Utopie und Feigheit

Oder: Warum ich spackeresk bin.

Ein Radikaler ist ein Mensch, der mit beiden Beinen fest in der Luft wurzelt.
(Franklin Roosevelt)

Ein Gespenst geht um in der westlichen Hemisphäre und den Ländern, die ebenso durchmodernisiert sind: Der digitale Kontrollverlust. An allen Ecken lauert er und versucht das Recht auf digitale Selbstbestimmung zu begatten. Zugegeben macht er ihr schöne blaue Augen, er stiftet trügerisches Vertrauen und gaukelt eine neutrale Funktionalität vor. Wie ein Schleier legt er sich über die Möglichkeiten und Chancen des digitalen Zeitalter und hinterlässt, was er eben so zu hinterlassen hast: Angst.

Plötzlich enstehen echte Spuren der Persönlichkeit, nachvollziehbar und oftmals erst auf den Hinweis von Bekannten oder durch das verruchte Selbst-Googlen findbar. Hat der Kampf des Datenschutzes als Abwehrrecht gegen den Staat recht erfolgreich funktioniert, ist der Kampf gegen das Gedächtnis des Internets ein Kampf gegen Windmühlen, der nicht staatlicher Natur sein darf. Der Trend sein Leben zu digitalisieren bedeutet das Private öffentlich zu machen und somit politisch. Raum für das Private ist da – jedoch nicht im Web 2.0. Surfe ich anonym, so muss ich in den zahlreichen sozialen Netzwerken der digitalen Sphäre auf eine Vernetzung mit Freunden verzichten: Zeig‘ mir deine Freunde und ich sag dir wer du bist bekommt an dieser Stelle eine völlig neue Dimension. Meine Personalausweisidentität sagt gar weniger über mich aus, als dass was ich äußere, was ich mag und mit wem ich meine Nachrichten teile.

Realität ist der Sumpf des schwarmintelligenten Gedächtnis bereits – die Frage nach dem Umgang mit der neuen Situation jedoch umstritten und diffizil. Die Angst davor, dass die eigene Haussfassade, Teil des kulturellen Erbes einer Stadt, Geheimnisse preisgibt oder angreifbar macht ist jedoch absolut paranoid.

Integrität fordern und fördern

Teil dieser Realität ist nun auch, dass das Produzieren von Leichen im Keller wesentlich kompliziertert, das Verstecken dieser Leichen nun denn so gut wie unmöglich geworden ist. Auch wenn der Fall Guttenberg abgedroschen ist, so zeigt er doch exemplarisch, wie wenig elitäre Teile der Bevölkerung die Konsequenz des Internets wahrzunehmen fähig waren und vermutlich noch sind. Doch muss das wesentlich als Chance begriffen werden, einen wirklich transparenten Staat zu schaffen. Dass dies auch die Transparenz der Akteure bedeutet ist ein Schritt, den viele noch nicht geistig gegangen sind. Und für die politischen Akteure heißt dies, ihr Handeln und die möglichen Konsequenzen radikaler zu Ende zu denken. Doch wer im öffentlichen Raum politisch agieren will, darf nicht anonym sein, darf nicht Teile seiner Identität löschen oder löschen lassen, sondern muss vielmehr mit dem Getanen leben lernen. Anonymität und politische Verantwortung schließen einander aus. Vergebung ist hierbei wohl das entscheidene. Vergebung gegenüber anderen, aber vor allem sich selbst. Und so ist der persönliche Anspruch der Post-Privacy auch eine Art Selbstkontrolle.

Privatheit ist ein Schutz – vor mir selbst und der Öffentlichkeit. Vor Anfeindung, Peinlichkeiten, vor Bloßstellung und der Reflektion mit mir selbst. Was ich nicht laut aussprechen muss, ist nicht real, ist nicht echt, ist mir nicht zu eigen. Was ich nicht ausspreche, sprechen auch andere nicht aus, sprechen andere nicht an, können andere nicht gegen mich verwenden. Solange wir in einer Welt leben, wo dies notwendig zu sein scheint, ist es umso wichtiger die Utopie einer Welt zu formulieren, in der Privatheit nicht als Schutz vor der Willkür anderer existiert. Ansonsten bleibt nur die Hoffnung auf Ignoranz der anderen und der Mut im Zweifel mit der Inkohärenz der eigenen Person zu leben.

Als jemand, der von jeher sehr offen mit seinem Leben, seiner Person und seinen Fehlern umgegangen ist und umgehen konnte, fallen mir solche Aussagen leicht, denn ja, ich akzeptiere mein früheres Ich, meine Identität 2.0 – im vollem Umfang. Leicht ist dieser Schritt nicht – verlangt er doch nicht weniger als mit sich selbst ins Reine zu kommen, sich mit allen Facetten lieben zu lernen. Doch in den Zeiten der totalen Vernetzung sind wir zunehmend dazu gezwungen uns dieser Realität – nämlich der Ganzheit unserer Persönlichkeit – zu stellen. Hat lange genug gedauert.

36 Antworten auf „Utopie und Feigheit“

  1. Die Forderung nach digitaler Kontrolle ist die Forderung, selbst entscheiden zu dürfen, ob ich meine Rollen im Netz mit meinem physischen Leben verbinden will oder nicht. Natürlich darf jeder seine Klotür aushängen und eine Webcam davorstellen, wenn er will. Aber er sollte das m.E. selbst entscheiden, und nicht dulden müssen, dass ihm der Nachbar oder der Staat die Klotür aushängt und eine Kamera davorstellt. Denn der Preis ist ja nicht überall ein bisschen Peinlichkeit; das ist eher die Ausnahme in Gegenden, wo wir mit Puderzucker im Arsch aufwachsen. In den meisten Gegenden der Welt bedroht die Kamera vor der Klotür ganz real die Existenz.

    Gerade der Schwarm, die Intelligenz der anonymen Masse, bedeutet ja, dass ich politisch agieren kann, ohne meinen Namen darunter zu setzen. Und im Netz kann ich auch unter Verwendung eines Avatar rege soziale Beziehungen pflegen. Es ist halt ein Rollenspiel, schafft Raum für Geheimnisse und macht es dadurch interessant. Die Forderung, sich in jeder Situation und jederzeit der Ganzheit seiner Persönlichkeit zu stellen, kommt der Forderung gleich, dass alle ständig nackt rumzulaufen und die Fantasie abschaffen. Persönlichkeit ist halt ein innerer Prozess und kein äusserer.

  2. Liebe Julia,

    ich bin über das Interview auf SPON auf diesen Blog geraten, auf der Suche nach – und hier bin ich bei meinem Thema – Authentizität. Ich bin nämlich zunächst einmal der Meinung, dass Du bei all der freien Meinungsäußerung, die Du mit gutem Recht praktizierst, eine der fundamentalen Forderungen der öffentlichen Gesellschaft unterschlägst.
    Das Problem, das ich mit dem obenstehenden Beitrag habe, ist die recht einfache und in sich bereits genuin politisch formulierte Ansicht, es gäbe so etwas wie ein Persönlichkeitsprofil des Einzelnen im Internet, das anzuerkennen er durch schiere Faktizität gezwungen ist. Auch weil ein Mitdiskutant in früheren Blogbeiträgen haarsträubende Dinge zu Heidegger geschrieben hat, möchte ich nun mit diesem Philosophen deutlich machen: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Gestell (also dem Sein, wie es mir durch die technische Weltherstellung gegeben ist und das sich durch mich verwirklicht) und der eigentlichen Existenz. Was antiquiert und vielleicht sogar spießig klingt – aber dennoch als aufrechterhaltener (und nicht aufrechtzuerhaltender) Unterschied immer noch gültig ist, jedenfalls aus meiner Sicht.
    Das führt mich in medias res, zum zweiten Teil Deines Blogs, überschrieben mit „Integrität fordern und fördern“. Anscheinend verstehst Du unter Integrität tatsächlich eine altpreussische Tugend, die sich vor allem im Klima des militaristisch-protestantischen Überwachungsstaates für die meisten Menschen bezahlt gemacht hat: Integer sein bedeutete demnach, entweder sich qua kategorischem Imperativ so zu verhalten, dass man einem nichts kann – in einer Umformulierung von Kants KI „Handle stets so, dass Du wollen kannst, dass Deine Spuren im Internet für immer und alle Zeit Dir und Deinem Selbstbild von Dir zugerechnet werden“ – oder die Spuren noch besser, noch effizienter zu verwischen. Wie alle revolutionären Denker (und so überinterpretiere ich mal den Beginn Deines Blogs absichtlich) hast Du aber die Dialektik des geforderten Prozesses vergessen: Transparenz ist nicht gleichbedeutend mit praktischer Vernunft. Der gläserne Mensch, mal ganz abseits von allen möglichen Würde- und sonstigen regulären Begriffen – führt, das siehst Du ganz richtig, in eine hohe Rückbindung an die eigenen Handlungen und zu einem Komplex von Verantwortung, den nur wirklich ernst- und wahrnehmen kann, wer den Prozess der Aufklärung am eigenen Leibe durchgemacht hat. Du forderst demgemäß nichts weniger als eben diese neue Aufklärung, und das sogar im beinahe wörtlichen Sinne: Jeder soll über den anderen Bescheid wissen dürfen. Vielleicht ist Dir Michel Foucaults Konzept der Disziplinarmacht geläufig. Diese Macht wird zwar zu einer bestimmten Zeit von Staat und Kapital ausgeübt, man geht aber direkt an Foucaults Intention vorbei, wenn man das Panopticon ausschließlich im Sinne einer staatlichen Macht liest. Der Staat, eingesetzt selbst als positiv gesetzter (im Sinne Schmitts: als Topos der Rechtsordnung) und sich selbst setzender ist kein Akteur wie ein Individuum ein Akteur ist. Im Gegenteil: Der Staat ist vielmehr Profiteur der vielen individuellen Diskurse, die zu steuern dann ein leichtes ist, wenn Information leicht zugänglich ist. Macht und Wissen sind direkt miteinander verbunden und es ist – pardon – blauäugig, an eine praktische Vernunft zu glauben, die den Bundestag anleiten würde – wir haben keine Philosophenkönige! Foucaults Disziplinarmacht ist eine Form von Macht, die anonym funktioniert und die denjenigen diszipliniert, der sich der Privatheit seiner Handlungen gerade nicht sicher sein kann. Und es ist gerade diese Disziplinarmacht, die zuallererst das herstellt, was Du ganz selbstverständlich „Persönlichkeit“ nennst. Sie produziert „Seelen“, eben genau auf die Art und Weise, die Du erfreut als Utopie beschreibst. Und dem möchte ich hier das Konzept der Authentizität entgegensetzen, und zwar nicht als historischen Begriff, sondern als philosophischen Entwurf. Als historischer Begriff ist Athentizität ebenfalls ein Produkt von Macht; sie repräsentiert historisch die (meist unerfüllbare) Forderung nach Echtheit, Einzigartigkeit und Individualität, die – hedonistisch gedacht – mitverantwortlich ist für einige der schrecklichsten Gräuel des 20. Jahrhunderts. Als philosophisches Konzept, als materialer Imperativ (im Gegensatz zum formalen Kants) kann Sie aber einen wirklichen Gegenpol zu einer allzu einseitigen Forderung nach „Transparenz“ sein.
    Aus der Perspektive einer bewusst gewählten Authentizität, nicht als Haben, sondern als Sollen, ist Transparenz nicht mehr und nicht weniger, als die Forderung nach dem Verlassen eines Persönlichkeitskonzeptes. So verstehe ich Privatheit eben nicht als Schutz vor dem Verlust von Privatheit (und alle von Dir genannten Formen von Verletzung sind auch Verletzungen der Privatssphäre) sondern als fundamentales Recht des Menschen auf freie Persönlichkeitsentwicklung. Dieses Recht kann durch keinen Staat gegeben werden, sondern muss auf der Grundlage einer verstandenen conditio humana zuallererst zugegeben werden, wollte man so etwas wie Staatlichkeit auch nur denken. Authentizität wäre dann das – quasi-naturrechtlich – abgeleitete Recht auf eine bestimmte Qualität dieser Freiheit, auf einen bestimmten Vollzug der freiheitlichen Selbstbestimmung, der sich nämlich darüber ausdrücken lässt, ob ich mich mit mir selber (und zwar vor jedem Bezug auf andere, selbst wenn das kontrafaktisch ist) auf so etwas wie mich einigen kann. Dass es an Möglichkeiten zur authentischen Persönlichkeitsentfaltung fehlt, das zeigt sich gerade im Internet. Es ist keineswegs die unentrinnbare Faktizität, als die Du es ausgibst. Das Internet ist Ausdruck einer Faktizität, nämlich der technischen, der wir auch nicht entrinnen können, wenn wir es außerhalb des Netzes versuchen. Zugleich ist diese Faktizität aber genau der Grund, vor dem wir so etwas wie Widerstand gegen eine Persönlichkeitszurichtung formieren können, der etwas mit Begrenzung und eben Authentizität zu tun hat. Was Du forderst, und das halte ich für ebenso gefährlich wie blind, ist die vollständige Verwandlung des Menschen in ein vollständig reguliertes, von Außen reguliertes, System von Selbstentwürfen, das sich nur und ausschließlich innerhalb dieser selbstgemachten Grenzen bewegt. Was Du forderst, und das lässt sich ohne Weiteres darauf zuspitzen, ist eine neue Beichtordnung ohne Gott, ein Schuldkomplex, von dem uns die Aufklärung befreit haben sollte. Mit anderen Worten: Aus der Sicht einer abwägenden und reflexiven Philosophie forderst Du die Rückkehr ins Mittelalter mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. Und das kann und will ich nicht befürworten.

    Herzliche Grüße,
    Daniel

  3. Ich muss jetzt mal ernsthaft fragen was ist das nur für ein kommisches interview im spiegel online? was bitte ist den diskrimminierung im internet bzw. denkst du ernsthaft das man diskrimminirung aufhalten kann das ist doch wunsch denken. und was willst du damit aussagen: “ Privatsphäre ist sowas von Eighties.“ ganz im ernst was soll dieser satz den bedeuten das ist doch nur eine flosskel die du anscheinendt verwendet hast weil dir gerade nichts besseres eingefallen ist. denkst du nicht das trotz des vielen preisgebens intimer details, auf studi vz, facebook oder wo auch immer, die privatsphäre wichtiger den je ist. vielmehr scheint es doch so zusein das genau aus diesem grund des preisgebens sich ein hilfeschrei der jugend nach intimität und geborgenheit herrauskristaliesiert. und mal ganz im ernst das der oder die staat/en sagen das sie ein vergessen im internet erschaffen wollen doch nur zur generierung von wählerstimmen dient. im vergleich dazu was giebt es den schöneres, für einen staat, als zu was was oder wer sein volk ist die stasi (DDR) häte sich über so etwas wie internet gefreut dan hätten sie nicht so viele strohmänner gebraucht. und was ist bitte Post-Privacy = Post-Datenschutz ist das ein kunst wort? habt ihr euch das ausgedacht?“ Außerdem glaube ich, dass der Wunsch nach dem Schutz der Privatsphäre eine Reaktion auf eine unsichere und potentiell gefährliche Umgebung ist.“
    denkst du das deutschland eine unsichere gegend ist? oder frankreich oder oder oder… wen ja was veranlasst dich dazu? also mich würde es freuen von dir zu hören…und nur damit schon mal nicht der eindruck entsthet ich wäre schon über dem zeniet ich bin genau so alt wie du…

  4. Interessante Sichtweise und wahrscheinlich wirklich Tatsache. Was in mir nach wie vor Unruhe verursacht ist der Fakt, dass die größten Datensammler selber wenig Transparenz anbieten (Google, Facebook, Staat, etc.). Müsste es nicht ein Geben und Nehmen sein? Also Waffengleichheit? Insofern versuche wenigsten einen persönlichen Teil meiner Identität noch für mich zu behalten. In wie weit mir das auf Dauer in einer vernetzten Welt, an der ich teilnehmen möchte, gelingt ist fraglich, zugegeben!

  5. korrektur: im vergleich dazu was giebt es den schöneres, für einen staat, als zu wissen was oder wer sein volk ist die stasi (DDR)

  6. Liebe Frau Schramm,
    es klingt alles ein bischen – verzeihen Sie – pupertär was Sie so äußern über die s.g. Indentität 2.0. Leider interessiert sich der real existierende Homo sapiens nur sehr wenig für edle Gesinnung 2.0. – er wird Ihnen „die Keule überziehen“ wenn er kann.

  7. Also ich war mal aus Spaß und Interesse auf einer Veranstaltung der DKP, und mir sind schon erstaunliche Parallelen der Wortführung aufgefallen. Hier wird nach einem alten Grundsatz Goethes agiert: In bunten Bildern wenig Klarheit,
    Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
    So wird der beste Trank gebraut,
    Der alle Welt erquickt und auferbaut.

    Die bunten Bilder werden in diesem Fall zur Rhetorik, die zwar kompetent rüberkommt, aber nicht wirklich viel Brauchbares sagt.

    Letzten Endes ist diese geforderte (weitestgehende) Abschaffung des Datenschutze und die damit einhergehende „Bloßstellung“ der Privatsphäre nichts Anderes als ein lauwarmer Aufwasch ausgehängter Klotüren in 68er-Kommunen – nur im ganz großen Stil.

    Bitte respektieren sie, dass der Mensch ein natürliches Interesse an Privatsphäre hat, zur Not setzen sie sich mit einem Psychologen und einem Evolutionsexperten zusammen, die werden Ihnen die Zusammenhänge näher bringen. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, was sich bei der Durchsetzung ihrer „Idee“ auch in der Zukunft zeigen würde: Die totale Missachtung der menschlichen Natur zu Gunsten einer idealisierten Ideologie, deren Erreichen mehr als unwahrscheinlich ist, führt zu nichts Gutem.

    Einen schönen Tag noch.

  8. Wie süß, deine naive Denke von einem integren Staat, der Interesse an Transparenz hätte.
    Die Realität sieht da anders aus, Politiker sind Sockenpuppen noch mächtigere Leute, meistens irgendwelcher Lobbyisten mit keinem Interesse für die Belange der Bürger.
    Und wenn ich mich in so einer Gesellschaft datentechnisch nackig mache, mache ich mich äusserst verwundbar.
    Für dich mag Datenschutz nicht relevant sein, für andere Menschen, die auch schon mit Indentitätsdiebstahl ,weil zu freizügig gewesen, zu tun hatten, blanker Hohn. Und wenn es deine Maxime ist, an jedem Scheiß (wie Facebook, Twitter etc.) teilzunehmen und deine Daten zu verschleudern, ist es deine Entscheidung, aber eine Form von Dogma daraus zu stricken, naiv und lächerlich.
    Das Leben ist kein Ponyhof und kein Utopia.
    Verlasse erst mal den Elfenbeinturm und erkenne, dass auch du nur ein kleines, jederzeit zu ersetzendes Licht bist. Ich weiß, es ist schwer, sich von all der Indoktrination der Schule und der Uni zu lösen, aber auch du wirst irgendwann erkennen, dass man dich von Anfang an belogen hat.

  9. Danke für dein Spiegelinterview. Du hast mir meine Wahlentscheidung vereinfacht. Für die Piratenpartei werde ich keinesfalls stimmen.

  10. Die ganze Debatte um Privatsphäre im Internet ist verschenkte Zeit, mal abgesehen davon das die Politiker im Bundestag die darüber debattieren nur wenig Ahnung von dem haben. Immer diese Allgemeinen Äußerungen, Recht, Freiheit, Privatsphäre ..klingt alles toll nur im Internet nicht umsetzbar.

    Vor dem Web 2.0 war das Internet auch nicht anonym und wird es hoffentlich auch nie sein. Internet ist Öffentlich und Global wer hier Ketten angelegt hat den Sinn davon gar nicht Verstanden. Das Internet ist frei und Privatsphäre gibt es hier nicht, Basta.

  11. Hallo Julia, ich habe gerade dein Interview bei SpOn gelesen, rege mich tierisch auf und
    muss irgendwo meinen Rant loslassen. Warum also nicht direkt in deinem Blog (wo ich
    ohnehin ab und zu schonmal gelesen habe, dein Statement zu Bodo T. fand ich ziemlich
    gelungen btw.) Ok, nun aber genug der Freundlichkeiten, kommen wir zu diesem Interview…

    Ich kriege wirklich die Krise, wenn ich bedenke, dass du mit diesen unreifen, unüberlegten
    und gefährlich fahrlässigen Ansichten für die Piratenpartei kandidiert hast. Ich dachte eigentlich
    immer, mit meiner Stimme würde ich Privatsphäre und Datenschutz unterstützen und nicht
    Exhibitionismus und den Gläsernen Bürger. Allein beim ersten Satz „Keine Macht den
    Datenschützern“ geht mir das Messer in der Tasche auf. Das ist eine so dermaßen dumme
    Provokation und ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich bisher den Schäubles dieses Landes
    in den Weg gestellt haben. Ich frage mich, welche Drogen man nehmen muss, um sowas
    von sich zu geben oder ob es eine zeitgemäße Form des Stockholm-Syndroms ist, die sich
    da zeigt. Es mag vieleicht gerechtfertigt sein, auf einer Piraten-Mailingliste oder in einem
    einschlägigen Forum solche Diskussionen vom Zaun zu brechen, aber du hättest vielleicht
    mal bedenken sollen, wem du da ein Interview gibst und welches Publikum das liest.

    Die Krönung der – mit Verlaub – Ignoranz ist für mich das Beispiel deines potentiellen Chefs,
    der über Google deine Kandidatur für die Piraten herausfindet. WTF? Was, verdammt nochmal,
    hat die Kandidatur für eine politische Partei mit Privatsphäre zu tun? Ist es nicht Sinn und Zweck
    einer solchen Kandiatur, mit seinem Namen und seiner Persönlichkeit in der *Öffentlichkeit* zu
    seinen Überzeugungen zu stehen? Lass dich aufklären: Öffentlichkeit, das ist genau das
    Gegenteil von Privatsphäre. Da hat man sich nun jahrelang gegen die verblödete Behauptung
    konservativer Kontrollfreaks gewehrt, wonach derjenige, der nichts zu verbergen hat, auch nichts
    zu befürchten habe, indem man gebetsmühlenartig erwiderte, dass man sehr wohl etwas zu
    verbergen habe, nämlich seine Privatsphäre – und dann kommst du und wischst das mit der
    blödsinnigsten Aussage seit „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ vom Tisch:
    „Privatsphäre ist sowas von Eighties“. ‚tschuldigung, aber geht’s noch?

    Wenn Merkbefreiungen nicht sowas von Nineties wären, würde ich dir dafür glatt eine ausstellen.
    Amtlich beglaubigt, mit allem Drum und Dran. Was würdest du denn davon halten, wenn der
    potentielle Arbeitgeber nicht nur deine politischen Ansichten, sondern auch deine Krankheits-
    geschichte und sexuellen Vorlieben abfragen könnte? Oder warum nicht gleich ein komplettes
    Persönlichkeitsprofil? Würdest du das auch akzeptieren, weil wir ja „längst die Kontrolle verloren“
    haben, oder würde dir dann vielleicht klar werden, dass Privatsphäre mehr ist, als die Anzahl
    deiner „Freunde“ im Fratzenbuch und die Fotos der letzten Party? Die Assoziation von Privatsphäre
    mit schlagenden Ehemännern ist nicht nur extrem geschmacklos, sondern auch absolut
    kontraproduktiv. Die Kontrollfreaks werden in die Hände klatschen, wenn sie das lesen.
    Das ist ja genau das, was sie seit Jahren predigen: Datenschutz ist Täterschutz. Wie praktisch,
    dass ihnen jetzt eine Landtagskandidatin der Piratenpartei argumentative Schützenhilfe
    zuteil werden lässt. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung und gute Nerven für den
    Shitstorm, der dir hoffentlich dafür bei den Piraten bevorsteht.

    Selbstverständlich ist ein „digitaler Radiergummi“ völliger Schwachsinn, allein schon die
    Bezeichnung zeigt, aus welcher Ecke der Vorschlag kommt und an wen er sich richtet. Mit
    Gewalt hat das aber nun ganz und gar nichts zu tun. Das ist Inkompetenz und Augenwischerei,
    Aktionismus, Kampf gegen Windmühlen, you name it. Datensparsamkeit ist das Gebot der
    Stunde und selbstverständlich liegt die Verantwortung dafür zu 90% bei den Usern selbst.
    Es gibt aber Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben und da würde ich durchaus ein
    generelles Verbot jeglichen Datenhandels, zumindest ohne ausdrückliche Einwilligung des
    Eigentümers (opt-in), begrüßen. Die bedingungslose Kapitulation vor den Datenkraken, die
    du im Interview postulierst, halte ich jedenfalls für den falschen Weg. Vielleicht solltest du
    dir wenigstens den total netzaffin, medienkompetent und webzweinullig klingenden, aber
    bisher offenbar noch nicht ansatzweise mit Inhalt gefüllten Begriff „Post-Privacy“
    markenrechtlich schützen lassen, vielleicht lässt sich damit ja wenigstens Geld verdienen.
    Politisch irgendetwas damit reißen wirst du jedenfalls ganz sicher nicht.

  12. @Timur, das ist mir auch aufgefallen, Danke für den Hinweis.

    Bei meinem ersten Beitrag stand „waiting for moderation“ und er wurde erst später angezeigt. Verzeih‘ mir bitte meinen naiven Rückschluss.

  13. Nun, mir scheint ein kapitaler Denkfehler hier vorzuliegen: dass alle Menschen tolerant wären. Das sind sie mitnichten: es liegt in der menschlichen Natur, zumindest in Gruppen andere Gruppen zu diskriminieren oder ihnen zumindest mit Misstrauen zu begegnen.

    Wenn man Datenschutz ganz abschafft, ist der Diskriminierung und Verfolgung von Menschen durch andere aufgrund von Dingen, die man im Internet über sie erfährt, Tür und Tor geöffnet.

    Dieser Ansatz ist also zu simpel, auch wenn er verlockend einfach und modern erscheint.

    Ein konkretes Beispiel: jemand nimmt überhaupt nicht an sozialen Netzwerken teil und surft nur via anonymen Proxies mit abgeschalteten Cookies und JavaScript. Dann schreibt jemand Drittes über diese Person irgend etwas, was andere im Internet finden. Das verletzt grundlegend die Rechte desjenigen, der anonym bleiben wollte, aus welchem Grund auch immer.

    Ganz drastisch wird es, wenn es sich um Menschen in totalitären Systemen handelt, dann ist sofort Leib und Leben gefährdet.

    Aber auch für Frauen z.B. kann das sehr gefährlich werden, wenn Stalker sie per Web komplett durchleuchten und damit perfekt drangsalieren können.

    Was wir generell brauchen, ist eine andere, modernere Einstellung zu diesen Fragen, sicher sind viele Teile z.B. des Bundesdatenschutzgesetzes nicht mehr zeitgemäß, ganz sicher nicht aber der Grundsatz der Datensparsamkeit. – Vor diesem Hintergrund ist der sogenannte Zensus2011 in Deutschland ein klarer Verstoß gegen den noch zeitgemäßen Teil von Wort und Geist des Datenschutzgesetzes.

    Dagegen müsste jeder heute lernen, dass er zum einen nur ins Web stellt, was für ihn kein Problem ist, sich bewusst, dass das danach weltweit bekannt ist, und außerdem niemals ohne Erlaubnis desjenigen Informationen über Andere zu veröffentlichen, es sei denn, es besteht ein öffentliches Interesse, z.B. bei Personen öffentlichen Interesses über deren öffentliche Betätigungen.

  14. Nichts als unüberlegte Phrasen einer belesenen Dorf-Göre. Vielleicht sollte man Dir mit Deinen ungeschützden Daten mal ein Haus in der Ukraine kaufen? Das wäre doch ein Internetspaß allererster Güte.

  15. Hallo Julia!
    Deine Ideen sind nicht unattraktiv, aber Du vergisst ein Detail: 99 Prozent der Menschen sind dumm wie Sch*** und werden in ihrem jämmerlichen Leben niemals in der Lage sein, die elementare Voraussetzung für Deine Idee zu erfüllen: Geistige Reife.
    Ich hoffe für Dich, dass Du nicht eines Tages aufwachst und feststellen musst, dass Du den Weg kennst, aber ihn in dieser Gesellschaft niemals wirst gehen können.
    Die Suche ist tatsächlich der beste Teil des Spielchens. Viel Spaß!

  16. Vielen Dank!
    Meine Sympathie für die Piratenpartei hat sich dank des Interviews erledigt.

    @PrinzipiellNichtAbgeneigt Says
    Was für ein Weltbild hat man, wenn man meint es seien „99 Prozent der Menschen dumm wie Sch***“? Ist das vielleicht so wie in dem Witz mit dem Falschfahrer?

  17. Liebe Kommentatoren,

    ich kann all das niemald beantworten. Nur soviel: Ich kenne all die Bedenken, all die Kritik und ich weiß, dass es ein explosives Thema ist. Das Interview ist stark verkürzt. Ich habe zB lange darüber gesprochen, dass anonymes Surfen erlaubt bleiben muss, ja gefördert werden muss und das ich im Iran Tor nutzen würde! Auch die Fähigkeit zur informationellen Selbstbestimmung möchte ich gestärkt sehen. Deswegen nenne ich es auch Utopie. Ich träume von einem unreguliertem Internet und einem selbstbestimmten Mensch! Ha!

    Ich werde die genannten Argumente nehmen und in einem folgenden Blogpost noch einmal ordentlich entkräften 😉

    Bitte verzeiht, dass ich auf private emails und Kontaktversuche kaum eingehen werden kann. Und auch die Beleidigungen werde ich geflissentlich übergehen.

    Die Freischaltfunktion habe ich vor allem wegen des Spams. Und weiß auch grad nicht, wie ich sie ausstelle.

    So oder so: Danke für die Resonanz. Ohne euch wäre das alles nicht möglich!

  18. Liebe Spackeria,

    Okay, dein Wille nach irgendwas coolem, hippen, utopischem anscheind in total entspannter Diskussionsrunde bei ner Bionade und elektronischer Hintergrundmusik Enstandenem mal dahingestellt, aber:

    Was zur Hölle hat Anarchie mit Abschaffung der Privatsphäre zu tun?

  19. Liebe Julia,

    ein guter Rat: bevor Du daran gehst, Argumente zu „entkräften“, wäre ein politisch reifer und verantwortungsvoller Umgang damit vielmehr, sie zu bedenken und die eigene Position zu prüfen. Jemand, der mit Vorliebe Philosophen zitiert um die eigene Position zu profilieren sollte sich darüber im Klaren sein, dass er/sie sich immer bereits selbst in ideologischen Fahrwassern bewegt, wenn die eigene Position damit nur untermauert und nicht etwa geprüft wird. Du träumst von einem selbstbestimmten, autonomen Menschen? Und Du zitierst Kant, wenn Du von einer „inneren Aufklärung“ sprichst? Nun, dann wäre es an der Zeit, auch die kantische Redlichkeit bei der eigenen Positionierung zu übernehmen und Verantwortung da zu zeigen, wo Du sie selber einforderst: Bei der Entwicklung, Prüfung und Reformulierung politischer Ansichten. Die Versicherung, alle Gegenargumente seien einem bekannt, lässt die Vermutung zu, dass es Dir nicht um Diskussion, sondern um Dogmatismus geht. Und das ist sicherlich nicht förderlich wenn Du daran denkst, im politischen Geschäft mitmischen zu wollen.

  20. Was für ein Quatsch, Julia. Dass du dein Interview bei Spiegel Online ernst gemeint hast, bestätigst du durch diese Internetseite. Nach nicht mal 2 Minuten wusste ich, wie du heißt, was du machst, welche komische Einstellung du hast und dass du ein unglaubliches Mitteilungsbedürfnis hast. Gegen letzteres ist prinzipiell nichts einzuwenden, solange du das „temporär“ auslebst. Das bedeutet: Telefonieren, Chatten, Mails schreiben. Sobald aber irgendwas im Internet landet, werte ich das als Exibitionismus.

    Ich bin übrigens auch ein junger Mensch. Ich bin weder in StudiVZ, noch in Facebook, ich twittere nicht, verweigere mich Google Mail, habe kein Youtube-Profil, keinen Xing-Eintrag und keine Internetseite/Blog. Ich möchte auch nichtsdergleichen.

    Noch was als Abschluss: Lieber wenige, gute Freunde, als viele, schlechte Freunde.
    In diesem Sinne: Festige deinen Charakter! Ohne Internet.

  21. Piraten, Produzenten von kostenloser Software, etc. sind eine Sache, große, intransparente Unternehmen wie Facebook, Goggle, etc. eine andere. Ergo ist diese ganze Post-Privacy Geschichte nicht mehr als der übliche, feucht, libertäre Traum: Freiheit wird mit unternehmerische Macht verwechselt.
    Das ist allerdings nur die ökonomische Seite, wer etwas deutlich ausgegoreneres, kulturkritisches zum Thema lesen will dem empfehle ich diesen Artikel der übrigens nicht mit der fragwürdigen Annahme der heilen Person arbeitet die mit sich ins Reine kommt: http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2006/dec/30/comment.media

  22. Hi
    vielleicht ist das jetzt doppelt, sorry wenn ja

    Also

    Liebe Julia

    Danke für Deinen Super Beitrag

    Du hast absolut recht. Dazu könnte man noch dies oder jenes sagen.

    Das viele anfangen aus Reflex zu nölen war dir wohl klar.

    Angesichts des üblichen Üblichen sehe ich keinen Grund, die Kritiken besonders ernst zu nehmen.

    Vielleicht was

    @ Daniel über mir

    Die versicherung, die gegenargumente zu kennen könnte auch eine Abkürzung sein, um sich nicht schon wieder mit dem standard gesülze zu beschäftigen.

    Die alten Meinungsparteien wollen einfach nicht einsehen dass ihr Lebenswerk, welches eng vernüpft ist mit den immergleichen Grabenkämpfen, vorbei ist. Wenn man im leben nichts anderes hatte als eine meinung kann das natürlich subjektiv sehr hart sein und man ist bereit, alles mögliche zu behaupten um sich seiner Relevanz zu versichern. Aber: es juckt nicht.

    Es ist als ob man mit einem magischen UrMenschen spricht und dieser am liebsten über den grund, warum diese Form von Magie besser als diese ist. Und für einen modernen menschen ist es so oder so alles gleichermassen Magie, und darauf hat er/sie einen einzigen Insgesamt Blick, es ist daher unsinnig darüber zu diskutieren.

    An Dich, Julia noch ein Link eines Essays eines Freundes meinerseits. Wir nehmen teil an einer aus allgemeiner Sicht etwas bizarren Gruppierung namens „Integrale Bewegung“, bzw Evolutionäre Bewegung, darum gibt es eine eigenartige Terminologie, aber ich denke Du schaust durch.

    Der Inhalt dreht sich um ein Weiterdenken des Aufhebens der privatheit auf einer Globalen politischen, ökonomischen und justiziellen Ebene. Das ganze benutzt kritische Sichten nur als Werkzeuge und versucht herauszuarbeiten, inwiefern das ganze ein Zivilisatorischer Fortschritt für die globale Menschheit ist. Es ist denke ich auch ausserhabl dieses Denkrahmens nutzbar, und entwickele gerade eine parallel Theorie auf Systemtheorie, Konstruktivismus aufbauend und dazu einem Ideenkatalog für die Praxis von jedem einzelnen ausgehend.

    Theory of social omnipresence
    http://integrallife.com/member/brian-assam/blog/theory-social-omnipresence

    Und an alle, die „utopie“ als kritisches Wort gebrauchen, keep in mind: das einzige, was sich nie verändert hat, ist, daß alles sich immer verändert hat

    Danke nochmal und herzliche Grüsse

  23. Sie sagten im SPON Interview, daß wir unsere Daten nicht konrollieren können. Richtig. Aber die Konzernen können und tun es. Und damit diese nicht rumwüten können, sollten härtere Regeln und Gesetze her.

  24. Du bist Deutschland!

    Nicht nachdenken,öffentlich Sch*** labern und „Gefällt mir“-Button drücken!

    Fail…die Piratenpartei hat dank Ihnen einen Wähler verloren!

    Spacken triffts schon ganz gut…

  25. @Sebastian Stark

    Mal abgesehen davon, dass ich (der scheinbar über ein bestimmtes esoterisches (im Wortsinne gebraucht) Wissen nicht verfügt) mit Deinem Link und den auf der Seite präsentierten Texten schon alleine deswegen nichts anfangen kann, weil ich einen Synkretismus, der sich die Welt zurechtschnitzt, wie sie sein soll, nicht befürworte –
    Wer seine Meinung öffentlich äußert, der kann sich seine Antworten eben nicht aussuchen. Es ist für eine Weltanschauung, wie Du sie anscheinend vertrittst (siehe den Link), dass sie im Kern elitär, esoterisch und herrschaftsbewusst ist. Für diese (völlig von der Person unabhängigen) Strukturen gibt es mannigfaltige Beispiele in der Geschichte. Nur zu behaupten, es besser zu wissen, als alle anderen, das ist kein Beweis für diese Behauptung. Das „übliche Gesülze“ ist eben genau das, was man bekommt, wenn man neben Inhalt auch noch strategisch Polemik und Provokationen einbaut. Oder um Dein „Argument“ umzudrehen: Was hast Du viel mehr als eine Meinung? Wovon unterscheidet sich Dein Grabenkampf von all den pseudo-wissenschaftlichen, proto-philosophischen und esoterisch-synkretistischen Entwürfen, von denen es millionenfach mehr gibt, als von ernsthaften Lösungsvorschlägen? Was leistet Deine Weltanschauung denn mehr, als eine weitere Meinung zu sein, die außerdem von einer Minderheit vertreten wird? Und was sind Deine elitären Aussagen anderes, als eben diese Struktur einer Minderheitenmeinung, die, um sich Geltung zu verschaffen, auf sich aufmerksam machen muss?
    Es ist, als ob man mit einem Okkultisten spricht, der nichts anderes tut, als sophistisch Wörter herumdrehen. „U-topos“ ist der Nicht-Ort, d.h. eine notwendig transzendente Vorstellung, die normativ zu wenden das Einfachste auf der Welt ist. Systemtheorie und Konstruktivismus sind keine Theorieformen, die man einfach so über einen Kamm scheren und mit denen man etwas „aufbauen“ könnte. Sie stellen Perspektiven innerhalb einer Perspektivenvielfalt dar – sie klingen toll, sind aber bereits seit mehr als 40 jahren problematisiert und diskutiert worden. Weniger ist mehr. Und das Standartgesülze ist eben das Mehr, das auf ein Zuwenig folgt.

  26. Lieber Daniel

    wie du richtig feststellst, ist meine Weltanschauung elitär. Sie basiert darauf, dass, wenn sich jemand nicht die Mühe gemacht hat, sich zu entwickeln, so ein Mensch nunmal nicht so entwickelt ist, wie jemand der sich diese Mühe eben macht.

    Mein BlogIntro sagt ja direkt: ich gebe keine Einleitung. Standardwerke werden einfach vorausgesetzt, da muss man sich halt die Mühe machen, ich will mich bewusst ins Abseits stellen um mit dem mainstream diskurs nichts mehr zu tun haben. Dabei habe ich es auf eine Ablehnung von Quantität und eine Hinwendung zur Qualität abgesehen, ausserdem auf eine Radikalisierung. Das kann man mir also nicht zum Vorwurf machen, schließlich ist es bewusste absicht. Der Egalitarismus und Pluralismus der letzten 40 jahre ist für mich eine lebende leiche. Die Terminologie ist tatsächliche keine, die einfach ausgedacht wurde, sondern eine Zusammentragung des Weltwissens.

    Viele der Passgane die jetzt kommen sind (von mir) vorgeschrieben, weil ähnliche kritiken oft kommen, ich habe sie ein bißchen personalisiert..

    Zum zweiten Teil. Deine Kritik ist eigentlich sehr ähnlich der integralen am postmodernen blabla. Der Witz ist eben, das wir von genau der von dir geäußerten kritk ausgehend versuchen, bneue Wege zu beschreiten.

    Die Integrative Sichtweise geht einfach davon aus(in meinen Worten, bitte merken! Es gibt viele Varianten und sehr viele Superdicke Büche): Wahrheit durch Überlieferung – Tradition -ist tot. Wahrheit durch Richtigkeit, Evidenz, Objektivität – Moderne ist tot, Pluralistischer Relativismus, Dekonstruktion, Konstruktivismus – Wiederspricht sich im endeffekt selber, ist also_ tot(durch Selbstmord : ). Wirt haben jetzt 4 Möglichkeiten(habe ich mir gerade spontan ausgedacht : ) : Regression, Stagnation, Nihilismus/Zynismus/pessimismus, oder eben: progression in ein unbekanntes neues. Während die tradition EINE Wahrheit anerkennen wollte, willkürlich, wollte auch die moderne eine Wahrheit anerkennen, doch nun auf der basis von Evidenz, danach: die Postmoderne: Viele Wahrheit, gleichberechtigt jede für sich.

    Was kommt jetzt? Eben die Integrale Antwort, die komplette Integration von allem was war zusammen mit einer positiven Öffnung für eine ungewisse dynamische Zukunft.

    Das ist eine Vision, die für viele menschen eine intensivere Überzeugungskraft hat als die xte lets save the world Initiative. Etwas radikal anderes. Etwas, das sich auf die gesamte geschichte der Menschheit, und, in meiner extremen inner-Integralen Randgruppe, auf die gesamte geschichte des Universums bezieht. Vom BigBang bis heute, ein systemprozess. Daraus ergibt sich auch eine ganz neue visonäre Utopische Radikalisierung, weil die U-Topie als Attraktor Punkt, mit teilhard de Chardin, als universaler Omega Punkt darstellt, eine Asymptote, eine nie zu erreichende Sonne. Die basis für eine ewige Revolution als Zukunft der menschheit. Vorantreiben der Komplexifikation, für immer. Nietzsches Ewige Wiederkehr, die Evolution, ein kosmogenetischer Konetext, wissenschaft, Bewusstsein, Ökonomie, Ökologie, alle Kulturen, alles, einfach alles, vereinigt, in einer dynamischen, sich selbst FÜR IMMER WEITERENTWICKELNDEN VISION.

    Das mag nur für die gut sein, die privilegiert genug sind sich damit beschäftigen zu können. (Persönliche notiz am Rande: Ich bin Immigrant in D-land und Unterschichtlicher Abstammung, weiterhin Schulabbreche. ich sehe ein dass ein paar Faktoren in meinm leben vielleicht weniger problematisch waren als in anderen, aber wenn mir bspw weisse Mittelschichtler einen von „Elitär “ erzählen wollen, während sie die Wolken zählen, krieg ich die Krise)

    jedenfalls: Wir wollen doch dass es immer mehr mensch weltweit immer besser geht, wie auch immer. Also weren immer mehr menschen eines tages die Freiheit haben sich mit mehr beschäftigen zu können als mit ihrem Überleben. Ausserdem müssen die Priviligierten sich nunmal bemühen, aetwas zurückzugeben, bis heute beruht aufwachsen ab oberer Mittelschicht faktisch immer noch auf ausbeutung, und auch ansonsten währe es nett. Und eben da setzt die Integrale bewegung ein. Schluss mit WaldUmarmungsseminaren und banalen kritischen Theaterstücken, jetzt gehts ran. ich zB leite die Integrale Jugend D-land, einen Salon, moderiere eine Website, schreibe einen Blog und für Magazine etc, und mit anderen Gemeinsam können wir authentisch aus der Entfremdnung der Postmoderne entkommen, ohne uns in alte Sachen zu flüchten, sondern durch eben das einzige, was einem authentisch einen positiven Sinn im leben gibt: Etwas neues, dessen zeit wirklich gekommen ist.

    Die Frage ist also nicht die nach der Richtigen Meinung, auch nicht nach einer meinung über das meinungshaben. Es geht hier um mein und dein leben. ganz im ernst. Du hast nur eins und nur eine Chance, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, also überleg dir gut was du damit tust

    Alles Liebe
    Sebastian

  27. Kein Problem, sauf ma wieder richtig einen! Anders haelt man diesen Quatsch um die „Datenoeffner“ ja nicht aus. Wenn Frau Schramm gerne sich entbloessen will, gerne. Aber ich werde das garantiert nicht tun. Und 80 Mio. andere Deutsche.

  28. Sorry, aber die Welt ist halt einfach noch nicht so weit. Es gibt Länder, da ist politischer Aktivismus im eigenen Namen Selbstmord. Und schlimmer!
    Selbst in Deutschland wäre es doch bescheuert, seinen echten Namen unter ein Bekennerschreiben o.Ä. zu setzen.
    Totale Transparenz der Gesellschaftsmitglieder setzt eine 100% intakte Gesellschaft voraus. Auf dem Weg dorthin, ist Privatssphäre eines unserer wichtigsten Werkzeuge.

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