Wahrheit und Normen

Oder: Warum eine Privilegienmuschihete nichts richtig machen kann.

Also erstmal vorweg: Ich bin eine klassische Privilegienmuschi. Das heißt, dass ich weiß bin, aus finanziell abgesichterten Verhältnissen komme (soweit das möglich ist), überwiegend heterosexuell lebe (naja, bisher immer mit Männern zusammen, aber an Frauen durchaus interessiert), cis-gender bin (also in einem Frauenkörper lebe und das gut finde), körperlich gesund und ansehnlich geboren wurde und in einem Land lebe, das zu den reichsten und einflussreichsten der Welt gehört (konkret heißt das eigentlich nur, dass eine Armee im Zweifel dafür kämpft, dass ich zu denen gehöre, die besser an Ressourcen kommen) – Teile dieser, zugegeben kaum wirklich beeinflussbaren, Merkmale haben mich davor bewahrt mit 7 Jahren ohne Schutzkleidung in einem Bergwerk arbeiten oder als Kindersoldatin leben zu müssen. Sie haben mir ermöglicht, dass ich jetzt hier mit einem Laptop im Bett liege, eine pyramidale Nacht hinter mir, und darüber reflektieren kann, wer ich bin, wo ich herkomme und was für eine Welt mich eigentlich umgibt. Ob mich das glücklicher macht als die im Bergwerk arbeitenden Kinder? Ich weiß es nicht, aber ich bilde es mir ein. Was wäre mein Leben auch sonst wert? Und: Jaja, ich weiß, das Leben ist auch ohne Probleme nicht leicht.

Die Merkmale, wie ich sie jetzt habe, ermöglichen mir, mich in der Welt, in der ich lebe, mit weniger Hindernissen zu bewegen, als das ohne diese Merkmale der Fall wäre bzw. mit gegenteiligen Merkmalen der Fall ist. (Also weiß, hetero, cis-gender, hochgebildete, gesund, mehrheitlich als hübsch wahrgenommen) Ich gehe unter in der weißen Masse, im bürgerlichen Mittelstand, in der Vielzahl der jungen Frauen an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten dieses Landes. Ich werde nicht anders wahrgenommen wegen meiner Hautfarbe, weil die sichtbare Mehrheit in meiner Umgebung diese Hautfarbe hat. Deswegen werde ich nicht auf meine Hautfarbe oder Ethnie (ich weiß nicht mal, ob ich das sagen darf …) reduziert, sondern werde differenzierter wahrgenommen. Wenn ich einen Mord begehe, wird die Bild wohl nicht schreiben „26-jährige Mitteleuropäerin begeht Mord“ – hätte ich einen von der herrschenden Norm in Deutschland abweichenden Phänotyp, würde er an dieser Stelle garantiert erwähnt. Das erleben wir täglich: „33-jähriger $nichtweißerdeutscher begeht brutalen Raubmord“ – während ich wahrscheinlich als 26jährige Berlinerin o.ä. bezeichnet würde.

Ich werde auch nicht gefragt, wann ich entdeckt habe, dass ich hetero sei, wie denn meine Umwelt auf diese Nachricht reagiert hätte, dass ich nun mit einem Mann zusammen sei und ob wir Probleme mit der Akzeptanz haben. Oder wie das so ist mit zwei Frauen bzw. Männern. So sexuell, ne.  Ich muss mich nicht mit mitleidigen Blicken auseinandersetzen, weil ich eine Behinderung habe oder eben so gar nicht dem Schönheitsbild entspreche. Ich werde nicht angestarrt, weil ich als Fremdkörper wahrgenommen werde. Und ich muss nicht einen schweren Kampf mit mir und meiner Umwelt austragen, weil mein seelisches und biologisches Geschlecht nicht zusammenpassen. Ich muss nicht bei der Krankenkasse darum betteln, dass sie mir eine Operation finanzieren, die mir die Chance gibt die biologischen Vorraussetzungen so zu verändern, dass ich mich endlich wohl fühle. Und ich muss nicht damit umgehen, dass ich intersexuell (also mit zwei Geschlechtern) auf die Welt gekommen bin. All das muss ich nicht – und deswegen bin ich eine Privilegienmuschi.

Gesellschaften haben, so die Theorie von Jochen Hörisch (ja, der ist sogar noch Mann ;-)), die ich sehr überzeugend finde, drei Dinge zu verhandeln: Tauschen, begehren und kommunizieren. Alle Ordnungsprinzipien kreisen um die Ordnung dieser Dinge. Geld, Medien, Gott heißt ein anderes Buch von ihm, wo anhand des Titels die Theorie nochmal klarer wird. Ausgehend davon ist nun also die Auseinandersetzung mit der Art und Weise wie Kommunikation geordnet wird relevant. Wie wird Kommunikation sichtbar, wirkmächtig und beeinflussbar? Grundsätzlich, so eine einflussreiche Theorie, organisiert sich Kommunikation in Diskursen und deren Verläufen bzw. deren Evolution. Der dafür prominenteste Denker ist, neben Habermas, aber der ist da grad nicht so relevant,  Michel Foucault. Großer Mann. Ihn zu lesen will ich nicht jedem abverlangen. Ich plage mich damit rum seit ich 16 bin. Also, Foucault ist ein Wissens – Archäologe, der sich auf die Suche nach der Struktur und Entwicklung von Diskursen gemacht hat, untersucht hat, wie gesellschaftliche Kommunkation Machtstrukturen determiniert bzw. inwiefern sich Macht in diesen kommunikativen Strukturen abbildet. Was aus dieser nun folgt – ist nochmal ein ganz anderes Thema. Aber erstmal geht es mir darum Diskurs zu erläutern und die Rolle von Privilegienmuschis (und Privilegienpenissen! Ihr seid ja auch noch dazu Männer ;))  wie mir in diesem zu verdeutlichen.

Wahrheit wird gemacht

Ich zitiere mal aus der Wikipedia, weil ich finde, dass es dort ganz gut zusammengefasst ist: „Grob vereinfacht meint Foucault mit Diskurs das in der Sprache aufscheinende Verständnis von Wirklichkeit einer jeweiligen Epoche. Die Regeln des Diskurses definieren für einen bestimmten Zusammenhang oder ein bestimmtes Wissensgebiet, was sagbar ist, was gesagt werden soll, was nicht gesagt werden darf und von wem es wann in welcher Form gesagt werden darf (zum Beispiel nur in Form einer wissenschaftlichen Aussage)“ Grundsätzlich ist so eine Normsetzung bzw. Sprachregelung nicht notwendig schlecht, sondern vielmehr unausweichlich, ja omnipräsent und muss vielmehr ein Gegenstand der Reflektion sein. Auch muss man hierbei davon ausgehen, dass wir die Welt nur beschreiben, nicht erkennen. (siehe auch Richard Rorty) Damit haben schon viele Menschen Probleme – Wahrheit wird nicht gefunden – sie wird gemacht. Auch wenn ich verstehen kann, dass der Glaube an eine absolute Wahrheit ein einfacheres Weltbild ist, so ist die Foucault’sche Sicht auf die Welt für mich doch wesentlich plausibler. Angelehnt an die Idee, dass Sprache unser Denken wesentlich prägt, ist nun wiederum klar, dass eine Sprachregelung, vorgegeben durch die Tradition des Diskurses, eben auch das Denken und Handeln stark beeinflusst. Weiter resultiert eben aus dieser konstruierten Wirklichkeit eine Norm – diese Norm ist in erster Linie, global gesehen, der westlich-demokratische Nationalstaat. Alles was davon abweicht ist unterentwickelt, etc. Innerhalb dieser westlich-demokratischen Nationalstaaten ist nun die Norm weiß, hetero, cis-gender (also Einheit von biologischem Geschlecht und quasi gefühltem/seelischem) und, wenn man den Diskursverlauf der letzten sagen wir mal mindestens 500 Jahre beachtet (also Reformation/Neuzeit/Aufklärung/Weltkriege.), männlich, christlich und (hart) arbeitend. Weicht nun also jemensch (!) von dieser Norm ab, wird er als ab-normal empfunden. Und dafür, wie auch immer bestraft. Mal mehr, mal weniger offensichtlich. Darum geht es im Kern bei der metamodernen Rassismus- und Sexismusforschung. Mehr eigentlich nicht. Und wenn Menschen es passiert, dass sie auf Grund der Normabweichung diskriminiert werden, dann sprechen wir im allgemeinen von Diskriminierung. Also nicht im wörtlichen Sinne, weil diskriminieren heißt ja eigentlich nur Unterschiede ziehen.

Warum das jetzt so schwer zu vermitteln ist? Nun, die Konsequenzen aus dieser Sichtweise – Diskurs, Auseinandersetzung und Mobilisierung – sind beträchtlich und anstrengend und schließen tendenziell wiederum andere Menschen aus. Nämlich die, die den Normen entsprechen. Die nicht alleine auf Grund gewisser Merkmale diskriminiert werden, die nicht ständig in gewisse Schubladen gesteckt werden und daraus resultierend auch nicht ständig scheiße behandelt werden, weniger Rechte haben bzw. hatten, etc. Natürlich erleben Menschen, die der Norm entsprechen auch ständig Scheiße. Aber eben ohne die zusätzliche Scheiße, die denen widerfährt, die von der gesetzten Norm wie oben beschrieben unausweichlich, unverursacht und offensichtlich abweichen.

Anti-Rassismus ist harte seelische Arbeit

Anzuerkennen, dass es Erfahrungen gibt, die man niemals machen wird, ist hart – denn es entzieht einem Macht. Es bleibt nur Kontrollverlust. Dabei geht es eigentlich nur darum: Anzuerkennen, dass wir in Schubladen denken, dass diese Schubladen tradierte Vorstellungen von Unterdrückung reproduzieren und dass wir die freie Entfaltung von Menschen alleine schon dadurch einschränken, dass wir sie diesem Normterror unterwerfen wollen. Eben weil wir es auch selbst wollen. Denn wer will schon abnormal sein? (Dass es jetzt eine Bewegung gibt, die abnormal geil findet und dabei wiederrum zur Norm wird, ist nur ein Treppenwitz – gilt btw. auch für Anti-Rassisten und FeministInnen, die oftmals so tief in der neu definierten Norm drinstecken, dass sie wiederrum das tun, was sie anprangern – aber seis drum)

Es kommt also auf die diskursive Praxis und die daraus resultierenden Normen an. Und wie man damit umgeht.

1. Bewusstsein schaffen (auch durch Sprache). Auch wenn ich die gegenderte Sprache anstrengend zu lesen und zu schreiben finde (ich vergesse oft welche Worte ich jetzt wie umbauen muss), begrüße ich diese bewusste Auseinandersetzung mit Sprache und die folgende Sichtbarmachung. Jede Gender-Gap ist ein kleiner Arschtritt. Dass die Leute darauf genauso reagieren ist klar, aber auch bisschen traurig. Nehmt euch und die Sprache mal bitte nicht so furchtbar ernst. Ich erfinde in anderen Kontexten jeden Tag neue Wörter – ohne Bewusstsein zu schaffen. Und da meckert auch keiner.  Und auch deshalb finde ich eine Auseinandersetzung mit der Frage „Wie darf ich Schwarze Menschen eigentlich nennen“ wichtig, auch wenn ich mich selbst immer betreten verhalten, mich schäme, mich doof fühle – diese Gesellschaft kotzt mich an; ebenso wie ihr Umgang mit Gruppen, die von der Norm abweichen. Ich schäme mich dafür. Aber noch mehr schäme ich mich für mich – denn ich bin eine Privilegiemuschi, die diesen Normen auch unterworfen ist – ich bin mehr Rassistin, Sexistin und Chauvinistin, als mir lieb ist. Ja, das tut weh. Ja, das ist unangenehm. Und ja, es ist meine Pflicht, mich dem zu stellen. Dieses Gefühl muss man zulassen, auch wenn es weh tut. Erst dann ist es wirklich eine Form von „weißem Anti-Rassismus“. Erst dann zeige ich den Menschen, die von meinen Vorfahren misshandelt und missachtet wurden, Respekt und Demut.

2. Diskursive Praxis hinterfragen: Welche Begriffe sind Selbst- und Fremdzuschreibung? Wie wollen die Menschen bezeichnet werden? Was ist unfair, was ist übergriffig, was ist angemessen? Wie entstehen Begriffe? Woher kommen sie? Was sollen sie beschreiben und warum? Ist es notwendig sie zu benutzen? Sprache ist eine Waffe – wir müssen vorsichtig mit ihr umgehen!

3. De facto Herrschaftsverhältnisse anerkennen. In unserer Gesellschaft ist der default-Zustand für Machtausübung weiß, männlich, hetero und cis. Da kann man jetzt jammern, aber das ist erstmal so. Das männlich wird aufgebrochen, ebenso das weiß (Merkel und Obama) – momentan sind das aber auch noch Ausnahmen, Obama mehr als Merkel (und es gibt ja Menschen die meinen Obama sei nicht schwarz, weil seine Familie keine Sklavenerfahrung gemacht hat – was eine interessante Anekdote ist, denn sie zeigt, dass weiß und schwarz im Prinzip auch Konstrukte sind um Privilegierung/Diskriminierung sichtbar zu machen). Dieser default-Zustand von Herrschaft muss überprüft werden. Aber wie wir wissen – default-Eintellungen kann man nur ändern, regulieren – nicht gleich machen. Das ist es, was Menschen meinen, wenn sie sagen, dass die Privilegienmuschis und -penisse ihre Privilegienstellung nicht aufgeben wollen. Sie profitieren ja von diesem Zustand. Und ich kann auch verstehen, wenn Menschen wirklich sauer werden, wenn es dann flapsig heißt: Also in meiner Welt gilt das mit der white supremacy nicht – ja, genau. Denn in „deiner“ Welt regieren lesbische, schwarze Behinderte die Welt. Es geht mir jetzt auch nicht um die grundsätzliche Frage von Herrschaft. Erstmal geht es ja darum das anzuerkennen: Westen regiert die Welt, im Westen regieren die Weißen, hetero, cis-gender. Und ja, ich weiß, dass China und Indien das jetzt komplexer machen – ändert nichts an den traditionellen Diskursen. Und es geht darum, dass es Merkmale gibt, die jemand zufällig hat, die einen Zugang zu Macht wesentlich schwerer machen. Und diese Merkmale sind in unserer Tradition sehr stark verankert.

4. Weißen Stock aus dem Arsch ziehen. Diese Punkte mal zu reflektieren, mal anzunehmen, mal darüber zu reflektieren – ist ein erster Schritt. Dann kann man auch einfach mal darüber nachdenken, wie es für Noah Sow gewesen sein muss. Ich finde ihre Schilderungen wichtig und auch die Auseinandersetzung damit. Sie entspricht mit ihrem Verhalten weder dem Klischee „der Frau“, noch „der Schwarzen“ , und ist einfach mal offenbar genervt von der Ignoranz und Dummheit, eiskalt und weist diese unsensiblen und unwissenden Deppen in die Schranken. Mein Artikel über AstA-Linke hat sich eben mit genau diesen Menschen auseinandergesetzt. Diese Möchtegern-Weltretter, die sich als Anti-Rassisten, Anti-Faschischten und Feministen bezeichnen und dann nicht mal die Lesung der Autorin so vorbereiten, dass sie mit ihr halbwegs auf Augenhöhe reden können. Wenn sie sich nicht mit Rassismus beschäftigen wollen – ok, aber diesen Wohlfühl-Antirassismus können sie sich doch sparen, finde ich. ich bin jederzeit bereit es den Leuten zu erklären und finde es auch ätzend, wenn andere Menschen das nicht tun. Aber: bei soviel Inkompetenz kann ich die gute Frau Sow wirklich verstehen.

Dieser Blogpost war nun inspiriert von der Unglaublichkeit der Diskussion um Noah Sow. Der Beitrag von Malte Welding – auch wenn ich seine Kritik an der im Mittelpunkt stehenden Person nachvollziehen kann – ist so peinlich, dass ich ihn nicht verlinken werde. Und was die Empörungsindustrie von sich gegeben hat will ich auch nicht verlinken. Mein Anliegen war einfach nur mal zu erklären, was Diskurs ist und wieso Rassismus mehr ist als das N-Wort nutzen und Ausländer zusammentreten. Wieso wir in gesellschaftliche Normen denken und feststecken und das wir die auch nicht loswerden, uns aber wenigstens mal darüber Gedanken machen können und Demut zeigen. Und ja, als Privilegienmuschihete kannst du nichts richtig machen – aber irgendeinen Preis müssen die Privilegien ja auch haben.

Rassismus ist die Einteilung der Menschen in Rassen (die es so nicht gibt, tatsächlich … aber biologische Genauigkeit ist ja leider eh nicht Mainstream) und der Zuschreibung von gewissen Eigenschaften. Deswegen ist es auch Rassismus, wenn man behauptet, dass die Griechen per se weniger arbeiten. Oder dass die Juden per se schlauer sind. Oder, oder. Kategorien, Stereotype – das sind die Feinde. Wenn wir freie Entfaltung wollen, müssen wir diese Aufbrechen. Also ich will das. Denn das verstehe ich unter Emanzipation.

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tl;dr: Unser Denken wird von den Diskursen unserer Gesellschaft geprägt. Als weißer, hetero, cis-gender hast du es im Leben (tendenziell/wahrscheinlich) leichter.  Und manchmal muss man diese Privilegien anerkennen und einfach die Klappe halten. Privilegien haben auch mal einen Preis. Außerdem: Rassismus ist mehr als das N-Wort und Ausländern den Kopf eintreten.

P.S. Ich beantworte alle eure Fragen gerne. Aber denkt bitte daran, dass ihr nicht mir die Schuld gebt, wenn ihr etwas nicht versteht. Fragt einfach. Ich antworte gerne. Und bleibe fair. So mein Anspruch in dieser Sache. Denn das Thema ist zu wichtig für Ego-Scheiße.

P.P.S Was ich von Blut und Boden -Ideologie als Bürgersystem halte, erläutere ich dem guten Sarrazin hier: http://juliaschramm.de/blog/moderne/deutschland-und-kulturnation/

Nochmal Auszüge von Foucault:
„Ich setze voraus, daß in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird – und zwar durch gewisse Prozeduren, deren Aufgabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurses zu bändigen, sein unberechenbares Ereignishaftes zu bannen, seine schwere und bedrohliche Materalität zu umgehen.“ (S. 7)

„Niemand kann in die Ordnung des Diskurses eintreten, wenn er nicht gewissen Erfordernissen genügt, wenn er nicht von vorneherein dazu qualifiziert ist. Genauer gesagt: nicht alle Regionen des Diskurses sind in gleicher Weise offen und zugänglich; einige sind stark abgeschirmt (und abschirmend), während andere fast allen Winden offenstehen und ohne Einschränkung jedem sprechenden Subjekt verfügbar erscheinen.“ (S. 26)

Literatur:

Braune Mob e.V. – Ein Verein von Schwarzen, die mal gut zeigen, was eigentlich die Probleme sind: http://www.derbraunemob.info/

Jochen Hörisch, Tauschen, sprechen, begehren. Eine Kritik der unreinen Vernunft, München 2011.

Michel Foucault, Die Ordnung des Diskurses. Inauguralvorlesung am Collège de France – 2. Dezember 1970, München 1974.

53 Antworten auf „Wahrheit und Normen“

  1. Ich muss sagen, ich bin etwas konsterniert. Ja, vorne weg, auch ich bin ein Privilegierter. Und das erklärt wohl auch, man möge es mir verzeihen, meine derzeitige Verwunderung. Ich in, nach Lektüre des Blogposts, den Links zur Begebenheit mit Noah Sow sowie zum „braunen mob“ Blog gefolgt.
    Und ich will es jetzt ganz klar sagen, meine erste geistige Reaktion war (entschuldigung für die direkte Sprache): Was pissen die sich da eigentlich gerade so an?
    Tja….
    Und ich glaube, diese Reaktion wird nicht nur mir so passiert sein.
    Und dann habe ich nachgedacht. Es ist ja nun mal so, dass ich, wie Julia sagt, an einer Stelle in eine Diskussion einsteigen, die schon länger läuft, als wir alle Leben

    1. @testamentum jap. ich kann das verstehen. das ist die erste reaktion. weil man es nicht kennt, nicht versteht, nicht wahrhaben kann oder will. Und dann merkt man: Oh vielleich doch. Und dann schämt man sich. Und da ist gut so 😉

  2. Das hat mich überrascht. Hier auf Facebook mal was richtig geistvolles zu finden. Einen voll entwickelten Gedankengang. Dann noch Literaturangaben. Da macht Diskurs intellektuelle Freude.
    Ich beschränke mich auf ein paar Kerngedanken. Was den quantitativen Umfang betrifft habe ich keinen Ehrgeit zur Konkurrenz.
    Realität ist gesellschaftlich konstruiert. Und andererseits der Kosmos in unserem Hirn. Beides ist interdependent. Daher gibt es nicht „die Wahrheit“. Oder im Sinne von Wissenschaftsideologen Objektivität. Wie denn auch? Wir sind schliesslich Subjekte, keine Objekte. Was umgekehrt gilt: Das Bewußtsein der eigenen Sunjektivität ermöglichst eine gesteigertes Mass an Objektivierung. Und Demut.
    Literaturangaben. Ich steh da auf Paul Watzlawick: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit.“Oder z.B.: „Menschliche Kommunikation.“ Der „Vater“ des Konstruktivismus. Hab die Bücher gerade nicht zur Hand. Bei Interesse: Wofür gibt es das Web? Die Digitalität ist die Chance menschliche Kommunikation zu potenzieren – qualitataiv und quantitativ – auch politisch. Wir haben die Chance zur globalen digitalen AGORA. In der alles offen und transpartent sein kann. Ein Stichwort: Open Government.
    Die sanfte Macht der Ethik siegt. Meine Quintessenz.

  3. Verdammt, bin auf Submit gekommen.. da das hier moderiert wird, kannst du den ersten Post bitte löschen und diesen hier dafür freischalten? danke!

    Ich muss sagen, ich bin etwas konsterniert. Ja, vorne weg, auch ich bin ein Privilegierter. Und das erklärt wohl auch, man möge es mir verzeihen, meine derzeitige Verwunderung. Ich in, nach Lektüre des Blogposts, den Links zur Begebenheit mit Noah Sow sowie zum “braunen mob” Blog gefolgt.
    Und ich will es jetzt ganz klar sagen, meine erste geistige Reaktion war (entschuldigung für die direkte Sprache): Was pissen die sich da eigentlich gerade so an?
    Tja….
    Und ich glaube, diese Reaktion wird nicht nur mir so passiert sein.
    Und dann habe ich nachgedacht. Es ist ja nun mal so, dass ich, wie Julia sagt, an einer Stelle in eine Diskussion einsteigen, die nicht nur schon länger läuft, als wir alle Leben, sondern auch eine Emotionalität, Tiefe und Hintergründigkeit hat, die durchtränkt ist mit persönlichen Begebenheiten und Verknüpfung mit menschlichen Attributen (gemeint: Hautfarbe, genetischer Herkunft, etc.). Und natürlich kann ich da verstehen, dass Menschen, für die dieser Bedeutungskontext so wichtig ist, dass sie dafür in der Öffentlichkeit mit ihrem Namen und ihrem Herzblut einstehen, keinen Bock haben immer wieder und unaufhörlich von vorne anfangen zu müssen, weil ihr Gegenüber und Diskussionspartner einfach mal seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

    So weit so gut. Auch ich als akademisch (aus)gebildeter Geograph würde erwarten, dass ich, wenn ich auf eine Fachtagung gehe, nicht erst den Leuten dort Grundelemente wie Raum oder Demographie erklären muss.

    ABER (das muss ja kommen)

    Wenn ich als Pirat (was ich bin) auf der Straße oder im Gespräch (was ich gerne tue) Leute versuche von meiner und der Piraten Weltsicht zu überzeugen (oder sie zumindest aufzuklären), kann ich doch auch nicht einfach nach der Frage, was denn ein Browser sei oder der Aussage, man könne doch ruhig die Festplatte durchsuchen, man habe ja nix zu verbergen, die Klamotten hinschmeißen. ODER?

    Ich schreibe das jetzt so, weil es mich ernsthaft interessiert. Ist die Holschuld der Privilegierten Geschlechtsteile wirklich so strikt gelagert?

    Wenn die Antwort jetzt einfach „Ja“ lautet, okay…

    vielleicht bin ich auch Naiv, und würde, wäre auch ich ein PoC, sagen: Wenn du das durch hättest, was ich erlebt habe, würdest du nicht fragen.

    Gut, aber ich bin ja, wie gesagt, neu.

    Bin ich also Naiv, muss mich informieren und schämen, weil ich es bisher nicht tat?
    Und, und das ist jetzt provokativ, ist so eine Einstellung den gutmeinenden, wenn auch uninformierten und vielleicht naiven gegenüber, nicht MAXIMAL kontraproduktiv?

  4. Um noch mal zu Antworten:

    Ich will mich nicht schämen, weiß zu sein!!
    Ich will auch nicht, dass andere sich schämen schwarz zu sein!!

    Ich bemühe mich, jeden Menschen gleich zu behandeln (bzw. reziprok dazu, wie er auch mich behandelt).

    Und ich glaube, wenn jemand mir vorwirft, weil ich Teil einer Mehrheitsgesellschaft bin (was ich mir, da per Geburt entschieden, nicht aussuchen konnte), mich schämen zu müssen, würde ich mich verteidigen und diesen Menschen entsprechend reservierter behandeln.

    und, by the way: Rassismus ist kein Privileg einzelner Bevölkerungsgruppen. Das habe ich auch mir gegenüber schon genug erlebt.

  5. @testamentum, hier ging es nicht, um Menschen an einem Infostand in der Innenstadt, sondern um einen Asta einer Hochschule, die eine antirassitische Veranstaltung machen wollten. Hier kann man nicht nur verlangen, sondern auch erwarten, dass der Asta seine Hausaufgaben macht bzw. dass die Leute die dort Antirassismusarbeit tun diese auch verstehen.

    Weder der Asta noch sonst jemand kann kontrollieren, wer zu so einer Veranstaltung kommt aber sie können bestimmen wo sie stattfindet und eine Antirassismus-Veranstaltung in Gegenwart einer solchen Ministrel-Figur zu machen oder jemanden als Begrüßung jemanden zu schicken, der nicht einmal weiß was PoC ist. Da haben sie alles falsch gemacht, worüber Julia hier geschrieben hat. Sie waren sich überhaupt nichts bewusst. Sie hatten überhaupt keinen Schimmer, was sie da eigentlich taten.

    So war die Entscheidung von Sow wieder zurück nach Hamburg zu fahren nicht nur Konsequent, sondern auch die einzig mögliche. Alles andere wäre kontraproduktiv gewesen.

  6. @Thomas:
    Julia schreibt:
    „ich bin jederzeit bereit es den Leuten zu erklären und finde es auch ätzend, wenn andere Menschen das nicht tun. Aber: bei soviel Inkompetenz kann ich die gute Frau Sow wirklich verstehen.“

    Was diesen konkreten Fall angeht, ist es schon eine starke Verfehlung (was ich ja auch mit meinem Gleichnis der Fachtagung klar machen wollte). Ich bezog mich mehr auf die Welt, die sich in den Kommentaren zu diesem Eintrag auf der Seite von Noah Sow mir zum ersten mal erschloss. Und auch die Seite vom Blog „Der braune Mob“. Ich habe mich da jetzt weiter eingelesen und schlau(er) gemacht. Ja, ich verstehe jetzt, was latenter, nicht böse gemeinter Rassismus ist. Und ich bemerkte auch, dass auch ich damit schon haderte, es aber auch immer wieder mal an wandte.
    Ja, darauf hinzuweisen, dass ein Satz wie „ich mag die Schwarzen, wenn die Tanzen, die haben einfach Rhythmus im Blut“ rassistisch ist, weil er aus einer Mehrheitsposition Menschen stereotypisiert, ist richtig und sollte von jedem von uns angesprochen werden.

    Aber wenn jemand lernen will, sich hinzustellen und zu sagen: Du bist doof und hast nix mitgekriegt, geh und ließ alle Bücher und komm dann wieder, das geht nicht.
    Ich bin daher positiv besänftigt, dass ich auf der Seite vom braunen mob die FAQs gefunden habe. Dort ist alles sehr nett, ruhig und vor allem gleichberechtigt erklärt. Und so wird auch ein Mensch wie ich, der nicht böse sein will, wenn er doch mal rassistisch ist, besänftigt und auf die Seite der Sache gezogen.

    Aber doch noch eine Frage: Warum gibt es keine „reverse racism“? Ist es, weil Rassismus als „aus einer Machtposition heraus“ verstanden wird? Bin mit dieser Definition nicht einverstanden.

    Gru

  7. Hey, dein Foucault-Studium in allen Ehren, aber das Gegenstück zu Muschi ist nicht Penis. Soviel begriffliche Sorgfalt sollte schon sein ;·)

  8. @testamentum

    „Aber wenn jemand lernen will, sich hinzustellen und zu sagen: Du bist doof und hast nix mitgekriegt, geh und ließ alle Bücher und komm dann wieder, das geht nicht.“

    Aber in diesem Fall hats ja wunderbar funktioniert:

    http://asta.hs-fulda.org/news/veranstaltungen/685-ausgefallen-lesung-mit-noah-sow

    Kernsatz: „Wir bedanken uns dafür, dass Frau Noah Sow uns durch ihre konsequente Reaktion die Augen geöffnet hat.“

    Und bei Dir hats ja auch funktioniert. Du warst erst vor den Kopf gestossen, hast dich dann weiter informiert und bist jetzt schon ein bißchen in der Materie drin.

    Es verlangt auch niemand, dass es keine „sanften“ Methoden bei der Wissensvermittlung von Privilegien geben darf.

    Es soll allerdings keine unangemessene Erwartungserhaltung an Expert_innen geben, die immer nach der Pfeife der Unwissenden tanzen sollen.

  9. ich glaube was dir gut tun würde, einfach auf dich stolz zu sein oder ständig darüber nach zu denken, was andere von dir halten…ist doch alles ok! längere antwort kommt vielleicht noch,aber eigentlich sagt das schon alles wichtige!

  10. @julia: warum bedarf es des dieses „gang nach carnossa“? ersetzen wir damit nicht auch nur ein konstrukt durch ein anderes und verteilen dadurch das schlechte gefühl auch auf die mehrheitsgesellschaft, ohne zugleich das schlechte gefühl der minderheitsgesellschaft zu mindern?

    ich sehe solche dinge eher als stilmittel, in einer unmittelbaren vermittlung dessen, was ist.

    bei obigem fall hätte ich es bspw. extrem souverän gefunden, sich einfach neben diese lampe zu setzen und das ding zu thematisieren… was denkste welch betretenes schweigen da in diesem raum gewesen wäre?

    mE ist genau das ja der punkt, dass sich alle für aufgeklärt und tolerant halten, ohne zu merken wie im kleinen die diskriminierung fortgesetzt wird.

    nun, die lampe hat ja eine klare konnotation, aus der historie heraus. ich seh gerade darin, immer mehr chance als aufregungspotenzial… denn es betrifft das unmittelbare lebensumfeld der beteiligten. das, was sie sind und wie sie leben. da kann man die mauern am besten einreißen.

    statt dessen gibt es nun nen shitstorm und danach gehts weiter wie gehabt. schlimmer noch, die lampe wird weggestellt, damit ruhe herrscht und es ändert sich nix.

    mfg
    mh

  11. du hast mit allem Recht, was du an Diskurstheorie hier nennst.
    und doch geht es am Problem vorbei.
    denn: der Diskurs wird ja systematisch sabottiert, teilweise ganz verhindert.
    um es mir Bourdieu zu sagen: was passiert, ist dass ein Habitus entstanden ist, der ganz bewusst der Abgrenzung nach „Unten“ dient. und ich sage bewusst „Unten“, weil die ausgegrenzten NUR qua mangelnder Bildung ausgegrenzt werden. Das ist Abgrenzungshabitus par Excellence. und so sehr ich auch dafür bin, die Lebensrrealitäten von diskriminierten Menschen anzuerkennen – das ist wirklich ein MUSS! – und ihre Geschichte und Gefühle noch viel mehr als bislang in dieser Gesellschaft zu besprechen. so sehr störe ich mich an der neuerlichen Ausgrenzung der anderen Gruppe. der naiven. der nicht-akademischen.
    ich bin Pädagogin und als solche kotzt es mich tierisch an. anfangs habe ich noch versucht. darauf hinzuweisen, das mal anzusprechen etc… alles abgeblockt. man hat aufgehört, Menschen ernst zu nehmen. man hat aufgehört, RESPECT PER DEFAULT als grundsatzeinstellung zu haben. Jetzt muss man sich Respekt erst verdienen, indem man das vorgegebene „frisst“ und nachplappert…
    der weiter oben schon angesprochene Watzlawick hat in „wie wirklich ist die wirklichkeit“ gute Antworten für das Kommunitkationsproblem in diesen Interaktionen geliefert. ich werde das gerne an gesonderter Stelle noch einmal posten.

    LG
    Kadda

    1. @testamentum naja, es „gibt“ ihn streng genommen schon – weil es ja eben eine grundsätzliche Struktur ist. Und wenn ich jetzt von weißen automatisch davon ausgehe, dass sie xy sind/tun .. nun dann ist das schon Rassismus im eigentlichsten Sinne. ABER es geht ja hierbei vor allem um handfeste Diskriminierung – und die ist als Minderheitenvertreter eben immer nochmal krasser. Deswegen wird der Begriff abgelehnt, weil er in erster Linie eine Verharmlosung der Erfahrungen der Minderheiten versucht und die, grundsätzlich priviligierte Mehrheit zu Opfern macht. Ich finde das auch etwas inkonsequent, aber angemessen.

      @kadda <3 Ja, du hast ja Recht. Mir ging es bei dem Post gar nicht um diesen dummen Hype 😉 Ich wollte eh mal grundsätzlich zeigen, wie meine Weltsicht so ist – und da is Foucault the man (haha) – aber der Aspekt, dass der Diskurs auch verhindert werden kann bzw. die neuen Normen zur ultima ratio werden … ja. Mea culpa 🙂

      @mh jaein. Also klar wäre es schön, wenn sie in diesem Moment so locker bleiben könnte und das nutzen könnte für Aufklärung. Aber – naja, war sie nicht und ich respektiere ihr Verhalten. Ich wäre auch sauer geworden 😉 Aber mir fehlt es ja auch eh an Gelassenheit 😀

  12. also logischer und auch feministisch korrekter, sowie umgangssprachlich überzeugender wäre imho Privilegienpimmelhete als male cis-gender Pendant 🙂

  13. @testamentum, noch einmal, wenn ein Asta eine Veranstaltung zum Thema Rassismus mit Noah Sow macht, erwartet ich, dass die Leute vom Asta ihre Hausaufgaben gemacht haben. Sie müssen ihre Arbeit kennen, ihre Positionen, etc. pp.

    Die Stellungnahme und vor allem dieser Satz aus der Stellungnahme ist aus meiner Sicht nichts anderes als ein Faust ins Gesicht von Noah Sow. (Ich weiß nicht wie Sow das selbst sieht) Sow ist nicht dazu da, denen beizubringen, was Rassismus ist oder was rassistisch ist.

    Die Stellungnahme vom Asta zeugt m.E. nicht davon, dass er irgendwas aus dieser Situation gelernt hätte. Eher im Gegenteil. Es ist die kleinlaute Entschuldigung eines kleinen Schuljungen, der beim klauen erwischt wurde.

  14. So, der Beitrag von Malte Welding ist so peinlich, dass er zwar so öffentlich befunden werden darf aber nicht verlinkt werden soll? Das ist aber auch irgendwie peinlich, wenn doch m. E. als Mitauslöser für die aktuelle Diskussion – auch hier – war sein Artikel prima zu nutze, nicht wahr? Eine inhaltliche Erläuterung wäre dann doch eine ausgewogenere Auseinandersetzung gewesen, wenn diese nicht möglich erscheint, dann vielleicht besser gar nicht erst erwähnen – als nur so aus dem Stehgreif „drauf” hauen. (Weil nämlich leider auch nichts anderes als Ausgrenzung.) Schade!

    1. @creezy mir eght es ja nur peripher um den streit. ich habe ja keinen der texte verlinkt – ganz bewusst. Weil ich hier nichts aufwärmen will. ich will einen mittelweg gehen. ich finde nunmal beide extremseite peinlich. mistgabel-style halt.

  15. @Thomas

    Kann es sein, dass du mich mit testamentum verwechselt hast? 😉

    Falls ja, dann stimme ich dir vollkommen zu. Ich habe den Link hie rauch nicht reingestellt, weil ich die Stellung jetzt super substanziell gefunden hätte, sondern um zu zeigen, dass „Man muss nett, so hören einen die Leute nicht!!“ nicht stimmt.

    Auch wenn die Stellungnahme inhaltlich mau war, Noah Sows Botschaft ist ja erstmal angekommen.

    ich teile deine Befürchtung, dass es bei dieser Stellungnahme bleiben könnte und beim AStA
    alles beim Alten bleibt, aber vielleicht … ja, vielleicht werden wir ja mal ausnahmsweise positiv überrascht, das kann momentan nur die Zukunft zeigen.

  16. Zu Frau Sow fällt mir lediglich ein: Beleidigtsein ist destruktiv und bekämpft Diskriminierung nicht, sondern verstärkt diese.

  17. @ Felix Rauch

    okay, weil Du es bist, hier der Link, der sonst noch nirgendwo gepostet wurde:

    http://asta.hs-fulda.org/news/veranstaltungen/685-ausgefallen-lesung-mit-noah-sow

    Meine kurze Zusammenfassung:

    Sow: „Ihr baut hier Scheiße, ich gehe.“

    AStA: „Wir bedanken uns dafür, dass Frau Noah Sow uns durch ihre konsequente Reaktion die Augen geöffnet hat.“

    Felix Rauch (und viele andere): Wenn man nicht nett ist, wird das Nichts mit dem Antirassismus.

    ich: http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/FlatWhat
    http://www.youtube.com/watch?v=GcatQSyRK6c&playnext_from=TL&videos=wc-1fGQaFVc

    o_O

  18. Ich muss jetzt dochmal nachfragen, wen und was sie meint, wenn Kadda schreibt:

    „was passiert, ist dass ein Habitus entstanden ist, der ganz bewusst der Abgrenzung nach “Unten” dient. und ich sage bewusst “Unten”, weil die ausgegrenzten NUR qua mangelnder Bildung ausgegrenzt werden. Das ist Abgrenzungshabitus par Excellence. und so sehr ich auch dafür bin, die Lebensrrealitäten von diskriminierten Menschen anzuerkennen – das ist wirklich ein MUSS! – und ihre Geschichte und Gefühle noch viel mehr als bislang in dieser Gesellschaft zu besprechen. so sehr störe ich mich an der neuerlichen Ausgrenzung der anderen Gruppe. der naiven. der nicht-akademischen.
    ich bin Pädagogin und als solche kotzt es mich tierisch an.“

    Der leicht verständliche Basistext von Julia kann nicht gemeint sein, und auch der Gaze-Effect Text von Nadin Lantzsch ist erfreulich niedrigschwellig in der Sprache. Inhaltlich korrekt sind beide. Davon ab, konnte ich Bildungsferne Menschen unter den marodierenden Akademikerscharen, wenn mir die Freiheit gestattet ist Studenten und Abgebrochene in diese Gruppe einzubeziehen, in den diversen Kommentarspalten auch nicht entdecken.

    Wovon reden Sie überhaupt? Wenn sie sich hier als Als äussern, frag ich als Hauptschüler, Notenschnitt 3,4, und von Berufs- und akademischerausbildung Unbeflecker, den es btw Ankotzt, wenn Bildungsbürger sich und ihre eigene Blödheit feige hinter dem Sub-Proletariat verschanzen.

    1. @loellie es geht um eine spezifische Bildung. Das Argument: Lies erstmal 50 Bücher bevor wir reden, wird gebracht. Unabhängig davon, ob der Gegenüber ein Grundschüler, Abschlussloser oder Professor ist.

  19. Hallo,

    ich denke mal, dein Problem ist, dass du dich ausschließlich „an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten dieses Landes“ orientierst und deren Weltbild ziemlich unbefragt übernimmst. Was studierst du, Soziologie? Philosophie? Ich weiß, dass Foucault dort ziemlich unkritisch rezipiert wird, und in sofern ist deine Argumentation verständlich, aber unzureichend (meine ich).

    „Auch muss man hierbei davon ausgehen, dass wir die Welt nur beschreiben, nicht erkennen.“

    Überleg mal, wenn dem so ist, warum können wir dann basierend auf unserer Erkenntnis (oder unserer Beschreibung der Welt) die Welt systematisch und erfolgreich verändern?
    Sehr schön drückt das Richard Dawkins aus in seinem Aufsatz „What is Truth?“:

    „Just as you entrust your travel to a Boeing 747 rather than a magic carpet or a broomstick; just as you take your tumour to the best surgeon available, rather than a shaman or a mundu mugu, so you will find that the scientific version of truth works. You can use it to navigate through the real world. Science predicts, with complete certainty unless the end of the world intervenes, that the city of Shanghai will experience a total eclipse of the sun on July 22, 2009. Theories about the moon god devouring the sun god may be poetic, and they may cohere with other aspects of a tribe’s world view, but they won’t predict the date, time and place of an eclipse. Science will, and with an accuracy you could set your watch by. Science gets you to the moon and back. Even if we bend over backwards to concede that scientific truth is no more than that which enables you to pilot your way reliably, safely and predictably around the real universe, it is in exactly this sense that – at the very least – evolution is true. Evolutionary theory pilots us around biology reliably and predictively, with a detailed and unblemished success that rivals anything in science. The least you can say about evolutionary theory is that it works. All but pedants would go further and assert that it is true.“

    „Wahrheit wird nicht gefunden – sie wird gemacht.“

    Man muss sich auch der ethischen Konsequenzen solcher Positionen bewusst sein. Wenn die Wahrheit, dass Diskriminierung und Ausbeutung schlecht sind und bekämpft werden müssen,
    genauso „gemacht“ ist, wie die von Rassisten vertretene Wahrheit, dass Afrikaner unfähig sind, eine Hochkultur zu schaffen, wie kann ich dann die eine Position mit mehr Recht vertreten als die andere? Foucault sagt ja irgendwo, „Wahrheit ist, was sich durchsetzt.“
    Wenn dem so ist, herrscht dann nicht das Recht des Stärkeren?

    Dieser gesamte Sozialkonstruktivismus, nach dem die Menschen in ihrer Existenz völlig und unbegrenzt von den gesellschaftlichen Verhältnissen bestimmt werden, ist in sich widersprüchlich, s. etwa hier:

    http://www.das-parlament.de/2011/37-38/Beilage/008.html

    „Der Konstruktivismus verkennt in seiner einseitigen Perspektive auf die Umwelt als Verhaltensdeterminante, dass die soziale Umwelt, die auf die Individuen einwirkt und ein bestimmtes Verhalten evoziert, immer das Produkt der Handlungen eben dieser Individuen, dieser Frauen und dieser Männer, ist. Und dann stellt sich die Frage, wovon das Handeln dieser Individuen bei der Gestaltung der sozialen Strukturen, die wiederum genau das Verhalten hervorbringen, das wir beobachten können, letztendlich bestimmt wird.“

    Wenn man also behauptet, dass die Menschen von der Gesellschaft zu dem gemacht werden, was sie sind („Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht“), dann muss man sich vor Augen halten, dass die Gesellschaft aus handelnden Menschen besteht. Also Menschen machen die Menschen zu dem, was sie sind. Da fragt sich dann natürlich, wer die Macher zu dem gemacht hat, was sie sind. Und so weiter bis ins unendliche.

  20. @Julia:

    „Lies erstmal 50 Bücher bevor wir reden, wird gebracht.“

    Wer bringt das wo? Im konkreten Fall hätten ein paar Mausclicks gereicht, und wem das Vermögen fehlt, sich eine Afro-Deutsche unter dieser Lampe vorzustellen, bzw es kann und dann noch immer glaubt, da bestünde ein wie auch immer gearteter Diskussionsbedarf, scheint eher ein hoffnungsloser Fall.
    Ich finde es einfach bemerkenswert, weil es in den Diskussionen wiederholt an verschiedenen Stellen auftauchte, wenn auf die bildungsferne Schicht rekuriert wird, obwohl diese durch Abwesenheit glänzt.
    Nadines Text kann man einem Bildungsdiskriminierten unvorbereitet sicher nicht zum Lesen geben, aber es kostet ein müdes Lächeln und zwei Sätze, um den Inhalt mittels der Berschreibung von Alltagssituationen zu deren eigenen Ausgrenzungserfahrungen rückzukoppeln. Ganz einfach.
    Diese Uebersetzung wird von den akademischen Diskutanten aber geradezu militant zurückgewiesen, um sich schützend vor ein Opfer zu werfen, dass gar keines ist. Cassandra hat das, was niemand mehr zu interessieren scheint, schön anschaulich zusammengefasst.

    Worauf ich hinaus will ist, dass ich weit und breit kein Bildungsproblem sehe. Auch nicht unter Dominaten und Sub-Dominanten Akademiker_innen.

    Ich kenn dich ja garnicht, und auch keinen weiteren deiner Texte, du wärest aber kein Mensch, wenn du nicht auch schon dein Bildungsprivileg als Status missbraucht hättest. Unbenommen davon halte ich die Aussage, die Kommunikation sei auch nur an einem einzigen Punkt sabotiert worden, für eine extrem steile These, die sich durch Copy-Paste ja empirisch belegen liesse.

    Und Fachsprache ist eben genau das. Ich hatte das Privileg ein paar Jahre mit Spitzenköchen arbeiten zu dürfen, da verstehen Hausfrau wie Hobbykoch auch nur Bahnhof.

  21. @loellie

    Zum Einen ist das immer wieder der Duktus. Es wird etwas vorrausgesetzt. Cassandra zB postet fast ausschließlich englische links. Herzlichen Glückwunsch, ich kenne schon jetzt eine handvoll interessierter Leute die da keinen Bock drauf haben. Und das ist auch ok. Wenn man von mir immer verlangen würde alles auf französich zu lesen, käme ich mir auch verarscht vor. Viele Menschen können nicht gut Englisch, sind nicht trainiert im Lesen …. es gibt Menschen, die einen geisteswissenschaflichen Text kaum verstehen, weil sie es nicht gewohnt sind, weil sie keine Lust haben, weil sie xy. Ich weiß ja nicht, mit welchen Menschen du so Zeit verbringst, aber ich habe viele Menschen erlebt, denen ich zu kompliziert REDE. Klar finde ich das toll – klassischer Bildungschauvinismus. Aber das ist für mich in der Astrophyik ok; nicht bei feministischen Themen, die zu 99% jeden einzelnen höchstpersönlich und emotional betreffen.

    Zum anderen: Willst du ernsthaft die Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt gleichstellen mit flambiertem Erbsenpüree?

    Wir reden hier nicht über Schusterarbeiten oder Nahrungszubereitung, die zugegeben auch jeden betreffen, sondern über die grundlegende Struktur der Gesellschaft! Und wenn ich einen Anspruch habe, nämlich diese Strukturen aufzudecken, aufzuklärn, dann ist es BIZARR, wenn ich einen blanken Elitismus an den tag lege. Und im Anschluss an die Debatte kamen auf Twitter so Aussagen wie: Club der arroganten Akademiker gründen! (Weiß nicht ob von Nadine oder sonst wem) Da habe ich nur ein müdes Lächerkn übrig. DAS ist unreflektierter Bildungschauvinismus.

    Irgendwo in der Diskussion unter diesem Weldinggedöns kam auch die Aussage: Feminismus IST einflußreich und das reicht mir. Verstehen müssen ihn ja nicht alle.

    Ich verstehe nicht, wieso man die Texte nicht auch mal niedrigschwellig und zugänglich schreiben kann. Oder eben auch Bildungsarbeit leistet. (Was in der Satzung zB der Mädchenmannschaft verankert ist: Bildungsauftrag!) Ohne diesen Duktus, der getränkt ist … ja im Endeffekt ist es ein typisches Geisteswissenschaftlerproblem: Man glaubt mit der Vereinfachung der Sprache seinen Stand als Akademiker zu verlieren, weil man ja zugänglich schreibt. Und wenn man zugänglich schreibt, dann ist es ja nichts mehr elitäres. Ein Teufelskreis. ich meine: Aus den Büchern abschreiben kann jeder – einen Diskurs anstoßen, befruchten – da ist es , was ich wichtig finde und das geht eben über zugängliche Sprache und nicht Fachsprache.

    Elitismus habe ich genug. Fachsprachengewichse auch – das ist nicht mein Feminismus. Feminismus ist, wenn man die Definition von Zizek nimmt, eine ideologie. Und das ist auch gut so. Aber jeden, der diese Ideologie nicht versteht, oder irgendwie teilt zu verachten ist halt meh. Und unpolitisch hoch 10. Und das finde ich persönlich scheiße.

  22. @Julia

    Ja, ich poste viele Links auf englisch. Ich poste die aber immer dann wenn nach nicht-akademischen Texten gefragt wird. Ich poste die nicht in Diskussionen wo nach deutschsprachiger Literatur gefragt wird.

    Trotzdem ist es natürlich vollkommen legitim zu sagen: „Cassandra, englisch kann hier keiner ausreichend, da bringen die Texte nichts!“.

    was mich zu:

    „ich kenne schon jetzt eine handvoll interessierter Leute die da keinen Bock drauf haben“

    und, wie ich glaube zu einem großen Mißverständnis, bringt. Hier ist der Gag:

    Es ist für mich vollkommen okay, wenn Leute keinen Bock auf mich, oder „meine“ Texte haben. Es ist für mich auch vollkommen okay, wenn Leute mir das sagen und mich nicht mehr auf (bspw.) ihrem Blog haben wollen.

    ich habe auch genug Leute, die ich nicht (mehr) lese, weil mir deren Humor nicht passt, ich deren Ansicht nicht teile oder die mir halt einfach auf die Nerven gehen.

    Nur: Das Internet und darin die Inhalte zu „Gerechtigkeit“ (ich fass das jetzt alles mal so zusammen) sind weit, weit, weitaus größer als ich, als Loelli, als Nadine Lantzsch, als der Feminismus usw..

    Was ich dann nämlich nicht verstehe ist, dass Leute, die von sich aus sagen sich total gerne mit Ismus XY beschäftigen zu wollen, gar keine Quellen im Netz mehr finden.

    Und dann gerade bei den Leuten anfragen, von denen sie schon gemerkt haben, dass sie mit ihrer Art nicht zurecht kommen.

    Deshalb: Steht doch einfach dazu, dass ihr keinen Bock auf bestimmte Leute und Arten von Texten habt und macht euer eigenes Ding. Zu versuchen sich mit Leuten zusammenzuschließen, mit denen man überhaupt nicht klar kommt, ist doch pure Zeitverschwendung.

  23. @cassandra

    „Was ich dann nämlich nicht verstehe ist, dass Leute, die von sich aus sagen sich total gerne mit Ismus XY beschäftigen zu wollen, gar keine Quellen im Netz mehr finden.

    Und dann gerade bei den Leuten anfragen, von denen sie schon gemerkt haben, dass sie mit ihrer Art nicht zurecht kommen.“ ==> völlig legitimer Punkt. Ich sehe das auch kritisch, vor allem, weil es irgendwann ur noch bashen is.

    Aber: Ich finde auch, dass man über Art und Weise, Vorgehen etc. streiten kann und muss. Dass man auch eine Deutungshoheit angreifen kann und muss. Wenn ich das mit dem Feminismus anders sehe, dann kritisiere ich natürlich die, deren Ansatz ich anders sehe. Vor allem, wenn diese Meinungsmacher sind.

    Die Bubble kann keine Lösung sein.

    Und was in dieser ganze Debatte an persönlichen Überwerfungen der letzten 3 Jahre ist – keine Ahnung. Mir auch egal. ich kritisiere, was mir auf die nerven geht – und versuche eben nicht ad hominem. Weil darum geht es auch nicht!!

    Und: Ich mache ja auch mein eigenes Ding. Aber so manche Angriffe … da platzt einem schon mal die Hutschnur 😉

  24. @Julia

    „Ich finde auch, dass man über Art und Weise, Vorgehen etc. streiten kann und muss.
    Dass man auch eine Deutungshoheit angreifen kann und muss. “

    Ja, natürlich. Aber man kann doch drüber nachdenken, ob man immer ALLE in bspw. den gleichen Thread einläd.

    Du hast ja gesagt, dass viele Leute keinen Bock auf mich haben. Vielleicht sitzen jetzt auch gerade ein paar Leute vor dem Rechner lesen meinen Kommentar hier und denken:

    „jetzt wollte ich gerade was total spannendes zu Julias Beitrag schreiben und jetzt schreibt diese Quasselandra da schon wieder. ‚Ne, muss ich mir nicht geben“ *blogwegklick*

    Es wäre doch mal zu überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre bei Beiträgen einfach mal nur die eigene Gruppe kommentieren zu lassen, damit ihr euch untereinander und ungestört austauschen könnt.

    Das kann man dann ein paar Mal machen um sich Meinungen zu bilden und zu vertiefen und dann macht man einen Thread (oder am besten einen eigenen „Streit“-Blog) auf wo wieder alle eingeladen sind und man sich wieder über die Gruppengrenzen hinaus herzlich miteinander streiten kann.

    Und dann habt „ihr“ auch nicht mehr das Problem, auf „unsere“ Texte angewiesen zu sein, weil ihr dann schon, völlig ungestört von „uns“, eure eigen Inhalte erarbeitet habt und „uns“ um die Ohren hauen könnt.

  25. @julia
    wieso schreibt nicht jeder, jede so wie er, sie mag? ich brauch so mittlere texte, zu einfache und vor allem von-vorne-diskussionen sind für mich langweilig, vor allem, wenn noch so eine anspruchshaltung dazu kommt, dass ich jetzt alles erklären soll und es nicht ausreicht zu schreiben, steht da und da, bzw. es muss ok sein, gesagt zu bekommen, das ist jetzt hier für fortgeschrittene, date dich up oder lies still mit. hab ich oft gehört und es hat mich nicht davon abgehalten, weiter zu lesen. wer will, wer ernstahftes interesse mitbringt, bleibt und macht sich die mühe, eben weil er oder sie einsieht, dass es wichtig ist.
    p.s. ich hasse persönliche angriffe. das muss nicht sein.

    1. @martin ja, jeder wie er mag. Auch Kritik 🙂 Und Menschen machen Theorien, Menschen sind irrational nicht perfekt. Und ich bin nur ein mensch. Manchmal rutscht es mir raus …. in 95% der Fälle entschuldige ich mich auch irgendwann 🙂

  26. Wenn wir schon bei Foucault sind, hier noch ein Zitat:

    „Kritik ist: die Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden. […] „Nicht regiert werden wollen“ heißt schließlich: nicht als wahr annehmen, was eine Autorität als wahr ansagt, oder jedenfalls nicht als wahr annehmen, weil eine Autorität es als wahr vorschreibt. Es heißt: etwas nur annehmen, wenn man die Gründe, es anzunehmen, selber für gut befindet.“

    Aus: Michel Foucault: „Was ist Kritik?“

    Ein Plädoyer für die Ethik, für die Moralphilosophie. meiner Meinung nach. Letztlich ein Plädoyer dafür, dass der Einzelne Normenkonstrukte, Herrschaftsgewohnheiten, Normalitäten und Normativitäten, letztlich Moralvorstellungen der Gesellschaft, jenen sogenannten „Common Sense“ auf ihr „gut“ hin zu prüfen hat, was letzlich die Frage aufwirft, was dieses „gut“ ist.

    Im Übrigen hast ein Privileg in dieser westlichen okzidentalen Kultur vergessen. Du bist nicht nur weiß und attraktiv, nicht nur gesund und finanziell gut gepolstert, du bist v.a. volljährig und hast daher nicht mehr mit adultistischen Angriffen („Dafür bist du noch zu jung.“) zu kämpfen, v.a. hast du das Recht, dich zu besaufen, zu wohnen, wo du willst, zu kaufen, was du willst, ohne jemanden zu fragen, in einer Partei Mitglied zu sein und zu wählen. Ist das nicht … gut? Irgendwie?

  27. Ich würde den Bestandteilen der -ismen-Definition (Rassismus, Sexismus, etc) zusätzlich zu der Einteilung in Schubladen und der Zuschreibung von Eigenschaften noch hinzufügen, dass diese Eigenschaften ein normatives Element beinhalten und damit ein „ich bin besser/schlechter als du“.

  28. „Nicht regiert werden wollen“ heißt schließlich: nicht als wahr annehmen, was eine Autorität als wahr ansagt, oder jedenfalls nicht als wahr annehmen, weil eine Autorität es als wahr vorschreibt. Es heißt: etwas nur annehmen, wenn man die Gründe, es anzunehmen, selber für gut befindet.”

    Das ist genau das was ich meine. Wenn mir jemand Rassismus vorwirft unter Berufung auf eine Rasismusdefinition, die nicht die meine ist und ich das nicht für gut befinde, verhalte ich mich kritisch im Sinne von Foucault.

    Und tu halt weiter, was ich für gut halte. Prost Mahlzeit.

  29. hab‘ gerade frau schramm im TV beim lanz gesehen…auch zum thema „privilegienmuschi“. ooooooje, was fuer eine antwort. das ging leider daneben, aber kann ja mal passieren. vertreter der piratenpartei in talk-shows sind gerade chic –> quote ist alles! inhalt leider nichts! dennoch: viel erfolg fuer den „lena“ artigen versuch, fuss in der politischen landschaft zu fassen…wir sehen uns dann in einem jahr wieder.

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