Wahnsinn und Erkenntnis

„Mir kommen die Wege, auf denen die Menschen zur Erkenntnis gelangen fast ebenso bewunderungswürdig vor wie die Natur der Dinge selbst.“ Johannes Kepler

Das Fasten ist offiziell beendet, doch ich habe Gefallen an der Rauschfreiheit gefunden, da ein klarer Geist wahre Wunder bewirken kann – bezogen auf das Erkennen der eigenen Neurosen, aber auch als Chance die eigenen Ziele und Erwartungen disziplinierter und belastungsfähiger umzusetzen. Und so kann ich, weil ich will, was ich muss, wie es Immanuel Kant, heute vor 286 Jahren geboren, auszudrücken vermochte. Doch nicht nur die Fähigkeit meinem eigenen Leistungsdruck zu entsprechen hat mir die Zeit der Besinnung gegeben, vielmehr hat sie mich mit den eigenen Unzulänglichkeiten versöhnt, den Weltschmerz gar gelindert und den jedem Menschen irgendwie inne wohnenden Wahnsinn zu akzeptieren gelehrt. Denn was ist Wahnsinn? Sprachgeschichtlich leitet es sich gar vom althochdeutschen wan (Hoffnung, Erwartung, Glaube) und vom lateinischen vanus, also leer oder mangelhaft, ab, so dass der Wahnsinn auch als falsche Hoffnung, aber auch falsche Erwartung, definiert werden kann. Foucault hat den Wahnsinn dann auch als Brandmarkung des Abweichen von der gesellschaftliche Norm erkannt und so stellt sich unweigerlich die Frage: Ist man nicht auch gerne wahnsinnig? Flüchten wir uns nicht gerne in falsche Hoffnungen, deren Realitätssinn  es anzuzweifeln, jedoch ihre wohltuende Daseinsberechtigung anzuerkennen gilt? Ist es nicht gar notwendig sich dem Wahnsinn ab und an hinzugeben, in diesem normierten und gleichzeitig so fehlerhaften gesellschaftlichen System? Bedeutet Wahnsinn anerkennen und leben nicht auch den Konflikt als gesellschaftlichen Motor, wie es Dahrendorf pointiert, zu verstehen? Macht uns ein wahnsinniges Blitzen in den Augen nicht eben erst attraktiv für unsere Umgebung?

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