Die ZEIT und Fremdschämen

Liebe ZEIT,

wie ich durch Zufall erfuhr, bin ich in der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT unter dem sogar recht witzigen Titel „Liquide Spießer“. Leider berichten sie nicht über meine politischen Ziele (BGE oder Transparenz, aber auch Außenpolitik), wie man das im Politikteil erwarten würde, sondern über meine Verlobung. Damit reihen sie sich in eine Berichtesequenz ein, die der ZEIT meiner Meinung nach nicht würdig ist. Vielleicht bin ich auch einfach naiv, dass ich die ZEIT bisher noch zu den seriösen Medien gezählt habe. Nun gut – wer Öffentlichkeit sucht, findet sie auch. Damit habe ich kein Problem. Mit ihrer Prioritätensetzung allerdings schon.

Auf Twitter schrieb ich über den Antrag – klar erkennbar, und vor allem in dem Bewusstsein, dass meine Twitterfollower, allesamt mir ans Herz gewachsen, sich mit mir freuen, was sie auch getan haben. Garantiert nicht in dem Bewusstsein, dass die ganze Canaille, äh Journaille sich darauf stürzt. Natürlich gibt es auf Twitter immer Menschen, welche die eigenen Entscheidungen ablehnen – aus welchen Gründen auch immer. Ich werde mich auch zu meinen Beweggründen nicht weiter äußern und bin immer noch verwundert über das Medieninteresse. Mir schwant gerade, wieso Menschen wie Simone de Beauvoir oder auch Angelina Jolie und Brad Pitt nicht heiraten wollten bzw. wollen. Bei so einem lächerlichen Getue ist es kein Wunder. Dass die Bild darauf anspringt und die BZ – geschenkt. Auch die WELT und die Morgenpost verwundern mich nicht. Aber die ZEIT?

Nun, ich hatte ja auch zu Beginn mit der BZ gesprochen, die mich anrief. Den Schwerpunkt hatte ich dabei auf die Proteste in Ungarn gelegt. Wir waren schließlich als Protest gegen die neue Verfassung des Regimes Orbans über Silvester in Budapest. Ich hoffe ihren Redakteuren ist gewahr, was in diesem Land passiert. Also hoffte ich das Thema zu promoten, deswegen sprach ich mit dem Redakteur. Leider berichtete die Journaille schwerpunktmäßig über die Verlobung – natürlich, wie ich es mir auch hätte denken können. Dennoch erwähnten sie zumindest in einem Nebensatz die Reise und den Anlass. Wenigstens das. Auch erwähnte die Bild, dass wir das Ehegattensplitting ablehnen und keine kirchliche Hochzeit planen. Wenigstens wurden ein paar Inhalte vermittelt.

Was ich in der ZEIT jedoch lesen muss, schlägt dem Fass den Boden aus. Ich schäme mich lesen zu müssen, dass das einzige Problem in diesem Schauspiel ist DASS MEIN RING ZU BILLIG IST.

  • Es ist ein Problem, dass in diesem Land immer noch nicht alle Menschen eine voll akzeptierte Ehe mit allen Rechten schließen dürfen.
  • Es ist ein Problem, dass wir überhaupt heiraten wollen und unsere Privilegien ausnutzen.
  • Es ist ein Problem, dass die Journaille sich im 21. Jahrhundert an einer Verlobung ergötzt.
  • Es ist ein Problem, dass sich viele Menschen selbst einen Verlobungsring für 79 € kaum leisten können. (Die dürfen aber ihrer Meinung schon heiraten, oder ist das auch zu peinlich?)

Es ist jedoch KEIN Problem, dass mein Verlobungsring ein vergleichsweise günstiges Exemplar ist. Denn, so liebe Zeit, worauf kommt es denn eurer Meinung nach bei einer Verlobung an? Für mich kommt es auf einen Liebesbeweis und Gedanken darum an. Auf das Schließen eines Bundes. Und Gedanken hat sich mein Zukünftiger gemacht. Wesentlich mehr als ihr Redakteur bei diesem billigem und peinlichen Stück Schrift … als Artikel mag ich die Buchstabenreihe nicht bezeichnen.

Abgesehen davon:

Wir sind in der größten Wirtschafts- und Politikkrise seit 1945, das Projekt Europa zerfällt uns in unseren Händen, immer mehr Menschen sind auf Müllreste angewiesen und das einzige Problem, dass die ZEIT bei (m)einer Verlobung sieht ist, dass der Ring zu billig ist? KLAPPTS NOCH? Ich schäme mich. Und sie sollten sich auch schämen im POLITIKTEIL so eine lächerliche Posse abzudrucken. Ist es als Satire gedacht? Wenn, dann ist sie gründlich misslungen.

Wissen sie, dass ich bewusst keinen „dicken Klunker“ wollte? Dass ich ein NEIN angedroht habe, sollte so einer klassischer Ring in einer Schatulle sein? Dass ich NEIN sagen würde, wenn es ein Diamant oder Diamantenersatz klassischer Statur gewesen wäre? Dass ich Swarovski als legitime Alternative ANGESAGT habe?

Ich verweigere mich klassischen Diamantringen, denn sie sind ein Symbol für die Unterdrückung Afrikas. Sie sind ein Symbol für die Ungerechtigkeit auf diesem Planeten. Sie sind ein Symbol für Dekadenz und Ignoranz. Sie sind ein Symbol für die bitterste Geschichte Europas. Das sollten sie wissen. Das sollten sie verstehen.

Aber vielleicht ist es für die ZEIT ja erstrebenswert, dass Menschen sich Ringe kaufen, deren Steine von Minderjährigen in Bergwerken herausgekratzt werden – für 1$ die Woche. Vielleicht ist es der ZEIT ja wichtig, dass Menschen den billigen Status einer blutleeren Gesellschaft bedienen. Hauptsache teuer. Hauptsache oberflächlich.

Schämen sie sich, liebe ZEIT. Es war das letzte Mal, dass ich diese „Zeitung“ erworben habe.

Julia Schramm

P.S. Wenn jemand den Artikel als Dokument hat, wäre ich sehr verbunden. Ich habe vor Wut die ganze Zeitung weggeworfen.

P.P.S. Dieses Lied dazu hören: http://www.youtube.com/watch?v=OUfVByQmP74&feature=autoplay&list=PLB74D4EB6C4309AC0&lf=plpp_video&playnext=18

Update:

Wie ich also nun lernte und es befürchtet hatte, handelt es sich bei dem Stück Schrift tatsächlich um Satire. Ehrlich gesagt habe ich damit sogar noch größere Probleme, da gute Satire einen wahren Kern hat und sich über die bestehenden Verhältnisse so lustig zu machen weiß, dass eben diese kritisiert werden. Davon erkenne ich hierbei jedoch NICHTS. Die von mir oben benannten Probleme hätten eine wunderbare Grundlage für Satire sein können, JA selbst die total verkitschten Umstände des Antrages, das Altbackene, die Naivität mit der es gepostet und sich nachher über die Aufmerksamkeit gewundert wurde. Die Absurdität der Journaille, etc.

Abgesehen davon: Bin ich blind, oder war der Preis des Ringes nicht wirklich Thema in der Debatte? Ja, dass die BILD den Preis postete, ok, das wäre Anlass für eine Debatte vielleicht gewesen, oder? Also ich habe NICHTS gelesen, dass jemand den Preis bewertet hätte, oder sich über den popeligen Ring ausgelassen hätte. Das tut hier nur die ZEIT. Sonst einfach niemand.

Und somit muss ich jedoch davon ausgehen, dass der Autor keinerlei moralischen Kompass mehr hat, wenn er es als satirisch ansieht sich über den Ring und seinen Preis lustig zu machen. Ist das wirklich das einzige, was ihnen in den Kopf kommt Herr Schmidt? WIRKLICH? Dass ist so traurig … wenn ich nicht so wütend wäre, würde ich weinen. – denn: Wo ist der wahre Kern? Der wahre Kern ist, dass man altbacken heiratet, aber dann nur einen BILLIGEN Ring nimmt? Aha. Ja, ok, ich lache laut. Nicht. Mit ihrer Pseudosatire stellen sie sich und ihre widerliche Denkweise bloß.

Liebe Zeit, ich kann euch bei Bedarf eine Satire schreiben. Über die Absurdität, dass prominente Vertreter einer emanzipatorischen Partei patriarchale Strukturen reproduzieren, zum Beispiel. Fürn Hunni ist das geritzt.

Und hier jetzt also der SUPERLUSTIGE Beitrag. Haha, schon alle total super drüber gelacht? Danke an Herrn Drop, der sie mir in die Dropdox droppte 🙂

46 Antworten auf „Die ZEIT und Fremdschämen“

  1. Deinen berechtigten Ärger in allen Ehren. Der Artikel ist in der Rubrik „Berliner Bühne“ erschienen. Die sind immer satirisch und insofern „blödsinnig“ und „einseitig“.

    Ich finde den Artikel qualitativ schwach. Das kann man anmerken. Sich allerdings über den Stil aufzuregen heißt, Satire nicht verstanden zu haben.

    1. @Rjonathan

      Nun, also der Beitrag ist jedoch keine Satire, da misslungen, wie ich ja vor dem Update bereits schrieb. Es ist erbärmlich, einfach nur erbärmlich, den satirischen Fokus auf etwas zu legen, was im Prinzip keine Bedeutung in der Debatte hatte. Mich kotzt diese Art an. Es ist weder witzig, noch valide, sondern nur peinlich und armselig. Weil es ja diese Woche keine andere Satire hätte geben können. Genau.

  2. Ich verstehe Ihren Groll gegen einen solchen Artikel, wenn ich auch gleich sagen möchte, dass ich ihn nicht gelesen habe. Natürlich möchte man ernst genommen werden und eine Klatsch-Nachricht, die soziale Umstände und Einstellungen zu bewerten versucht.
    Vielleicht will man hier aber auch einfach nur provozieren und durch die Art der Berichterstattung Meinung der Authors/der Zeitung kundtun. Sollten man das wirkliche eine Reaktion würdigen? Sie haben Wichtigeres zu tun!

  3. Das alles gesagte, macht Sie noch symptischer-heute gibt es Toilettenpapier-früher hat man solche Zeitung duzu benutzt – ich kauf sie auch nicht mehr-ich hab den Namen schön vergessen.

  4. Ich muss ganz ehrlich sagen. Ich bin ja durch und durch ZEIT-Leser, aber was dieses Blatt sich in letzter ZEIT rausnimmt, gleicht einer Farce. Wie kann es sein, dass eine BILD-Zeitung dieser Tage Rückrat in Bezug auf Wulfferine zeigt und die ZEIT derartige ZEITgenossen wie Guttenberg schützt, ferner solch einen Artikel wie diesen über Julia Schrams Verlobung druckt. ZEITenwende oder was? Der Boulevard wird investigativ und der Qualitätsjournalismus verkommt zum Klamauk? Treffen wir uns in Zukunft in der Mitte?

  5. Dem Aufklärungszeitalter folgt das mittelalterliche Prangertum. Nichts bekommt mehr die Zeit zum Wachsen. Für diese Ignoranz gg. den natürlichen Vörgängen werden wir alle bezahlen müßen und die Natur ist nicht gerecht, nur effektiv.
    „Heiraten “ war gesellschaftlich gesehen meist immer eine Art “ sich aus dem Fenster zu hängen“. Also: wie groß der Ring, wie groß die Hochzeitsgesellschaft uvm.
    Bildung interessiert die Hegemonialmacht nur soweit es ihr nutzt – der Rest ist Puppenspielerei. Nur so kann ich mir die “ Dealermentalität “ unserer Gesellschaft erklären. Dann kommen die “ Brandstifter “ und es kommt wie Brecht schon formulierte:
    “ Erst das Fressen(Konsum), dann die Moral
    Doch ich bin ein Hoffender – das es mehr Menschen gibt, wie Sie – die sich treu bleiben(was heute mehr als schwer ist) und sich nicht unterkriegen lassen.
    in diesem Sinne ein starkes 2012

  6. Dieser Rant machte meinen Tag, danke 🙂
    Ich halte die ZEIT schon seit längerem für ein zutiefst reaktionäres Blatt, welches vom Nimbus vergangener Tage zehrt. Schön, wie deutlich dies zutage tritt, wenn Infrmation aus erster Hand direkt zum Vergleich steht.
    Dann mal Alles Gute zur Verlobung!

  7. ich mochte die zeit eigtl. manches war schon bischen komisch aber immerhin besser als die bild, tagesspiegel, spiegel und konsorten.

    nun würd ich die zeit gerne mit ihnen mit verachten aber sie haben den artikel nirgends verlinkt..? also weiss ich nicht wirklich, über was sie hier gerade schreiben. bitte verlinken oder sonstwelchen hinweis hinterlassen. danke:) oder gibts den scheiß nur in print form? dann scheißen sie gepflegt drauf, print holen sich nur noch geisteskranke (ohne scheiß.. nachrichten gibts im internet en masse, und besser aufbereitet, kauft euch lieber bücher, ihr kulturbanausen!! aber das nur am rande^^)

    ihnen noch herzlichen glückwunsch und: scheißen sie drauf! journalisten sind alle geisteskrank.

  8. Also sorry, ich konnte den Ärger absolut nachvollziehen, so wie Du es hier geschildert hast (Über den Artikel, über die Entwicklung der Zeit im Allgemeinen,…) bis… ja, bis ich den besagten Artikel selber gelesen. Der Artikel ist wirklich deutlich als Satire zu identifizieren und naja, Satire darf eben (fast) alles!
    Bei Deiner Reaktion darauf muss sich nun schon aber fast fragen, ob Du nicht mit der ganzen Ring-Geschichte ein Problem hast.
    Apropos: Wo hört denn die geforderte „Transparenz“ auf?

    1. Zu der Sache mit der Satire habe ich doch oben ausführlich geschrieben o.O Noch deutlicher geht es doch nicht? Ich bin nun mal auch ab und an Spaßbremse. Sorry, aber dieser Artikel … naja steht ja alles oben.

      Also ich bitte dich doch meinen Artikel nochmal zu lesen. Du stellst fragen, die ich oben in epischer Breite ausgeführt habe o.O

      Zur Transparenz. Für mich endet sie nicht wirklich. Trotzdem kann ich mich doch über die idiotische Journaille ärgern?

  9. Nicht aufregen über diesen „Mainstream“-Journalismus. Das wird bald noch schlimmer werden. Warte mal ab, bis die Wahlen dichter rücken, dann wird unter dem Deckmäntelchen „Satire“ ausgekeilt, bis Blut fließt. Wer jetzt dünnhäutig reagiert, zeigt sich verletzbar. Rate mal, wer dann bei unserer so unabhängigen Hofjournaille dann als erste(r) die Klatsche bekommt? Wir werden das hier in SH schon sehr bald erleben. Der NDR hat schon einige Klopse abgeliefert, und der Rest wird noch folgen. PIRATEN werden da sehr viel dicke Haut brauchen, und echt ne Menge Gelassenheit.
    Machs jut,
    Andreas

  10. ich fand deinen rant ja eigentlich ziemlich gut, aber mit dem originaltext auf den er sich bezieht vor augen relativiert sich das jetzt etwas. klar is das irrelvanter boulevard, aber was solls – is ja genug platz auf der welt für nonsense. dein argument dass es wichtigeres gibt zieht auf jeden fall mal gar nicht. damit kann man nämlich alles totschlagen. es ist doch eigentlich eher extrem witzig dass man mit solchen irrelevanten privaten twittermeldungen die medien trollen kann. dass deine politisches anliegen nicht zur geltung kommen wundert mich jetzt nicht. warum sollten sie das auch? mit einem MdA zusammen zu sein macht noch keine politische relevanz, leider. wird zeit mal deine gefühlte öffentliche medienrelevanz in tatsächlich politische umzuwandeln!

    1. Ja, meistens sehe ich das auch so. Aber mal ehrlich: Der Text ist einfach unverschämt für ein menschliches Gehirn. Natürlich kann man dem Autor zu Gute halten, dass er es in einer scheinbar Satirespalte schrieb, aber was steckt denn dahinter? Der Subtext ist doch das Problem.

      Dieser Satireversuch ist ja nur die Kirsche auf der Sahne und gilt für den Rest auch. Das ganze Thema ist vollkommen lächerlicher Weise in den Medien. So.

      Naja, die politischen Inhalte des MdA sind ja scheinbar auch nicht relevant 😉

  11. ach naja. muss ja nicht alles schlau und relevant sein – die minispalte in dieser „ZEITung“ ist es auf jeden fall nicht. sie taugt eigentlich nur als aufhänger um sich drüber zu echauffieren. finde ich auch gut dass du die chance nutzt, aber solange du selbst keine politische verantwortung übernimmst ist das halt auch ziemlich irrelevant. für die kommunikation der politischen aktivitäten vom fabio is halt aber doch der fabio und nicht du verantwortlich. finde es ehrlich gesagt recht befremdlich dass du dich damit so identifizierst. der subtext den ich da rauslese ist dass sich die ZEIT über eine emanzipierte politikerin einer emanzipationspartei die sich selbst ironisch als politikergattin/privilegienmuschi und als eine partei die überkommene abhängigkeitsstrukturen überwinden will bezeichnet lustig macht. wenn man euch nicht kennen würde ist das doch verständlich, und wenn man euch kennen würde wäre so eine „satire“ als trollerei doch auch legitim 😀 medienschelte is auf jeden fall das spießigste was mir einfällt.

    1. Och komm, jetzt trollst du mich aber! Ich habe mich über den Artikel geärgert und musste es rauslassen. Dafür gibt es Blogs.

      Und: Ja, aber sie machen sich eben nicht lustig darüber. Das ist doch mein Punkt. Sie versuchen es, aber es gelingt nicht – im Gegenteil! Sie versuchen mich zu beleidigen, aber es bleibt eben nur hängen: Höhö, der Ring ist aber popelig für so was spießiges wie eine Hochzeit. Das macht ja nichtmal Sinn!

      Ich bin einfach enttäuscht, dass die ZEIT so ein rechtes Blatt geworden ist. Es gibt SOOOO viele Angriffsflächen, SOOOO viele. Und was nehmen sie? Den Preis des Ringes und Liquid Feedback. Meine Fresse, das ist so armselig.

      Und ich kann gerne selbst eine Satire schreiben, wie oben angeboten. Alles muss man selbst machen.

      Und natürlich identifiziere ich mich damit! Es geht ja schließlich auch um mich. Und wenn man uns kennen würde, dann würde man wenigstens echte Satire machen und nicht so einen Chauvinismus von sich geben! Als ob ich nicht genug Material für gute Satire abgebe! 🙂

  12. dafür dass die beleidigung nicht funktioniert kommst du aber ganz schön beleidigt rüber 😉 besonders geistreich hat die ZEIT da wirklich nicht getrollt, aber piratencontent gibt halt immer klicks. will nicht wissen wiewenig die verantwortliche journalistin für diese spalte bekommen hat. vermutlich so 50€ oder so. es ist armselig dass die ZEIT so boulevardesken lückenfüllerscheiß nötig hat, aber das is doch ihr problem! zurücklehnen, genießen und lachen!

    1. Auf einer anderen Ebene hat das Beleidigen hervorragend funktioniert! 🙂

      Wobei ich auch die anderen Eierköpfe gleich mitbeleidigt habe, die sich daran ergötzen.

      Und: Ja, also das ich dringend Gelassenheit brauche, ist ja nun ein offenes Geheimnis ^^

  13. Kleiner Tipp: Nach und nach lernt man als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens vielleicht auch „Liquid Equanimity“.

    Und noch einer: In „außergewöhnlich emotionalen Situationen“ in einem Anfruf bei Herrn di Lorenzo besser nicht Begriffe wie „Rubikon“ verwenden …

  14. Das ist der Artikel? Weia. Das ist eindeutig, sowas von eindeutig! Satire und zwar auf diesen BILD-Artikel: http://bit.ly/t5OJQL Und nicht auf Auch beiden.

    Zum Beispiel wird der Ring beschrieben, nebenbei in Klammern: „Rhodium mit Swarovski-Steinen, 79 Euro“. Der ganze Artikel ist so lächerlich, eben boulevard um auf BILD-Niveau gegen das „Liberale“/“Gegenkonservative“ oder „Junge“ der Piraten zu wettern (BILD ist stockkonservativ, Springerpresse, CDUnahe):
    also Du und Fabio wollt heiraten (Heiraten ist eine uralte Tradition, konservativ; Ihr beiden seid studiert, er ist sogar schon seriöser Abgeordneter.) Der Brunner (nicht so seriös, Palituch, findet heiraten doof) steht dagegen. Die BILD hat Euch beiden und Eure Verlobung benutzt um gegen die Piraten zu wettern (vertreten hier durch Brunner). Verstehste?

    Bevor man sich über die Zeit auslässt sollte man sie kennen: Wie oben schon erwähnt erschien dieser Artikel unter „Berliner Bühne“. Zudem werden Eure Nachnamen abkgekürzt. Und weitere Merkmale des Textes zeigen eindeutig Ironie. Und wie gesagt, wurdet Ihr beiden nicht hoch genommen und belächelt sondern die Boulevard-Springer-Presse.

    Du hast den Zeit-Artikel nicht verstanden und regst Dich so über diesen auf. Über diesen BILD-Artikel hätteste mal ranten solln.
    Meine Güte Piraten, an Eurer Medienkompetenz müssen wir aber noch arbeiten. Peinlich.

    1. Oops, Blog-Eintrag im Cache gewesen. Hab nicht gesehen, dass ein ähnliches Dokument in den Kommentaren schon bereitgestellt wurde m(

  15. die ZEIT verliert ohne klare Richtung von Gr Dönhoff und H Schmidt schon lange Ihre Qualität, ZEIT Online verliert immer mehr Reichweite und kompensiert diese durch Fotostrecken, fremdnews, partnerdaten, alles was geht, dazu gehört auch boulevard, alles was provoziert scheinbar. Leider sind Journalisten nicht clever genug um zu sehen wie internet heute funktiniert. sehe perry rhodan artikel.

  16. Oh, das ist so ekelhaft.

    Wenn Du für Deine Social-Media-Ferien ein Buch suchst: „Die intellektuelle Ehe“ von Hannelore Schlaffer ist ganz toll. Ich nehme es immer wieder zur Hand. Es gibt ein langes Kapitel über die Partnerschaft von Beauvoir und Sartre. Sehr lesenswert.

    Und Schlaffer schreibt: „Die Ehe schlechthin scheint es nicht mehr zu geben; erst ein Adjektiv klärt, um welche Art von Verhältnis es sich handelt: um eine partnerschaftliche, kameradschaftliche, eine konventionelle, eine moderne oder eben eine intellektuelle Ehe?“

    Die Ehe per se also als konservatives Relikt abzustempeln, ist rückständig, und in jedem Falle nicht auf Höhe des Diskurses.

    Liebste Grüße, *t

  17. Der Ring ist im Artikel zwar Aufhänger, aber letztlich doch Nebensache. Ich sehe die Kernaussage darin, dass er sich in künstlicher Häme darüber versucht, dass Menschen mit einer Affinität zu digitalen Medien und progressiver Politik selbstverständlich normale Menschen mit den gleichen Rechten und Pflichten sind. Die Häme funktioniert nur aus der Sicht digitaler Analphabeten und notorischer Internetverweigerer, die unter den Lesern der ZEIT gewiss noch zahlreich zu finden sind. Stellvertretend für die wird geträumt: wir wissen und können es noch besser.

  18. Es macht einen nicht populärer, wenn man Prinzipien hat, weil man damit andere Menschen daran erinnert, dass sie mit einem Produkt der Ausbeutung Schwacher am Finger durch die Gegend laufen oder drei Monatsgehälter ausgegeben haben, nur weil sie es nicht schaffen, über an sich wertlosen Statussymbolen zu hängen. Gegen die Missgunst, die einem da entgegenschlägt, ist der Neid auf einen teuren Ring ein Witz!

  19. Gratuliere zur Verlobung.

    Das verlinkte Lied ist „The Letter“ – soll das so sein? Ich versteh den Zusammenhang nicht. Nagut, vielleicht ein Insider…

    Den Ärger verstehe ich eigentlich nicht. Ich find den Artikel sogar witzig, und zumindest enthält er keine Schmähkritik oder grobe Unwahrheiten. Statt dessen wird über Dich und Deinen Verlobten geschrieben, dass ihr *liebevoll in der Wirklichkeit ankommt*.
    Derart nette Satiren würde ich mir über (Prä-)Politiker der Partei meines Herzens wünschen.

    Aber was verteidige ich hier eigentlich die Zeit? Die ist öööde und hat eh keine Leser verdient.

  20. Tja, Frau Schramm – ist ’n blödes Gefühl, wenn man/frau aufwacht und merkt, dass man/frau kein strahlender Solitär ist, sondern genauso unwichtig & spießig wie jeder x-beliebige im Nachbarhausaufgang….
    Den 68iger erging’s auch so und die wenig aufgeregten „Bürgerlichen“ aus Steglitz lehnen sich ein weiteres Mal zufrieden zurück, schaukeln ein wenig auf dem Schreibtischstuhl, um sich dann wieder ihrer biederen, langweiligen, unspektakulären Alltagsarbeit zu widmen, aus der Mensch wie Sie, liebe Frau Schramm, über nicht gerade geringe Steuergelder finanziert werden.

    Aber es ist schön, dass Sie sich verlobt haben. Und wenn erst der Hochzeitstermin festliegt, dann werden Sie sich (beide!) noch bei ganz besonder lächerlichen Gedanken erwischen…. aber zum Glück sind & bleiben die Gedanken frei – und sollten auch bei fleißigen Bloggern & Twittern privat bleiben. Hoffentlich jedenfalls! Denn ein aufgeregtes „es hat sich bewegt!“ wird auch durch Twitter – diese Goldene Blatt für Jupies – nicht weniger dämlich.

    Alles Gute für das junge Glück
    wünscht Kater Garfield.

  21. Nachklapp:
    Das haben Sie auf Ihrer Homepage sehr schön formuliert, liebe Frau Schramm: „Und ich lösche Kommentare, wenn sie beleidigend sind. Absolut subjektiv.“
    So hatte sich das unser Bundespräsident wohl auch gewünscht…

    Sie erinnern mich irgendwie ganz stark an Katherina Reiche (MdB & Parlamentarische Staatssekretärin) – eine andere Partei zwar, aber vom Wesen her…

    hony soit qui mal y pense….

    Ihr Lebenslauf ist übrigens auch eine interessante Lektüre – vielen Dank dafür!
    Ist schön, dass jmd. den Hinweis auf die Grundschulzeiten gestrichen hat, mit dem Sie Zeilen zu schinden versuchten!

  22. Hättest du das nicht auf eine Mailbox brüllen können?

    Die Printmedien haben ja immer Angst vorm Internet, es könnte sie unnötig machen. Falsch gedacht, dass schaffen sie alleine.
    Nach mehr und mehr Erfahrung mit Journalisten frage ich mich wirklich ob Politiker und „Stars“ wirklich die realitätsfernen, sich gottgleichfühlenden Assis sind, oder ob es nicht die Journalisten selbst sind.

    Aber eine Sache zur Verlobung: Einfach weil andere deine Entscheidung intoleranterweise nicht akzeptieren drücke ich die Daumen, dass es für immer hält. Bätsch.

  23. Pingback: Piratennews #2
  24. Liebes Fräulein Schramm, ;-), nein, im Ernst: Ich kann verstehen, dass es nervt, wenn irgendein Kram unnötig breitgetreten wird, und man kann diese Satire auch gut oder schlecht finden, aber in deiner Aufregung ist dir anscheinend wirklich der Zusammenhang entgangen. Deine Verlobung ist zwar der Aufhänger, aber im Ergebnis macht sich der Autor doch nur darüber lustig, dass früher oder später die meisten mehr oder weniger doch im Establishment ankommen, sich an Konventionen anpassen, auch wenn sie anfangs noch so radikal anders sein wollen – daher auch der Satz am Ende: „In dieser Hinsicht könnt ihr von den Dinosauriern der politischen Klasse lernen.“ Ich finde den Text eigentlich ganz lustig.

  25. Ich würde eine Ehe nie unter den Privleg staatlicher Erweiterungen des Instituts der Ehe und der Liebe sehen. Das Privileg mag schon in der gemeinsamen Haushaltsgründung liegen und darin, die Möglichkeit haben zu können, eine „Familie zu gründen“ und nicht wie in Afrika ohne Ehe zu leben oder wie dort – etwa Bergarbeitern häufig – die Dienste von Sexarbeit und Armutsprostitution Anspruch zu nehmen.

    In den USA sind mehrer Monatsgehälter für Ringe üblich. Das ist Unsinn. Ob man Modeschmuck geschmackvoll findet, ist eine andere Frage. Anstatt für bestimmte Journalisten lieber für die Aufmerksamkeit von Menschen interesieren, die wirklich Themen aufbearbeiten können und persönlich wichtig sind.

    Mir ist nicht bekannt, dass Thomas E. Schmidt bisher Satiren für die ZEIT schrieb. Das scheint mir mehr eine juristische Absicherung zu sein.

  26. finde den Zeit-Artikel nicht witzig – Satire nicht gelungen, da Preis des Rings im Fokus und nicht die spießige Kritik von „Parteifreunden“ an persönlichen (Liebes)Entscheidungen – rant deshalb ok – rant gegen spießige Kritik von „Parteifreunden“ auch nötig!
    (spießig=ahd. für engstirnig, unflexibel, die Lebensweisen anderer ablehnend oder bevormundend)

  27. Leider bin ich erst jetzt durch den Bericht im #ElRep auf diese Stilblüte des Journalismus aufmerksam geworden.

    Sehen wir mal davon ab, was meine Persönliche Meinung zum Thema Ehe ist, versuche ich hier noch die Logik zu verstehen.
    Den scheinbar gilt:
    wenn man gegen die „spießigen Steuervorteile für Verheiratete“ ist, dann ist es ein Skandal wenn man Heiraten möchte?

    Allein für diesen Satz, sollte man jedem „Autor“ eine berufliche Neuorientierung empfehlen.

    P.S.

    a) ich habe nicht alle Kommentare gelesen, falls da eine Erklärung für diese Logik stand, bitte gerne drauf aufmerksam machen – Danke

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