Freunde und Gefälligkeit

Ich versuche mich mal an Sensibilität: Der Text hat wohl bedingt Triggerpotential. Also nicht so schlimm, aber bestimmt aufwühlend, vielleicht. Ist ja schnell so, bei Themen, die Liebe und Sexualität, Intimität und Verletzungen betreffen. Außerdem neige ich zu unangemessenem Zynismus und betreibe auch bei diesen Themen gerne Satire. Also so fyi für die unter euch, die sich angegriffen fühlen könnten oder die Angst vor zu hohem Blutdruck haben 🙂

Trotz meines erholsamen Social Media Urlaubs kriege ich ab und an noch mit, was bei euch da so läuft. Und der heiße Scheiß scheint zur Zeit die Debatte um die „Friend-Zone“ zu sein. Ich habe mich also entschlossen dazu zu bloggen. Warum? Nun, ich bin Täterin, Opfer, Beobachterin, Kritikerin. Ich kenne die Friend-Zone, die Meme und die „Wahrheit“ dahinter. In und auswendig. Glaube ich. Da ich aber Nihilist bin und fehlbar: Ergänzt doch bitte in den Kommentaren.

Vorweg: Viel zu viele Menschen lassen sich viel zu lange scheiße behandeln. Und ja, wenn jemand verliebt ist und der andere nicht entsteht ein ungleiches Machtverhältnis (was es ja auch eh immer gibt eigentlich, aber … wisseschon ^^) zu Gunsten der nicht-verliebten Person. Das ist unabhängig vom Geschlecht. Es äußert sich lediglich anders, da unsere sexistische Gesellschaft sich der Kodierung unterwirft: Frau(tm) will Liebe und Status, Mann(tm) will Sex; das führt dazu, dass alle glauben, es sei normal, dass Frauen sich sexuell ausbeuten lassen und Männer alles tun, um sexuell befriedigt zu werden. Konkrete Klischees, die wir alle kennen und die sich auch in Mem-Form im Netz weitertragen sind z.B. „Sie ist verliebt und er ruft sie nur an, wenn er „Druck“ hat und nutzt sie sexuell aus = Er ist verliebt und sie ruft ihn nur an, wenn sie nachts um drei vom Bahnhof abgeholt werden will.“ Dahinter steht, dass die gesellschaftliche Erwartungshaltung an den Mann(tm) mit einer Form von Unemotionalität verbunden ist. Emotionalität wird mit fehlender Stärke und Durchsetzungskraft gleichgesetzt, Schwäche zeigen sanktioniert. Er hat also potentiell zu verlieren, wenn er sich verliebt, so die urbane Legende. Die gesellschaftliche Erwartung an Frauen(tm) dagegen ist, dass sie rein, schön und weich sein sollen. Der in unserer Kultur  oftmals als brutale  dargestellte Akt des Sexuellen ist eine Ausübung der Macht, derer sich die Frau entziehen muss außerhalb eines definierten Rahmens. Anderes wird sanktioniert. Sie hat also was mit ausgelebter Sexualität zu verlieren, so die urbane Legende. Und aus ganz bizarren, hier wohl kaum erläuterbaren Gründen, nehmen die Menschen diese Bilder an und entsprechen ihnen. Ich schiebe es mal ganz locker auf Hollywood, ha!

Das fatale Missverständnis jedoch: Männer denken die Frauen haben es besser und andersherum. Dabei sind die Situationen schon mit einer anderen Wertigkeit belegt, da sie in einem sexistischen, binären und heteronormativem System verankert sind.

[Dass hier Menschen außerhalb des binären, heteronormativen Systems meistens rausfallen ist zusätzlich problematisch, da sie gesellschaftlich sanktioniert werden, wenn sie diesen oben genannten Kodierungen nicht entsprechen. (Homosexualität wird dann z.B. sogar zum Kampfbegriff innerhalb der gesellschaftliche normierten Vorstellung ==> „Was weinst du denn du Sissi!“)]

Zurück zum Schwerpunkt des Textes: Friendzone (Die in meinen Augen ein Phänomen meist sehr junger Menschen ist. Oder gibt es Opi-Friendzone-Meme? :D)

Als Täterin kann ich sagen: Es ist eigentlich nie so, wie es in den Memen dargestellt wird. Meistens sind Frauen viel zu unsicher, um zu glauben oder zu merken, dass ein Typ in sie verliebt ist. Sie denken vielmehr, dass er sie mag und geben ihm oftmals noch Tips und wollen ihn unterstützen. Klar gibt es auch die Fälle, die sabotieren und intrigieren, aber das sind meistens die, die am unsichersten sind. Teil der Unsicherheit ist eben auch, dass eine sexuelle Beziehung in Kombination mit Gefühlen zwar angestrebt, jedoch nicht umgesetzt werden kann.  Und da ist eine Beziehung, die jeweils nur eins abdeckt etwas leichter. Außerdem werden Dinge projiziert, die Unsicherheit dominiert das Verhalten, ebenso wie ERWARTUNGEN (btw. Eins kann ich euch sagen: Erwartungen machen alles kaputt. Alles. Kein Witz. Keine Erwartungen und die Beziheung wird glücklich sein.) und ein gesunder, leichter Umgang mit Gefühlen und sexueller Neugier ist unmöglich. Ich befürchte, dass das in den letzten 30 Jahren noch krasser geworden ist – täglich umgibt uns die Doktrin: Du musst schön, schlau, reich und dünn sein – sonst KANNST du niemals Sex haben oder geliebt werden NIEMALS! Ja und dann biste ein Mädchen mit Brille und drallem Körper und denkst dir: Klar, wie soll man mich denn mögen? Dass ein Junge, mit dem du dich gut verstehst, der gerne mit dir Zeit verbringen will, dich eigentlich nackt sehen will – ehrlich: Das begreifen 90% der Frauen in ihrem Selbsthass nicht. Ich habe lange gebraucht, bis ich begriffen habe, was da abgeht. Und mittlerweile vermeide ich solche „Freundschaften“, denn ES SIND KEINE!

Womit wir bei dem Thema wären, was viele Feministinnen ZU RECHT beklagen: Der Umgang mit Frauen, die Männer ablehnen. Und die moralische Integrität der Männer, die sich bitterlich über die bösen Frauen(tm) beschweren.

1. Nein heißt nein. Die Vorstellung, dass man nur lange genug betteln muss, damit es klappt ist respektlos. Ich habe mehr als einmal erlebt, dass Männer laustark ihre „beste Freundin“ anbettelten, doch bitte mit ihnen zu schlafen. Ja, richtig, Plural. Einfach so! Das sei doch kein Akt! Mal schnell ficken. Liebe Leute: Das ist widerlich.

2. In diesem ganzen Diskurs werden klassiche Frauenstereotype bedient, die einfach nur frauenfeindlich sind: Die Frau ist die kalte, berechnende Hexe, die ihre Gefühle und Sexualität komplett unter Kontrolle hat und sie nutzt um den Mann, der ja ausgeliefert ist angesichts der Schönheit der Frau, zu manipulieren, auszunutzen, in den Ruin zu treiben. Auch werden alte Konzepte ausgegraben, die auf die aktuelle Situation angewendet werden: Die katholische Ehe muss vollzogen werden – die Freundschaft auch? Frauen werden wiederrum nicht als handelnde Subjekte wahrgenommen bzw. akzeptiert. Jetzt kann man sagen: wenn es immer diese Klischees gab, es immer so war, dann wird es wohl wahr sein. Oder eben: Really? Wir sind darüber immer noch nicht hinaus? Sad world.

3. Frauen(tm) lernen meistens nicht Konflikte auszutragen, weil sie mehrheitlich als „Weibchen“ erzogen werden, dass nicht widersprechen soll. So und von denen wird jetzt verlangt, dass sie die Menschen aus ihrem Leben streichen, die sie am liebsten mögen. Und das auch noch aktiv? Das ist ein Ausbruch aus der Verhaltensrolle, der echt schwer ist und nicht allen gelingt. Vor allem, wenn der betroffene Typ vielleicht tatsächlich der einzige echte Freund ist, was ich auch schon sehr oft gesehen habe. Also gefühlt, weil er ist ja kein echter Freund. Sonst würde er nicht schreien „SCHLAF‘ MIT MIR!“

4. Es ist recht „normal“, dass Männer(tm) dazu neigen, die Frauen zu beschimpfen oder fertig zu machen, wenn es keine sexuellen Kontakte gibt. Meist werden die gemeinsamen Freunde gegen die Frau manipuliert. Der Freundeskreis wendet sich von der „Hexe“ ab. Oder manchmal wird es auch ganz offen kommuniziert: „Du Schlampe!“ oder auch beliebt subtile Andeutungen, die ziemlich deutlich machen, dass es nicht um Freundschaft geht, sondern dass der Typ einen nur als Loch betrachtet, nicht als Mensch. Zitat „Solange ich noch eine Chance sehe, dass du mich ranlässt, bin ich nett zu dir.“ (Post-Privacy-Note: Ich hatte einmal was mit meinem damaligem „besten Freund“ – nicht ganz klassischer Nice Guy, aber bisschen – und irgendwann meinte er: „Du bist mein größter Triumph.“ Aufgestanden, gegangen, nie wieder mit einander geredet. Und ich kenne zahlreiche Geschichten in die Richtung.)

Interessant dazu und mit vielen wichtigen Punkten, wenn auch gerantet: https://puzzlestuecke.wordpress.com/2012/01/11/nein-heist-nein-oder-friend-zone-my-ass/

So, als Betroffene kann ich sagen: Es suckt. Meine Güte, war ich in den Typ verliebt und der wusste das, glaube ich! Der Sack! Und benutzte mich als Kummerkasten für seine Verflossene. Ewig hat er mir von der Alten erzählt! [Notiere: Ich fragte auch immer nach ;-)] Und er wollte auch keinen Sex (was mich in der Annahme bestätigte, siehe Analyse oben, dass er ja dann Gefühle haben müsste!). Er hat mich emotional ausgenutzt. Aber: Ich habe ihn konfrontiert, er hat mir einen Korb gegeben und ich habe mich anderem zugewandt. Du kannst andere nicht ändern, nur dich selbst, also krieg den Arsch hoch 😉

Als Beobachterin, Standardkummerkasten für die Nerds und Mr. Nice Guys (weil abgesehem vom Jammern, sind das gute Leute :)), kann ich sagen: Ja, ich habe die Frauen(tm) auch gehasst, die meinen Freunden Hoffnungen zu machen schienen, die sie ausnutzen für ihre Ego-Trips, etc. Ja, mir taten meine Freunde leid. Aber irgendwann … nun, ging ich dazu über, (wie auch bei Freundinnen!) zu sagen: „Wenn sie dich nicht will, dann get the fuck over it! Entweder du wirst so, wie sie dich will, oder du hälst die Klappe.“ Ja und sorry Jungs, aber so ist es.

Zur echten Kritikerin der Frauen(tm), die Männer(tm) so „behandeln“ wurde ich, als ich Frauen(tm) sah, die es wirklich ausnutzen, die in ihrer schieren Unsicherheit Typen zu Hündchen erzogen. Mit allem drum und dran: Emotionaler Erpressung, Manipulation, Lügen, ab und an mal bisschen sexuelle Handlungen, wie Küssen oder eine Brust anfassen (KEIN WITZ!). Mein Problem dabei ist darüber hinaus auch etwas vielfältiger: „Diese Frauen“(tm) haben sehr wenig Selbstwert und suchen sich Anerkennung über die emotionale Offenbarung von Männern(tm). Da entstehen dann so bizarre Unterhaltungen wie: „Ich liebe dich! Ich weiß es, ich will mit dir zusammen sein“ – „Nein, du bist nicht in mich verliebt, du denkst das nur, weil du irgendeine Frau brauchst …“ Das groteske daran: Beide haben recht! Nicht nur liebt er sie wahrscheinlich wirklich in seinem Empfinden, vielmehr liebt er wahrscheinlich wirklich nur ein Bild von ihr bzw. betrachtet sie als Loch. Eigentlich sollten beide sagen: Ey, das macht hier keinen Sinn mit uns. Aber: Diese Beziehungen bestehen aus sehr krassen Abhängigkeiten. Sie braucht ihn genauso wie er sie. Darüber hinaus neigen diese extremen Beispielfrauen(tm) auch dazu, andere Geschlechtsgenossinnen per se als Konkurrenz zu betrachten, Solidarität zu anderen Frauen fehlt komplett – so dass die Abhängigkeit von der Gunst steigt, das eigene Selbstwertgefühl nur auf dem Begehren des Mannes basiert. Auch leider ein Phänomen, dass uns die Kultur vermittelt: Frauen(tm) sind nur ein Produkt des Mannes, seine Rippe … aber genau das ist eben der Kampf des Feminismus:

FRAUEN (TM) ALS HANDELNDE SUBJEKTE BETRACHTEN!

12 Antworten auf „Freunde und Gefälligkeit“

  1. Liebe Julia,… genial gemacht! Zumindest der Titel.
    Magst Du den Inhalt überarbeiten und weniger Klischees KTG-en? Oder einfach bitte nen neuen Schreiben.. Umwerfend spannend – und diesmal wirklich:
    Was ist TM? Bei Frau, bei Mann?

    Wer hat die Macht – vor oder nach der Nacht?
    Kann postsexistisch auch postKoital funktionieren?
    Ich denke – nur mit Liebe! und das hieße für mich, daß Männer mit dem Herzen Hören, wie Frauen sich und ihre Welt in sich neu finden….
    oder was bitte meinst Du?

  2. Wow, danke, das hab ich gebraucht nach dem grauenvollen Blog von puzzlestuecke. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste mein Projekt „Dem Feminismus einfach mal zuhören“ wieder aufgeben 😉

    Eine Sache gefällt mir aber nicht. Du schreibst:

    Wenn sie dich nicht will, dann get the fuck over it! Entweder du wirst so, wie sie dich will, oder du hälst die Klappe.

    Get-over-it ist gut – der Rest ist schlecht. Wenn Du einem erfolglosen Nice-Guy sagst, er soll so werden wie sie ihn will, wird er in vielen Fällen anfangen, sich für sie zu verbiegen (Stichwort Erwartungserwartung), was ihm – selbst wenn sie dann auf einmal Ja sagt – emotional eher schaden wird. Die Alternative, man solle die Klappe halten, wirkt auf den Durchschnitts-Nice-Guy noch mehr verunsichernd.

    Besser wäre der Rat, sich zu emanzipieren. Dann wird nämlich das Get-over-it viel einfacher und der Nice-Guy wird imho auch noch insgesamt attraktiver für die Frauenwelt. Meiner Erfahrung nach versteht der typische Nice-Guy die Sache mit der Emanzipation am besten, wenn man ihm sagt: „Sei die beste Version Deiner selbst!“ – Wenn man es auf „Sei Du selbst!“ beschränkt, geht es oft schief, weil der Nice-Guy sich ja mit seinen Unsicherheiten identifiziert. Er hat dann keinen Grund, die Unsicherheit zu überwinden oder seine liebgewonnenen Rationalisierungen zu reflektieren.

    Das neue Design (insbesondere das Bild) wirkt übrigens viel reifer. Macht sich gut =)

  3. Oder manchmal wird es auch ganz offen kommuniziert: “Du Schlampe!”

    Wie wahr, wie wahr.

    Da gibt es doch den schönen Spruch: eine Nutte ist eine Frau, die mit allen schläft; eine Schlampe ist eine Frau, die mit allen ausser mit dir schläft.

  4. Hallo Julia,

    das ist mal wieder eine sehr interessanter Beitrag. Ich habe hier das erste mal von diesem Phämomen namens Friendzone gehört. Meine erste Reaktion war erst mal Ablehnung des darin zum Ausdruck gebrachten Frauenbildes. Nachdem ich den Rant gelesen habe, und mir die darin verlinkten Bilder anschaute kam in mir aber doch eher Amusement auf. Tucholsky gebrauchte das Bild von dem leicht lächerlich Anmutenden balzenden Männchen der Gattung Mensch. Das gilt natürlich auch für das abgewiesene balzende Männchen. Natürlich ist das nicht die beste Seite des Menschen, die dort zum Ausdruck kommt. Und natürlich ist es richtig, diesen, zumeist jungen, Männern klar zu machen, dass sie auf dem Holzweg sind. Aber diese aus der Enttäuschung geborene Frustration und ihre Aggressionen dadurch Aufzuwerten, dass man sie ernst nimmt, verstehe ich nicht. Ratgeber zu dem Thema sind bescheuert, aber auch nicht dämlicher als Ratgeber zu anderen Beziehungsthemen, in denen jemand die Enttäuschung und Unbedarftheit abgewiesener verliebter ausnutzt um sich selbst darzustellen. Ich finde deine Reaktion mit “ get over it“ schon ganz richtig. Allerdings:
    Was soll das denn bitte für eine Beziehung sein, in denen sich der eine Teil an die Wünsche des anderen so sehr Anpassen muss? Und zwar ganz egal welchen Geschlechts die Partner sind. Das geht dann schon sehr in Richtung sexualisierte Gewalt. Wenn ein Teil der Beziehung in einer solchen Machtposition ist, dann kann man wohl kaum noch von Partnerschaft sprechen. Natürlich gibt es immer einen starken und einen schwächeren Teil, dass ist einer guten Partnerschaft aber nicht immer derselbe Partner.
    Ansonsten gilt wie so oft:
    Diese ganze Kiste mit der Friendzone erledigt sich wahrscheinlich am schnellsten, wenn man die Reaktion zeigt, die solch eine kindliche Trotzreaktion bei Erwachsenen am ehesten verdient: Man lache sie einfach aus!
    Peter

  5. Das Phänomen ist aber vor allem bei sehr jungen Männern verbreitet beziehungsweise Jungs nicht Männer.Die Situation ist von allen Seiten scheiße. Nur ist es in den meisten Fällen nicht auf böse Machenschaften zurückzuführen, sondern schlicht und ergreifend auf mangelnde Erfahrung (woher auch mit 12/13/14?) und die gute alte Pubertät. Da sollte man mit Vorwürfen wie Seximus vorsichtig sein. Die Kombination wildgewordene Hormone plus verletzte Gefühle ist fies und hat schon so einige in den Selbstmord getrieben. Da wird nicht nachgedacht, ob es vielleicht gemein oder falsch ist die Frau als Schlampe zu beleidigen. Vielleicht einfach mal in die Menschen hineinversetzen und was eine Kränkung hervorruft. Und von einem 13jährigen erwarte ich ganz ehrlich noch nicht diese Art Reflexion.

    Nicht zu vergessen unsere Erziehung, die eben nicht nur wie du schreibst alte Rollenklischees födert. Es ist eben genau umgekehert. Woher kommt denn die „Generation Weichei“ wie sie gerne genannt wird? Erzogen von einer Generation Frauen, die Männern die Männlichkeit aberzogen haben und sie zu den „Nice Guys“ gemacht haben, die denken mit nett sein bekommt man Sex. Einer Generation Jungs, die keinerlei männliche Vorbilder im Bildungssystem mehr haben. (Frag mal Mütter, ob sie gerne einen männlichen Betreuer im Kindergarten hätten; die Hälfte ruft sofort die Polizei)

    1. das ist kein hauptsächlich pubertäres problem. seiten wie the-niceguy.com (bin mir nicht sicher über die schreibung, ist aber bestimmt über google zu finden) werden nicht von 13-jährigen betrieben, sondern von 20- oder 30-jährigen. und ja, von denen kann man das erforderliche maß an selbstreflexion erwarten.

      und wo wir beim „einfach mal in die menschen hineinversetzen“ sind: sowohl die nice guys als auch die einfach pubertätsgeplagten jungs können sich auch gerne mal in die andere seite hineinversetzen, als „kumpelmädchen“ (so nenne ich einfach mal die entsprechung des nice guys auf der weiblichen seite) hat man’s nämlich auch nicht leicht oder schön, wie ich aus eigener erfahrung sagen kann. ja, hoffnungen und erwartungen zu haben und sie nicht erfüllt zu bekommen tut weh, ja, abgewiesen werden tut auch weh, und JA, solche erfahrungen werden von allen menschen, egal welches geschlecht, gemacht, nicht nur von männern. das sollte rein rational eigentlich klar sein, aber mancher scheint da ja ein ernsthaftes problem mit zu haben.

      die „generation weichei“ den frauen in die schuhe zu schieben ist übrigens ein herrliches beispiel für beliebten „ich übernehme doch keine verantwortung, nein nein“-bullshit. männer werden also nur nett, wenn man ihnen die männlichkeit aberzieht, weil männlich sein und nett sein sich ausschließt? aua. ich bin der meinung, dass väter ihren söhnen auch beibringen können, dass nicht-scheiße, aka nett sein zu anderen menschen wichtig ist. und dass gleichzeitig nett UND männlich sein möglich ist. alles andere wäre einfach sehr, sehr traurig.
      (nice guys glauben übrigens nicht, dass man für nett sein sex bekommt, sie glauben, dass man für arschlochsein sex bekommt, aber fairerweise für alles sex bekommen sollte: für nettsein, für gutsein, für gestreiftsein. weil… sex, darum gehts doch! immer! die ganze zeit! warum sind frauen so doof und haben kriterien für sex, die sollen doch einfach nur sex haben!) (vorsicht, da war jetzt ironie drin.)

      und dass die jungs keine männlichen vorbilder im bildungssystem haben (mädchen brauchen übrigens auch männliche gegenüber in erziehung etc., das nur so am rande) ist NICHT die schuld der frauen. frau hat nicht den bereich der kindererziehung an sich gerissen und bestimmt, dass es so wenige männliche erzieher wie möglich geben darf. es sind die männer, die nicht in pädagogische berufe gehen. und warum tun sie das? weil die gesellschaftliche prägung sagt „ach was, männer in pädagogischen berufen. das ist aufgabe der frau, die bringt die kinder ja auch zur welt. erzieher werden ist voll schwul, voll unmännlich. und wenn man pech hat will der mann auch nur mit kindern arbeiten, weil er auf kinder steht. also, grundschullehrer wäre ja gerade noch okay, aber eigentlich sollten männer erst ins spiel kommen, wenn es nicht mehr ums pädagogische, sondern ums intellektuelle geht, also an der weiterführenden schule oder so. das ist dann wieder ne angemessene männliche tätigkeit.“ diese gesellschaftliche prägung ist btw sowohl bei frauen als auch bei männern drinne. und so selbstverständlich, dass sie meist gar nicht hinterfragt wird.

  6. Netter Artikel, aber das mit der Emanzipation ist ziemlich schwierig. Selbst ein reflektierter und sublimierter sexueller Drang ist, in Verbindung mit sozialem Druck, nunmal einfach vorhanden und will ausgelebt werden, sonst kommt es zu unschönen Verbiegungen.Klar, es gibt verbindliche Regeln, und du bist auch auf schwierige Aspekte wie emotionale und soziale Manipulation eigegangen, aber vieles ist noch offen.
    Die Frage, welches „Nein“ ein Nein ist, ist trivial: jedes. Aber welches „Ja“ ist ein Ja? Sind angeheiterte Mädels in Bars akzeptable targets? Solche, die gerade emotional angeschlagen sind? Ist eine halbwegs realistische Weltanschauung und eine gewisse Eigenständigkeit ein Garant für eine Beziehung auf Augenhöhe?
    Das gleiche gilt natürlich genauso für Jungs(tm), auch wenn ich da noch nicht so viele von den Problemen mitbekommen habe und vieles schlicht unterschätzt. Das Gegenüber als emanzipiertes, handelndes Subjekt wahrzunehmen, ist eine gefährliche Sache. Manche sind es schlicht nicht und wollen dazu gemacht werden. Es kann grausam sein, in einem solchen Fall ein „Ja“ für ein Ja zu halten und man sollte im Zweifel erst mal für Emanzipation sorgen, ehe man sie vorraussetzt.

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