.0 oder eine undogmatische linke Alternative? Eine erfolgreiche Wahl würde den linken Kurs, der von Liste, Bundesvorstand und Programm ausgeht, bestätigen und die Würstchenwender mit Hang zum deutschnational-konservativen in ihre Schranken verweisen. Mein Kreuzchen bei den Piraten bedeutet für mich deswegen diesmal: #keinfussbreit
3. Eine Vielzahl bekannter (Online-) Hater_innen wird an Schnappatmung verenden, sollte die Piratenpartei mit dieser Liste erfolgreich ins Parlament einziehen. Sie wüten ja schon seit Monaten. Angeführt von einer kleinen Truppe, die sich um den Name Zuse sammelt, verirrten Pirat_innen und frustrierten Blogger_innen, die niemanden auch nur den Dreck unter den Fingernägeln gönnen. Den aktuellen “linken” Bundesvorstand haben sie auch schon gesprengt mit Druck, Lügen und Hetze.
4. 3 tolle Feministinnen auf den ersten 5 Listenplätzen: Julia Reda, Anke Domscheit-Berg, Anne Helm. Die Piratenpartei hat immer wieder tolle Frauen hervorgebracht. Diesmal sind einige davon es, die zur Wahl stehen. Und sind wieder mit wahnsinnigem Sexismus konfrontiert. Dafür, dass sie sich dem unverzagt aussetzen und weiterkämpfen haben sie eigentlich 100 Kreuzchen verdient.
5. Antifaschist_innen in die Parlamente ist angesichts der rechten Flut unglaublich wichtig. Und wenn ein Mensch gezeigt hat, wie wichtig Antifaschismus ist, dann Anne Helm. Und die ist bei vielen, vielen Prozent (also so 4,5%) auch dabei. Und wenn wir Glück haben, explodiert dann Altermedia oder so. Hier könnt ihr nochmal lesen, warum Anne eigentlich alles richtig gemacht hat und deswegen erst recht ins Parlament gewählt werden sollte: strohlehm.wordpress.com/2014/04/24/annes-aktion/
6. Ressourcen. Je mehr tolle Leute ins Parlament einziehen, desto mehr Ressourcen haben sie zur Verfügung. Das bedeutet Ressourcen für antifaschistische, linke und feministische Projekte. Potentiell ;)
7. Die Grünen werden zahlreich einziehen und können ruhig ein wenig von den Piraten getrieben werden. Und die LINKE ist derzeit …. schwierig und neigt zu Querfrontelei.
8. #keinhandschlag soll ein Erfolg werden. Zeigt denen, die den Wahlkampf sabotieren, in dem sie keine EU-Plakate aufhängen und Flyer zerstören, dass sie gar nicht gebraucht werden für gute Wahlergebnisse. Im Gegenteil.
9. Weltraumaufzug. Auch wenn ein Teil der Pirat_innen da vehement gegen ist: Die stehen nicht auf der Liste :)
10. Generell: Julia Reda. Seht selbst. i.giflike.com/CZXut8v.gif Oder lest: www.deutschlandfunk.de/spitzenkandidaten-das-europa-meiner-traeume-ist-wie-das.2024.de.html?dram:article_id=285573

So. Zynisch wie ich bin sind die Gründe auch ausgefallen. Aber bevor ich aus Frust gar nicht wählen gehe, wähle ich Julia und Co. Für Europa. Gegen Hater_innen. Grenzenlos.

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  • http://www.endorphenium.de/ endorphenium

    danke. da meine wahlunterlagen schon unterwegs sind, hast du die begründung für meine wahlentscheidung noch einmal schön niedergeschrieben. und hier findet sich auch der grund, dass meine wahl für eu-parlament anders ausgefallen ist, als für die hier parallel stattfindende kommunalwahl.

    das dachte ich heute morgen bereits, als du mit @mspro über die wahl getwittert hast. und dafür einfach mal danke!

  • Johannes Knopp

    Schöne Liste, kann nur zustimmen! Ich hätte noch einen Punkt 11: Netzthemen werden zu großen Teilen von europäischer Gesetzgebung bestimmt. Da ist es für die gesamte Netzgemeinde ein Gewinn dies Pirat_innen im Parlament zu haben.

  • Cyberdroid

    Danke.

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