Urheberrecht und Repression

Lieber Herr Regener, liebe Tatort-Drehbuchautoren,

ich bin verwirrt. Als Mensch, Bürgerrechts- und Internetfreundin und Urheberin bin ich verwirrt. Also auf vielerlei Ebenen. Da sie aber auch verwirrt zu sein scheinen, ist das ja ein guter Boden für einen Dialog, den es geben muss. Um ihretwillen. Denn lassen sie mich ihnen vorweg sagen: Sie werden den Kampf verlieren. So oder so.

Doch fangen wir von vorne an. Das Internet ist ihr Problem. Ja, sagen wir es doch so wie es ist: Sie mögen das Internet in seiner Grundstruktur nicht. Und vielleicht ist ihnen das nichtmal klar. Denn vielleicht mögen sie es, wenn es ihnen das Leben erleichtert, z.B. um ihr hart verdientes Geld auszugeben. Vielleicht mögen sie es auch, um ihre Konten zu verwalten oder auf Facebook eine Fanpage zu haben, wo Menschen ihnen Feedback geben. Das sind die angenehmen Seiten – die muss man ja mögen. Vielleicht mögen sie das Internet auch für e-Mails und elektronische Kalender. Vielleicht glauben sie, dass Internet zu mögen. Vielleicht begreifen sie auch einfach nicht, dass das Internet diese Welt verändern wird, ja die Welt schon verändert hat. Sie betrachten diese Veränderung offenbar nur so lange positiv wie sie von der Entwicklung finanziell profitieren, wenn überhaupt. So funktioniert das aber nicht.

Diese Grundstruktur, die sie implizit anprangern, ist in erster Linie dezentral, pseudonym und manchmal sogar anonym. Und das muss sie auch bleiben. Unter allen Umständen. Denn nur so ermöglicht sie Freiheit. Diese Grundstruktur bedeutet, dass Menschen sich austauschen können, über Videos, Text und Audio; dass sie sich vernetzen, zusammenfinden. Diese Grundstruktur ermöglicht ebenfalls, dass die Wege kürzer werden – auch für den Austausch von Musik, Büchern und Filmen. Und da nun setzen sie an, die sie glauben, dass ihnen diese Entwicklung schaden wird.

Dafür kurz ein Realitycheck:

Element of Crime – eine Band von Herrn Regener, die von den vielen Downloads im Netz Schaden tragen soll. Guckt man in eine beliebige Tauschbörse, so sieht der Fall anders aus: 1-2 Seeds. Entweder interessiert sich die Raubmordkopiererszene nicht für die Band oder aber …. sie gucken alles auf YouTube! Immerhin gibt es da mal ein Video mit fast 100.000 Klicks. Die Videos sind in erster Linie Live-Aufnahmen und keine raubmordkopierte Aufnahme eines Albums.  Auch hier die Erkenntnis: Das Netz scheint sich nicht sonderlich für sie zu interessieren.

Herr Lehmann – Weder Buch noch Film sind im Netz für mich auf Anhieb zu finden.  Dafür hat sich das Buch über eine Millionen (!) Mal verkauft. Sonderbar. Oder einfach alles weggeklagt?

Tatort – Ich habe noch nie einen Tatort gesehen, aber dafür bezahlt. Ich denke, dass ich dazu nicht mehr sagen brauche.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Diese unsichtbare Wunderwelt hinter dem Monitor ermöglicht eine Vernetzung der Welt. Was in erster Linie eine Chance ist, wurde von den meisten Menschen lange nicht als solche begriffen. Nicht nur hat die Politik vergessen die Entwicklungen in und ums Internet zu antizipieren und ernst zu nehmen (was sich nun mit riesigen Wahlerfolgen der Piraten rächt) auch die Künstlerindustrie (!) hat sich den Entwicklungen lange verweigert. Die erste Tauschbörse – achja, wer erinnert sich noch an Napster! – war ein privates Projekt und das erste Armutszeugnis der Industrie, für die sich sich gerade vor den Karren spannen. Jahrelang hat sich die Industrie verweigert die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Erst Apple begann eine Infrastruktur zu schaffen, die legale Angebote ermöglicht. Das, und so frei darf ich sein, ist aber nicht das Problem des Netzes oder der User. Es ist nicht die Aufgabe der Gesellschaft einzelne Geschäftsmodelle auf Kosten von Bürgerrechten zu retten. Wieso die Bürgerrechte in Gefahr sind? Danke für die Frage!

Ihre Vorstellungen von der effektiven Durchsetzung der Verwerter- und Urheberrechte erfordert eine Kontrolle jedes Nutzers durch die Provider. Sie fordern also einen privaten Überwachungsapparat, der einzelne Nutzer in ihrem Verhalten überwachen und eventuelle Urheberrechtsverletzungen ahnden soll. Wie genau stellen sie sich das vor? Eine Millionen Menschen, die vor Rechnern das Nutzungsverhalten der User beobachten und auf einen roten Knopf drücken, falls jemand auf YouTube Element of Crime anguckt? Wer soll die Überwachung bezahlen? Der Staat? Die Provider? Die Verwerter? Ich hoffe, dass sie hier bereits erkennen, wieso dieses Vorgehen bürgerrechtlich problematisch ist. Denn eine andere Möglichkeit gibt es nicht, um die Menschen davon abzuhalten immaterielle Güter zu tauschen. Es sei denn sie wollen das Netz direkt und komplett kaputt machen – das geht natürlich auch. Aber an dieser Stelle wiederhole ich gerne meine Ansage von Anfang: Diesen Kampf werden sie verlieren. Denn das Internet ist mehr, es ist eine Idee. Und sie, von allen Menschen überhaupt, sollten wissen, wie mächtig Ideen sind.

Womit wir an dem Punkt wären, wo die Urheberin in mir irritiert ist. Die Idee des geistigen Eigentums ist für mich bizarr. Natürlich bin ich als Urheberin interessiert daran, dass die Ideen, die ich entwickelt habe, meinen Namen tragen, dass sie mit mir verknüpft sind und ich damit eventuell Geld verdienen kann. (Das gesteht uns aber die Piratenpartei auch vollkommen zu. Es geht ja nur darum, dass man private Nutzer nicht repressiert!) Jedoch bin ich mir zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass meine Ideen, die in der Welt sind, nicht kontrollierbar sind, dass sie mir entschweben und auf andere Ideen treffen, dass sie sich vermehren und entwickeln, vielleicht auch mal mutieren. Ich bin doch nur ein Filter für diese Welt, auf dessen Seite ein Kompromat dieser steht. Durch mich fließt die Welt und ich setze sie zusammen, schaffe etwas, was nicht neu, aber ich ist. Und das kann niemals mir gehören, weil ich es nicht unter meinem Bett verstecken kann. Und will. Denn was ist eine Idee, die niemand in sich aufnimmt? Was ist eine Idee, die niemanden interessiert, berührt? An dieser Stelle kann ich nur auf Paulo Coelho verweisen, der eindrucksvoll darlegt, wieso die Verbreitung von Ideen der Kern von Urhebern ist! http://paulocoelhoblog.com/2012/01/20/welcome-to-pirate-my-books/

Aber ich will micht jetzt nicht in der Romantisierung des Urhebens verlieren, sondern auf die konkreten Sorgen und Nöte eingehen, die Künstler abseits von ihnen scheinbar, wie oben angeführt, durch das Netz tatsächlich haben. Die Verwerterindustrie hat nämlich auch Vorteile – ja wirklich! Nicht nur gibt es die Möglichkeit Werke zu finanzieren, die sonst keiner will, nein, es gibt auch die Chance Künstlern finanziellen Freiraum zu geben, um Stücke zu schaffen. (So wie mir zur Zeit mit meinem Buchvorschuss) Auch ist ein Dialog mit Produzenten oder Lektoren immer sehr fruchtbar. Die Industrie wird auch nicht sterben, wenn sie sich anpasst. Denn die Industrie muss sich von ihren alten Vorstellungen verabschieden: Wieso kostet ein e-Book mehr als ein Totholzbuch? Wieso gibt es das e-Book nicht für einen geringen Aufpreis zum Totholzbuch dazu? Wieso klammern wir uns an CDs? Die Industrie ist behäbig und versucht Besitzstandswahrung zu machen auf Kosten der Nutzer. Ja, ich möchte, dass für meine Bücher bezahlt wird, dass Menschen sie gerne kaufen. Aber wenn sie es nicht tun, dann möchte ich keinen Überwachungsapparat, der sie wie Schwerstkriminelle behandelt, weil sie meine Sachen kopieren. Das geht so nicht. Sorry. Auch die Panik, dass niemand mehr Kunst kauft oder Bücher ist nicht berechigt: Bücher wird es so lange geben, wie Papier kein Strom braucht. (Und dass sie sich verkaufen sieht man ja an … tada! Herr Lehmann!)

Kunst ist wichtig für die Gesellschaft, denn sie reflektiert sie. Kunst bedeutet Auseindersetzung mit der Umwelt, Kritik und Sublimierung. Aber seien wir doch mal ehrlich: Hat die Industrie immer nur hochwertige Kunst geschätzt? Selten nur setzen sich gute Künstler durch, schaffen es die Massen mit der Tiefe ihrer Kunst zu erreichen. Die wenigen Künstler, die es geschafft haben, klammern sich nun an den großen Bruder in Form der Verwerter. Nachvollziehbar, aber sinnlos. Auch der Journalismus als vierte Gewalt hat nicht immer die Qualität geliefert, die man erwartet hat. Das rächt sich nun. (Guckt man sich zB die faz an, so scheint es doch funktionieren zu können.) Die Jahre, in denen einzelne über die Qualität von Kunst und Kultur entschieden haben neigen sich dem Ende zu. Kunst und Publizieren wird final demokratisiert. Und das ist auch gut so.

Was wir nun konkret tun können?

– Die Nutzer nicht für privaten Austausch repressieren. Niemals.

– Legale Angebote schaffen (Wäre auch aus Jugendschutzgründen attraktiv, Stichwort: Erotikwerbung)

– Bessere Bezahlmöglichkeiten etablieren bzw. auch die staatliche Förderung grundlegend überdenken

– Die sozialen Sicherungssysteme erneuern, so dass unabhängiger und freier geschrieben, gebastelt und gekünstelt werden darf

Das Verbreiten von Ideen läuft heute dezentraler, ebenso das Geld verdienen mit Ideen. Wir erleben einen Strukturwandel, der einer kapitalistischen Logik folgt: Geschäftsmodelle sterben, Geschäftsmodelle entstehen.

Ach, sie finden das kapitalistische System scheiße? Achso, ja, dann machen sie sich doch nicht mit diesem gemein!

Mit freundlichen Grüßen

Presse und Freiheit

Und noch ein Update. Diesmal geht es um meine Auftritte in den Medien.

Die Focus-Titelgeschichte ist mal wieder ein guter Anlass um grundsätzlich etwas klar zustellen. So in kurz:  Es gibt nicht die Möglichkeit der Presse zu sagen, wie sie über die Piratenpartei zu berichten hat und das ist auch gut so! Dass es Leute gibt, die sich Presse kaufen können ist ein Skandal und sollte von uns massiv bekämpft werden! Dass es Medienmonopole gibt ist schlimm genug. Die Kritik daran müssen wir aber auch leben. Eine unabhängige Presse ist ein hohes Gut in einer demokratischen Gesellschaft.

Immer wieder dröhnt es aus allen Ecken, dass wir die Medien beeinflussen sollen, dass wir $Dinge tun sollen, damit die Medien so und so über uns berichten, dass wir eine Strategie brauchen, welches die Berichterstattung beeinflussen soll, etc. (Höre ich auch oft genug von Menschen außerhalb der Piraten.) Nicht, dass ich eine koordinierte Pressearbeit nicht gut fände, aber diese seltsame Vorstellung von Medienbeeinflussung finde ich doch reichlich bizarr. Sollen wir uns jetzt nach den Medien richten, was wir wie tun? Oder wollen wir direkt Einfluss üben? Wir können den Medien nicht vorschreiben, wie sie mit uns umzugehen haben und das ist auch gut so. Natürlich kann man darauf achten und lernen, was man der Presse wirklich gar nicht sagen sollte, aber was die Presse aus dem macht, was sie sieht, hört, erfragt liegt nicht in unserem Einflussbereich und das muss auch so bleiben. Unbedingt.

Und was, wenn die Presse falsch über uns berichtet?

Wir haben ein mächtiges Instrument, was alle Rebellen und Evoluzzer vor uns nicht hatten: Eine stabile und echte Gegenöffentlichkeit. Die meisten Menschen entdecken diese alternative Öffentlichkeit erst jetzt, zu einem Zeitpunkt, wo wir uns schon breit gemacht haben. Wir haben eine Deutungshoheit, wir haben medialen Einfluss, wir haben Gegenöffentlichkeit. Wir brauchen keinen Druck auf die BILD ausüben. Wir brauchen nur ordentliche Arbeit leisten und diese in unserer Öffentlichkeit präsentieren. Und diese Öffentlichkeit ist im Internet und auf der Straße. Alles andere ist gefährlich. Wirklich.

(Das Bild von mir im Focus stammt übrigens aus dem letzten Jahr und wurde im Rahmen einer Reihe von Photos bei den Wiener Piraten geschossen. (Guckst du hier: http://www.bildmaschine.de/de/search/julia+schramm und hier: http://www.bildmaschine.de/image/berliner+piraten+archivaufnahme-julia+schramm/2354430) Der Focus hat einfach so über mich berichtet, ohne mich zu fragen- Skandal! Vielleicht sollte ich dem Markwort deswegen mal auf die Mailbox brüllen …..)

Update (8.4.2012): Ich möchte noch ein paar Dinge ergänzen:

1. Autorisierung von Zitaten: Ich lasse mir grundsätzlich Zitate nochmal zukommen. Bisher habe ich inhaltlich meist selten etwas geändert, jedoch ist mir der Duktus wichtig, also mein Duktus, den nicht immer alle Journalisten wirklich erfassen können. Meist nichtmal aus böswilliger Absicht, sondern aus vielerlei Gründe. Beispiel: Ich habe mal ein Interview bekommen, wo jede zweite Aussage mit „Na, klar!“ anfing – absolut NICHT die Art, wie ich spreche. Ich schrieb also das ganze Ding um (inhaltlich änderte ich im Prinzip nichts) und als ich den Journalist fragte, ob meine umfassenden Änderungen ok seien, antwortete er mit „Na, klar!“ …. Zitate und auch Interviews sind eigentlich nie so, wie man es gesagt hat, sondern zusammengeschrieben von den Journalisten. Das ist auch voll ok, macht es aber für beide Seiten leichter, wenn dann der Zitierte nochmal drüberschaut. Auch finde ich das total selbstverständlich, schließlich legt einem der Journalist im wahrsten Sinne des Wortes Worte in den Mund. Alleine um des Duktus‘ Willen sollte man da nochmal drüber gucken. Zumindest bei den Aussagen, die tatsächlich aus dem eigenen Mund kommen sollen. Und Missverständnisse können auch ausgebügelt werden. Ich finde in dieser Debatte ist es jeweils sehr einseitig: Die Journalisten sind nicht die fehlerfreien Helden/Bösewichte und die Menschen, die gerne die Worte, mit denen sie zitiert werden sollen und wohl ewig assoziiert werden, vorher nochmal abchecken wollen sind auch keine Kontrollfreaks. Es erleichter aber die Arbeit auf allen Seiten! Christopher hat da auch noch sinnvolles zu geschrieben: http://www.christopherlauer.de/2012/04/08/falschzitat/

2. Böse Presse/In die Medien kommen wollen/Wahlkampfgedöns: Es ist doch reichlich bizarr, wenn es heißt, dass zu gewissen Zeiten, gewisse Themen nicht angesprochen werden dürfen. Das finde ich falsch und das sollte bei uns auch nicht anfangen! Ja, wir haben eine Aufmerksamkeit, die sehr groß ist, aber ich denke, dass wir uns nicht zu sehr davon einschränken lassen dürfen.

3. PMs müssen klar zuzuordnen sein und breiter legitimiert werden bzw. Experten müssen mehr eingebunden werden.

Update zu meinem Umgang mit Medien im Vorfeld der BuVo-Wahl (11.4.2012): Medien haben ein Interesse an einer möglichst konsistenten Narrative. Das schließt auch Protagonisten ein, die Wiedererkennungswert haben – besonders, wenn es um (Personen-)Wahlen geht, die einen gewissen Stellenwert in den Medien haben. Einer dieser Protagonisten scheine ich zu sein. Entsprechend bekomme ich Anfragen. Mir ist es wichtig, dass die Partei weiß, mit wem ich spreche und was sie zu erwarten hat. Das ist für mich ein wichtiges Element der Transparenz. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich keine Presseanfragen mehr bis zur  BuVo-Wahl berücksichtigen werde und möchte an dieser Stelle die Partei kurz aufklären, mit welchen Medien ich gesprochen habe und was sie noch zu erwarten hat 🙂 Ich habe mich dabei bewusst entschieden keine interviews und Fernsehautritte anzunehmen.

  • Die ZEIT plant einen umfassenden Artikel über die Piraten und die BuVo-Wahl und die Wahlen und Gedöns. Da könnte es einen O-Ton von mir geben.
  • Ich habe der taz ein Poträt über mich zugesagt, da ich es für sinnvoll halte dem taz-Publikum viele weiblich sozialisierte Köpfe zu präsentieren. Vor allem angesichts der Tatsache, dass das letzte Porträt mit Marina zu einer Homestory verhunzt wurde (habe ich auch nochmal böse kommentiert ;))
  • Die Welt schreibt regelmäßig bis zur BuVo-Wahl über die Wahl, die Partei, etc. und hat ein Set von O-Tönen von mir, die sie dafür einsetzen kann/wird.
  • Die Stuttgarter Zeitung plant einen größeren Artikel über die BuVo-Wahl, mit mir als Aufhänger. Ich bin die erste Frau, die für das Amt kandidiert … das ist sowas wie eine Sensation für manche 😀
  • Mit dem Spiegel Print habe ich gesprochen und mit Spon gibt es noch eine Vereinbarung. Beide Male handelt es sich aber um O-Töne bzw. um größere Storys wo ich ein Randelement bin. Einmal wurde ein Photo von mir gemacht.

Macht und Vorurteil

Update: Viele Kleinigkeiten und eine Ergänzung bei der Analyse über Obrigkeit 🙂

Im Zuge meiner Kandidatur für den Piraten-BuVo (nein, ich sage jetzt bewusst nicht „Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland“ denn diese Formulierung ist Teil des Problems) habe ich mich etwas intensiver und weniger theoretisch mit Fragen und Aussagen rund um den Komplex „Macht“ beschäftigt. Nicht zuletzt, weil mal wieder die altbekannten Phrasen „Kandidaten sind machtgeil“; „xy strebt doch nur Macht an“ und „die da oben“ oder auch „wir hier unten“ und so weiter geäußert werden. Einerseits erschreckt mich das sehr, andererseits ist es ein Ausdruck eines verhafteten Obrigkeitsdenken, das auch in dem netzwerkorientierten und niederschwelligem umkreis des Internets und der entsprechenden Aktivisten noch sehr präsent ist. Das spiegelt sich in der Bewertung von Vorständen, dem Umgang mit diesen, die Einschätzung der eigenen Rolle und der Vorstellung von fähigen Politikern wider.

Die (gedachte) Rolle von Vorständen ist bei der Piratenpartei eine sehr vorbildliche – Vorstände sollen keine politische Führung leisten, sondern eine Infrastruktur schaffen, in der sich die Mitglieder inhaltlich betätigen und Entscheidungen treffen können. Die Piratenpartei ist jedoch noch dabei Prozesse zu entwickeln, wie diese Infrastruktur effektiv gestaltet werden kann. Liquid Feedback steht am Ende eines Prozesses und muss vor allem in Hinblick auf Minderheitenmeinungen weiter konzeptioniert werden. Denn viele Menschen trauen sich nicht ihre Meinung zu äußern, wenn sie sich in der Minderheit sehen. Nein, Minderheitenschutz ist hierbei im Sinne des Parteiengesetzes kein sinnvoller Begriff – es handelt sich nämlich vielmehr um Minderheitenmeinungenschutz und freie Entfaltung und Äußerung einer Meinung. Auch muss es eine breite Diskussion geben, bevor Themen im LQFB spezifiziert werden. Nicht zuletzt braucht es einen Modus, wie die erfolgreichen Initiativen zur offiziellen Parteimeinung werden. Aber das nur am Rande. (Ein Konzept diesbezüglich kommt noch!)

Das grundsätzliche Problem ist die Lücke, die entsteht zwischen bezahlten Politikern und ehrenamtlich tätigen Mitgliedern. Bezahlte Politiker haben immer den Vorteil, dass sie sich rund um die Uhr mit den anstehenden Themen beschäftigen können. Sie gestalten die Grundsatzprogramme konkret aus, bekommen aber eben auch die Macht über die konkreten politischen Entscheidungen, die im parlamentarischen Alltag so anfallen. Diese Lücke zwischen bezahlten und ehrenamtlichen Politikern bzw. politisch aktiven Menschen ist bei den Piraten momentan noch sehr klein, was im Wesentlichen daran liegt, dass es noch nicht viele bezahlte Politiker bei den Piraten gibt. Diese Lücke müssen wir auf Dauer klein halten, die inhaltliche Macht muss bei den Mitgliedern institutionalisiert sein. Klar, wir können vor jedem Bundestagsplenum eine Mitgliederversammlung einberufen … aber das erscheint mir doch recht ineffektiv. Deswegen unterstütze ich auch die Versuche eine ständige Mitgliederversammlung zu etablieren: Das Ziel dieser muss sein, dass die Mitglieder jederzeit die inhaltliche Entscheidungsgewalt für sich beanspruchen können. Das ist die Aufgabe eines Vorstandes in meinen Augen – die Macht bei den Mitgliedern dauerhaft ansiedeln. Die anderen Parteien haben diese Bemühungen schon längst aufgegeben. Lasst uns nicht den gleichen Fehler machen. Denn wenn diese Lücke größer wird, dann verändert sich auch das Verständnis für die Vorstände und Mandatsträger, die bald sogar personell überschnitten sein werden. Auch das sieht man bei den anderen Parteien eindrucksvoll.

Denn zur Zeit sind wir noch in einem alten Denken verhaftet, was dazu führt, dass jeder Mensch, der sich in eine Position wählen lassen möchte (aus verschiedenen Gründen, die hier nicht auseinandergenommen werden sollen) als potentiell mächtig empfunden wird. Entsprechend ist der Umgang mit diesen Menschen. Stuhlgewitter und bösartige Unterstellungen sind die Folge. Sticheleien und Beleidigungen ebenso. Der Job an der vom Parteiengesetz geforderten „Spitze“ der Partei wird zum Höllenritt. Doch: Vorstände haben nur die Macht die wir ihnen zusprechen. Nur solange wir glauben, dass Vorstände und Mandatsträger unendliche Macht haben, haben sie auch welche. Die Lücke zwischen „denen da oben“ und „uns hier unten“ wird nur durch die Vorstellung aufrechterhalten, dass es Menschen gibt, die Macht haben, obwohl wir das nicht wollen. Wir bauen diese Lücke. Aber wenn wir das nicht wollen – wieso gestehen wir ihnen diese Macht dann zu? Liegt es nur an den Medien, die mit einem Menschen ohne Amt oder Mandat nicht reden wollen? Letztlich ist dieser Anspruch der Medien nur ein Symptom dafür, dass die Mehrheit der Menschen in diesem Land immer noch glaubt, dass ein Amt oder Mandat automatisch Macht bringt. Aber nochmal: Macht wird Menschen gegeben. Wir können ihnen die Macht wegnehmen, wenn wir das wollen!

Die Grundvorstellung, dass Vorstände und Mandatsträger automatisch Macht haben führt zu einem komischen Verständnis davon, wie Menschen, die diese Positionen ausfüllen, zu sein haben. Da sie ja Macht haben, angeblich, und somit eine Führungsrolle, müssen sie gewissen Kriterien entsprechen, die jenseits jedweder Realität und Menschlichkeit rangieren. Menschen haben verschiedene Facetten und Eigenschaften, die sich zum Teil bedingen. Jemand, der furchtlos in die Kamera blickt wird wohl kaum stets still und leise im Hintergrund arbeiten. Jemand, der sich über alles so viele Gedanken macht, dass er jede Position in Betracht zieht und durchdenkt, wird schwer eine Frage- und Grillrunde bei Anne Will mit einem Beißhund wie Westerwelle überleben. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, die in einer funktionierenden Gesellschaft notwendig sind. Manche Menschen dienen als Botschafter an der Spitze einer Gruppe, andere machen Orgadinge, wieder andere soziale Flauschung, etc. Jede Position muss gleichwertig sein und als solche behandelt werden. Es ist eine Schande, dass wir Menschen, die „in den Medien“ sind für mächtiger halten, als die Menschen, die die Gesetze schreiben. Wer glaubt, dass die Grüßaugusten die eigentliche Macht haben, hat nicht verstanden, wie Politik funktioniert. Politik ist ein Prozess, in dem jeder eine Rolle hat. Manche exponierter als andere, aber doch jeder in seiner Rolle. Die Vorstellung, dass es eine „starke Person an der Spitze“ braucht ist quatsch und ist neben einer seltsamen Obrigkeitshörigkeit auch wesensähnlich dem strukturellen Antisemitismus nach Adorno. (Wunsch <-> Kampf ==> Elite)

Weitverbreitet ist darüber hinaus die Vorstellung von Politikern, die keinen Schwäche haben dürfen. Als ob sie die nicht hätten! Schnell artet es dann in die Forderung aus, dass Politiker keine Schwäche zeigen dürfen. Doch wieso verlangen wir von jemandem wie Christian Wulff, dass er Schwäche zeigt und Fehler eingesteht, wenn er gelernt hat eben das niemals zu tun. Zwangsneurosen, Minderwertigkeitskomplexe, fehlenden Selbstwert, Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, Selbstzweifel etc. haben wir alle, jeder Mensch irgendwie. Es ist sogar nachgewiesen, dass die Chefs verschiedener Unternehmen zur Zeit hochgradige Störungen haben! Die Menschen, die diese Schwächen offen angehen sind notwendig. Der Glaube, dass Menschen, die in der „Spitze“ agieren stark, fähig und kompetent sind ist die größte Lüge des Hedonismus der 80er Jahre. Zum Glück bin ich ein Jahrzehnt später aufgewachsen.

Wenn wir fordern, dass Menschen, die angeblich Macht haben, diese nicht haben, so erwarten wir Menschen, die keine mehr sind. Diese Forderung entspringt einem tiefverwurzeltem Obrigkeitsdenken. Denn nur wer stark ist, kann mich führen. Ein externes Wesen soll mich führen, mit dem ich mich nicht messen muss, kann. Wie ein Engel. Oder ein von Gott gesandter König.

Und offensichtlich wollen viele Menschen noch geführt werden, fremdbestimmt werden, sehnen sich nach einem Gott, einer Führungskraft (sic!). Aber diese Fremdbestimmung darf nicht von jemanden ausgeführt werden, der genauso schwach ist, wie die Person selbst, die fremdbestimmt werden will – das würde diese ja ad absurdum führen und die Person könnte es ja tatsächlich selbst tun! Die Forderung an Politiker „stark“ zu sein wird gleichgesetzt mit der Forderung die Meinung nicht ändern zu dürfen und jederzeit das zu verteidigen, was sie bisher getan haben. Das ist jedoch ein wesentliches Problem in unserer heutigen politischen Landschaft. Beispiel Renate Künast, die sich vorbildlich diesbezüglich zeigte im Berliner Wahlkampf und danach: Bis heute hat sie öffentlich ihre Fehler (die dazu geführt haben, dass viele Grüne in Berlin die Piraten wählten – frei nach dem Motto: So werden wir die los! Danke für 3% extra!) nicht eingestanden, ihre Linie bekräftigt und den Grünen damit nachhaltig geschadet. In der CDU funktioniert das, bei den Grünen nur bedingt. Zum Glück.

Wir schaffen Machtverhältnisse, in dem wir staatstragende Begriffe entwickeln (siehe eingangs) glauben, dass es etwas Tolles ist mit einem Bundesvorstand Zeit zu verbringen (oder aber mit berühmten liberalen Datenschützern über deren Begegnung man dann so rumprahlt, dass alle Menschen sonst was denken …) und verlangen von gewählten Vertretern, dass sie unsere Rettung sind bei all den kleinen Problemen, die wir in der täglichen politischen Arbeit haben. Es gibt kein „die da oben“ es gibt nur uns und wir dürfen uns nicht verführen lassen uns unsere Selbstbestimmung abnehmen zu lassen. Niemals.

Das ist mein Verständnis von Politik und Vorstandsarbeit. Das ist meine Quest, mit euch und mir selbst. Ich bin nicht die richtige, wenn ihr jemanden wollt, der euch sagt wo es lang geht. Ich will euch nur eine Struktur geben, mit der ihr das selbst rausfinden könnt.

Deswegen ist meine Parole als BuVo-Kandidatin: Ich bin nicht eure Mutti. Und werde es auch nie sein. Lebt selbstbestimmt und gebt Menschen keine Macht, wenn ihr das nicht wollt!

Feminismus und Piraten

Seit ich meine Kandidatur bekannt gegeben habe ist ein Aspekt meiner Persönlichkeit wieder mehr in der Debatte vertreten: Feminismus. Leider gibt es sehr viele Unterstellungen und Missverständnisse, die ich hier einmal addressieren möchte.

Warum nenne ich mich Feministin?
Ich habe mich lange gegen den Begriff gewehrt, weil ich nicht verstand, worum es dabei geht. Frauen sind doch rechtlich gleichgestellt. Die großen Kämpfe haben wir doch hinter uns! Wieso kriegen die Frauen den Arsch nicht hoch und nutzen ihre Vorteile? Männer sind doch auch oft Opfer von Frauen! Die Liste an Argumenten geht ewig weiter. Doch spätestens, als ich während meines Shitstorms wegen des Spackeriainterviews merkte, wie sexualisiert und frauenfeindlich viele der Aussagen waren („Die soll putzen, nicht reden.“ – „Die muss man mal ordentlich durchnehmen“ – „Das passiert, wenn man Frauen wählen lässt“ etc.), beschäftigte ich mich intensiver mit Feminismus. Ich begann feministische Twitterstreams zu verfolgen. Und mit diesem Tweet begann alles Sinn zu machen: https://twitter.com/#/antjeschrupp/status/48075623335337984

JA! Genau, eine Analysekategorie! Natürlich! Es geht nicht um Zementierung von Geschlechterrollen oder Kampf gegen Männer oder Frauenförderung – das sind Seiteneffekte. Es geht um die Analyse der Geschlechterdifferenz. Also für mich. Und genau das ist auch mein Feminismus: Was ist biologisch, was sozialisiert? Kann man das trennen? Wieso reproduzieren sich Jahrhunderte alte Muster? Wieso denken wir, dass ein Kind zur Mutter gehört und nicht zum Vater? (Ich meine ja, dass Kinder Liebe, was zu essen und jemanden der ihnen den Arsch abwischt brauchen, aber gut…) Welche Eigenschaften werden Männer bzw. Frauen zugeschrieben? Inwiefern werden sie in Muster gesteckt, nur weil sie ein biologisches Geschlecht haben? Wo kommen die Klischees her? Wie sehen Rollenerwartungen aus, die an mich gestellt werden, nur auf Grund meines Geschlechts? Die Frageliste ist ewig und von mir noch lange nicht beantwortet. Noch lese ich viel dazu, habe mir zu einigen Fragen Antworten bilden können und verstehe nun sehr viel besser, was gegenwärtiger Feminismus ist und wieso er wichtig ist. Und er ist wichtig, denn Gleichstellung der Geschlechter haben wir noch lange nicht. Fürsorge liegt immer noch zu 3/4 in weiblicher Hand, ebenso wie 3/4 der Männer die Ernäherrolle spielen müssen, egal, ob sie die wollen. Männer sollen zum Bund, sollen stark sein und „harte Kerle“, während Frauen „weich“ und „lieb“ sein sollen. Und wenn sie es nicht sind, werden sie sozial bestraft. Häusliche Gewalt ist immer noch „normal“ und in den USA fangen sie sogar an die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper wieder einzuschränken. Und Frauenrechte sind außerhalb von Europa immer noch eine riesige Katatstrophe! Und ja, ich will mich für diese Frauen einsetzen und ihnen ermöglichen, was ich ermöglicht bekommen habe! Und darum geht es bei meinem Feminismus: Diese Stereotype aufbrechen, die eine freie Entfaltung verhindern, die Gewalt produzieren und Menschen unterdrücken. Denn Ideen beherrschen Menschen. Und die Idee der binären Geschlechter, die gewisse Rollen zu erfüllen habe, ist eine der destruktivsten!

Die Wege sind vielleicht manchmal widersprüchlich, aber unser aller Ziel muss es sein, dass sich jeder Mensch frei entfalten kann – unabhängig von Druck und Zwang durch gesellschaftliche Vorstellungen, die auf den Chromosomen basieren. Denn das steht in unserem Grundsatzprogramm. (Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass die Partei nicht genau weiß, was sie damals in Chemnitz verabschiedet hat!)

Und natürlich nenne ich mich Feministin, weil Feministinnen dafür gekämpft haben, dass ich die (wie auch immer gute/schlechte) Chance habe Parteivorsitzende einer der größten Parteien in einem G8-Land zu werden. Alleine, dass ich dafür kandidieren darf ist ein unendlich epischer Gewinn im Vergleich zu vor 100 Jahren! Um es mit den Worten Hanna Beitzers zu sagen: Ich danke den Feministinnen jeden Tag auf Knien „dafür, dass Frauen heute in Deutschland Universitäten besuchen dürfen, dafür, dass sie wählen dürfen, dafür, dass sie auch ohne die Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten dürfen, dafür, dass sie nicht mehr automatisch als Mündel des Gatten gelten, dafür, dass Vergewaltigung in der Ehe heute eine Straftat ist.“ Und ja, ich nenne mich Feministin, weil ich denke, dass Feminismus „ein Kampf für Freiheit, für Gleichheit und für Gerechtigkeit“ ist. http://www.sueddeutsche.de/politik/genderdebatte-in-der-piratenpartei-die-piraten-leiden-unter-feminismus-paranoia-1.1303473

Und ich finde, dass eine Partei, die sich Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat den Feminismus als positiven Freiheitskampf anerkennen sollte! Natürlich geht in so einem Freiheitskampf mal was schief. Ich meine, was haben wir Piraten schon alles dämliches gesagt, getan, gefordert? Freiheit ist unser Ziel, wieso bekämpfen wir eine Freiheitsbewegung? Und ist jede Aussage einer selbsternannten Feministin repräsentativ? Mir fallen da ein paar Piratensprüche ein, bei denen wir uns regelmäßig verwehren, dass die als repräsentativ wahrgenommen werden!

Auch halte ich an dem Begriff fest, weil er eine Tradition, eine Geschichte hat, die wir in der ganzen Fülle akzeptieren sollten. Piratenpartei war lange auch ein doofer Name. Aber wir haben ihn mit Leben gefüllt. (Und wenn ihr euch nicht Feminist nennen wollt ok, nennt euch von mir aus Equalist oder Tralilü. Solange ihr euch mit den Themen beschäftigt und die Probleme des Sexismus ernst nehmt ist mir das wirklich komplett egal. Aber bitte hört auf Feminismus per se als etwas schlechtes zu bezeichnen, wenn ihr nicht wisst, was die Person, die sich so nennt, damit verbindet.) Und ich will auch keine männlich sozialisierten Menschen diskriminieren, im Gegenteil. Ich verstehe unter Sexismus die Festlegung auf Rollenmuster. Das gilt für männlich sozialisierte Menschen genauso. Ich sehe, dass männlich sozialisierte Menschen als Hausmann und Väter eine wahnsinnige Diskriminierung erleben, dass sie zum Bund müssen und früher sterben. (Was aber auch an der Ernährung liegen kann. Was aber auch wieder Rollenklischees sind …)

Ja, das ist ein Problem, was aber auch darauf basiert, dass weiblich sozialisierte Menschen als „weich“ und „schwach“ stigmatisiert werden. Sexismus ist eine grundsätzliche Art und Weise die Gesellschaft wahrzunehmen, nämlich: Biologistisch. („Typisch Mann, die können nichts dafür, dass sie so sind“ oder „Männer sind nicht gefühlvoll, ist halt so“ sind für mich ebenso Sexismus wie „Frauen und Technik! :rolleyes:“) Es geht bei dem Thema um viel mehr, als nur „Wieso sind so wenig weiblich sozialisierte Menschen in DAX-Vorständen?“ Es geht auch darum: Wieso gibt es so wenig männlich sozialisierte Menschen in der Fürsorge? Wieso sind so wenig männlich sozialisierte Menschen Hausmann und Vater? Wir haben es in den letzten 40 Jahren geschafft weiblich sozialisierte Menschen Stück für Stück aus der traditionellen „Privaten Sphäre“ zu bringen, haben aber vergessen, dass wir die „Private Sphäre“ auch für männlich sozialisierte Menschen öffnen müssen. Dafür müssen wir gängige Geschlechterklischees bekämpfen, Männer als Vater denken und Frauen als Chefin. Und generell sollten wir die Kategorien „männlich“ und „weiblich“ abschaffen – aber das geht nicht durch Augen und Ohren schließen und „lalala“ brüllen.

Jeder von uns muss sich darüber bewusst werden, welche Eigenschaften er Menschen zuweist, nur weil sie vermeintlich Penen oder Vagen haben! Jeder von uns muss sich hinterfragen. Und manchmal sind wir halt Sexisten. Solange wir wissen, dass es sexistisch ist und eigentlich doof, ist alles ok.

Das Gleiche gilt im Prinzip auch für Rassismus. Nur mit Herkunft statt Geschlecht und anderen Rollenzuweisungen! Siehe auch: http://juliaschramm.de/2011/10/30/wahrheit-und-normen/